Jahresrückblick 2020 … Mein Coronajahr

2020 ist endlich hinter uns und ich fühle mich ausgelaugt, müde und vollkommen fertig. Und irgendwie hat meine Erschöpfung auch nicht wirklich etwas mit der aktuellen Pandemie zu tun … oder doch? Ach, ich habe längst den Überblick verloren, denn die letzten Monate fühlten sich wie mehrere Jahrzehnte an. Auch aus diesem Grund ist es in den letzten Wochen sehr still auf RenisBooks geworden, weil ich einfach keine Kraft mehr hatte, auch noch zu schreiben. Lieber habe ich mich in die Geborgenheit meiner Bücher verkrochen und die Realität ausgeblendet, auch wenn diese mit allen Mitteln versuchte, meine Aufmerksamkeit zu erhaschen. 

Jetzt ist das Jahr vorbei und ein Neues hat begonnen. Zeit, noch einmal einen Blick zurück zu werfen und aus den Fehlern und Durststrecken des letzten Jahres zu lernen, bzw. die guten Momente noch einmal zu rekapitulieren und aus ihnen Kraft für 2021 zu schöpfen. Sollen wir beginnen? Na dann, los geht’s …

Eigentlich fing 2020 gut an. Seit Weihnachten 2019 frönte ich meiner wieder entdeckten Liebe zu den Drei ??? und sprang ab Januar von einem schwarzen Buch zum nächsten, während meine Ohren ja schon seit Oktober 2019 nichts anderes mehr zu hören bekamen. Meine Freizeit verbrachte ich auf liebsten in Onlineantiquariaten, um meine eigene schwarze Sammlung aufzubauen, die noch einen Monat vorher aus genau einem Buch bestanden hatte (mittlerweile sind es 197 Bücher … mir fehlen nur noch 57). Gleichzeitig freute ich mich auf März, denn ich hatte eine zurückgegebene Karte für die Live-Tour der Hörspielreihe in Nürnberg ergattert. 
Auf Arbeit erlebte ich gleichzeitig meine erste Einkaufsrunde: Gespräche mit Vertretern, Aufträge erstellen, Leseexemplare horten und irgendwie noch das übliche Tagesgeschäft jonglieren, bestimmte in diesem Monat meinen Alltag. Und Ende des Monats stand auch die Nürnberger Spielemesse an – ein absoluter Kulturschock, den ich nur dank meiner tollen Kollegin überstand. Ich liebte es. Genauso hatte ich mir meinen Job vorgestellt und mit jedem Tag schätzte ich mich glücklicher, 2019 meinen Arbeitsplatz gewechselt zu haben für diese Traumstelle.

Dann kam der Februar. Etwas müde vom Stress im Januar arbeitete ich alles auf, was im letzten Monat während der Frühjahrsreise zu kurz gekommen war und zählte die Tage bis zur Leipziger Buchmesse. Endlich würde ich Anna wiedersehen, endlich zurück in meine Studienstadt kommen und meine Kommilitonen und andere Freunde wiedertreffen. Ich reservierte mir diese Zeit als Urlaub, buchte Hotel und plante Verlagsbesuche an den Messeständen und hibbelte vor mich hin in freudiger Erwartung. Dass Covid-19 China in Atem hielt, tangierte mich nur in der Hinsicht, weil es die Lieferfähigkeit der Tonieboxen einschränkte. Da ich kaum Nachrichten konsumiere (die ziehen mich zu sehr runter und machen mich fertig), nahm ich nicht das Ausmaß des Virus wahr und rechnete erst recht nicht damit, dass es bald auch unser Leben einschränken könnte (jaja, naiv, ich weiß, aber zu der Zeit waren das alle, auch die, die Nachrichten geschaut haben).
Meine Leseliste wurde weiterhin von schwarzen Büchern dominiert. Ende Januar war ich endlich auf dem aktuellen Stand der Hörspielreihe und gehörte von nun an zu den Fans, die alle Folgen gehört hatten. Da ich jedoch noch nicht bereit war, Rocky Beach schon akustisch zu verlassen, begann ich von vorne mit der Reihe.

März begann und von Tag zu Tag schien nun die Welt düsterer zu werden. Erste Großveranstaltungen wurden abgesagt und ich bangte um meine LBM. Dann kam der 04. März … er begann wie ein normaler Arbeitstag, alles lief gut. Doch als ich aus der Mittagspause zurückkam, und ich werde diesen Moment nie vergessen, war die Stimmung im Büro plötzlich irgendwie gedrückt. Eine Kollegin meinte, als sie mich sah, nur, „Reni, setz dich mal kurz hin. Das Nächste willst du nicht im Stehen hören.“ Und dann ließ sie die Bombe platzen: Die LBM war abgesagt, da trotz organisierter Sicherheitsmaßnahmen der Stadt Leipzig das Risiko zu hoch war. Danach war ich ein Frack und hab im Büro geheult – so etwas war mir vorher noch nie passiert, aber hey, 2020 hatte erst begonnen und es sollte nicht das letzte Mal in diesem Jahr bleiben. 
Ich cancelte also alle meine Pläne für Leipzig, da viele meiner Freunde und Bekannte auch keinen Grund darin sahen, nach Leipzig zu fahren, wenn die LBM nicht stattfand. Warum also alleine meine Zeit dort verbringen … Dennoch nahm ich mir die freien Tage und wollte mich keinem Ansteckungsrisiko aussetzen, denn eine Woche nach der LBM stand meine Live-Tour-Veranstaltung in Nürnberg an, die bisher noch nicht abgesagt worden war. Doch natürlich wurde es auch bald den Eventplanern zu riskant mit Covid-19 und auch sie sagten in meiner ersten Urlaubswoche die restlichen Termine der Live-Tour ab und verschoben diese auf Sommer (ich muss wohl nicht erwähnen, dass die mittlerweile auf dieses Jahr verschoben wurde).
Da ich damit auch keinen Grund mehr hatte, Urlaub zu machen und mich eh zuhause langweilte, beschloss ich, meinen Urlaub zu verkürzen und stand am Montag wieder im Büro. Am Mittwoch (wir sind jetzt beim 18. März) wurde der erste Lockdown verkündet und wir gingen zum ersten Mal in Kurzarbeit. Von Mitte März bis Anfang Juli würde ich meine Kollegen nicht mehr sehen … eine befremdliche Situation. Ende März erwischte mich auch noch eine Erkältung und statt weiterhin ins Büro zu dürfen, begann für mich nun auch die Phase des ersten Homeoffice.
Meine literarischen Ausflüge beschränkten sich im März noch immer auf die drei Jungs aus Kalifornien, wohingegen meine Ohren zum ersten Mal Abwechslung erfuhren nach langer Zeit. Ich verbrachte einige Zeit mit der Ferienbande (Parodie auf TKKG von Kai Schwind), entdeckte John & Maus (philosophisch und wunderschön atmosphärisch), ließ mir von Jens Wawrczeck die Geschichte des Horla von Guy de Mautpassant vorlesen und lauschte den Streitigkeiten von Uwe und seinem Känguru. 

Angeschlagen und mit Arbeit von Zuhause ging es also in den April. Mein Job hatte sich binnen Tagen von Sortimentsüberwachung und -aufstockung zu Erstellen von Online-Themenseiten für unsere Webseite entwickelt. Ich verbrachte meine Stunden damit, bibliophile Listen mit Titeln zu erstellen, die unseren Kunden beim Online-Shopping Inspiration bieten sollten. Gleichzeitig packte ich erste Kisten und plante meinen Umzug von Echterdingen nach Tübingen – ein Vorhaben, dass durch die nun präsente Pandemie sich um einiges verkompliziert hatte.
Das Homeoffice machte mir nur wenig aus. Ich hatte den Kopf voll und soziale Interaktion bekam ich über meine Mitbewohnerin. Außerdem telefonierte ich viel mit Vertretern und Verlagen zur aktuellen Situation unserer Buchläden und noch immer hatten wir Hoffnung, dass mit diesem einen Lockdown die Pandemie in den Griff zu bekommen wäre.
Um mich bei der Arbeit akustisch zu stimulieren, hörte ich weiterhin Hörspiele. Ich entdeckte in dieser Zeit Jack Slaughter (ein Dämonenjäger, der seine Feinde mit einer magischen Barbie und seinem besten Kumpel besiegt), hörte meine Lieblingsfolgen der Drei ??? und stolperte dann über die Lauscherlounge Produktionen Der Prinzessin und Plan B, beide von Ivar Leon Menger. Nicht nur die großartige und hochkarätige Besetzung, auch die Gänsehaut, die ich jedes Mal beim Hören bekam, sorgten dafür, dass ich mich schnell in seine Produktionen verliebte und nach mehr hungerte. 
Büchertechnisch blieb ich jedoch weiterhin in Rocky Beach, dass für mich immer mehr zur Comfy Bubble und zum Rückzugsort wurde, während mich immer mehr die Realität überforderte und Kraft raubte. Ich glaube nicht, dass ich mental so stabil geblieben wäre letztes Jahr, wenn ich nicht diese Bücher gehabt hätte.

Der Mai rückte näher und damit auch endlich mein Umzug nach Tübingen. Ich hatte mir eine Woche Urlaub gegönnt, um mir Zeit für die Eingewöhnung und das Einrichtung meiner neuen, tollen Wohnung zu nehmen, in der ich hoffte, endlich für lange Zeit sesshaft zu werden. Dank all dem Chaos und dem ganzen Ummelden und neu organisieren, blieb mir wieder wenig Zeit, in meinem Kopf zu leben. Auch stand im Juni die Herbstreise an und Vorschauen wollten durchgeschaut und vorbereitet werden. Gleichzeitig suchten wir nach einer Möglichkeit, die Vertretertermine kontaktlos zu gestalten und dennoch die Bücher zu bewerten.
Ich verließ zum ersten Mal in 2020 Rocky Beach und verbrachte meine Tage in Porterville mit der Darkside Park– Reihe von Ivar Leon Menger. Ich suchtete die Hörspielreihe und ihre Fortsetzung und vergrub mich nebenbei ins eBook. Von dort ging es direkt nach Panem, denn das Prequel der Hunger Games Reihe erschien Mitte Mai. Neben Darkside Park und Porterville genossen meine Ohren Space Opera (das Hörbuch, gelesen von Simon Jäger) und den Podcast Hörgestalten, produziert von der Lauscherlounge, in dem verschiedene Synchronsprecher vorgestellt werden. Zwischendurch gesellten sich jedoch immer wieder die Drei ???, denn so ganz ohne ging eben doch nicht.

Juni kam und mit ihm die Vertretertage. Allein in meiner Wohnung, nur mit Luna und Lily als Gesellschaft, telefonierte ich tagelang mit Vertretern und besprach deren Herbstprogramm. Die Pandemie erschwerte dabei den Einkauf, denn hatte man im Frühjahr noch ganz normal kalkuliert, weil „damals war die Welt ja noch normal“, waren wir uns nun vollkommen unsicher, wie in den nächsten Monaten sich die Lage entwickeln und welche Auswirkungen das auf das Kaufverhalten unserer Kunden haben würde. Auch fehlte uns die gewohnte Unterstützung der Kollegen aus den Läden, die wir in den vorherigen Reisen immer als Kompetenzen hinzugezogen hatten, jetzt aber dank der Pandemie wegen Kurzarbeit und Verringerung der Ansteckungskreise den Kontakt vermieden. 
Meine Leseliste in diesem Monat war geprägt von Novitäten, während mein Hörkonsum fast komplett zurück ging. Letzteres lag vor allem an den vielen Telefonaten und den fehlenden Arbeitswegen – wenn man jeden Tag nicht mehr drei Stunden pendelt, schafft man auch keine drei bis vier Folgen oder Podcasts oder Hörbücher mehr, stellte ich schnell fest.

Im Juli fiel ich zum ersten Mal in ein kleines depressives Loch kurz nach der Einkaufsrunde und als endlich der letzte Auftrag fertig und abgeschickt war. Der Stress war plötzlich weg und ich fühlte mich ausgelaugt und müde. Um der düsteren Wolke nicht ganz zu verfallen und weil sich die Ansteckungszahlen relativ beruhigt hatten, entschied ich deshalb, das Risiko einzugehen und zurück auf Arbeit zu kehren. Nach so langer Zeit endlich wieder Menschen um mich zu haben und jeden Tag die eigenen Kollegen wiederzusehen, fühlte sich berauschend und gut an. Einzig die anhaltende Kurzarbeit wurde immer mehr zum Problem, denn durch den Umzug und die vorherigen Monate schwand mein ersparter Puffer und es wurde immer schwieriger, alleine all meine Kosten zu decken, ohne am Ende des Monats das Konto zu überzeihen. Die Angst, mir bald mein eigenes Leben nicht mehr leisten zu können, wuchs immer mehr und raubte mir oft die Konzentration.
Gleichzeitig wurde klar, dass Luna nicht nur anfängliche Eingewöhnungsprobleme mit der neuen Wohnung hatte, sondern sich diese immer mehr manifestierten. Sie wurde von Monat von Monat launischer, büxte immer wieder aus (übers Fenster zu den Nachbarn nach unten oder auf den Dachboden) und tüftelte sogar aus, wie sich der Hausschlüssel an der Wohnungstür drehen ließ. Dabei wurde sie immer aggressiver Lily gegenüber, die sich langsam traute (nach vier Jahren), gestreichelt zu werden. Ich versuchte mein Bestes, ihr Abwechslung zu bieten und so begannen wir, Fahrradausflüge ins Grüne zu unternehmen und sie in der Natur herumstromern zu lassen. Doch jedes Mal, wenn es am Ende hieß, wir fahren wieder heim, machte sie ein riesen Theater.
Trost suchte ich in diesem Monat in alten Lieblingsbüchern und las Die Auslese erneut und auch Daddy Langbein. Auch kehrte ich wieder für ein paar Bücher nach Rocky Beach zurück. Gegen Ende des Monats testete ich für die Arbeit die Tigerbox und deren Audioangebot und hörte hier einige Kinderhörbücher – und hörspiele.

Der August kam und während wir auf Arbeit unserem täglichen Geschäft nachgingen, litt ich dank der Sorgen um meine Finanzen und Luna unter einer Leseflaute. Nur vier Bücher bannten mich in diesem Monat, darunter auch Blood Moon und Women Don’t Owe You Pretty. Dafür lenkte ich mich mit Anna mit unserer Twilight-Lesechallenge ab, deren Artikel ihr hier auf dem Blog genießen konntet (und immer noch könnt).

Ende August stiegen dann die Ansteckungszahlen wieder und meine Ärztin empfahl, im September zurück ins Homeoffice zu gehen. Im Gegensatz zu März, wo ich nicht wusste, wie lange ich zuhause bleiben würde, ließ sich nun absehen, dass die Zahlen in den nächsten Monaten nicht wieder sinken würden, vor allem mit den Herbstferien, Advent, Weihnachten und Neujahr vor uns. Von Tag eins ging es mir schlecht. Ich konnte mich nur schwer motivieren, aufzustehen, vergaß auf mich zu achten und ignorierte Mittagspausen oder Feierabend. Oft stempelte ich mich pünktlich aus, nur um dann weiter an meiner Arbeit zu sitzen, um wenigstens etwas zu tun zu haben. Selten schaffte ich es, mich aufzuraffen, um frische Luft zu schnappen mit Luna während unserer Spaziergänge. Hinzu kam Heimweh nach meinen Eltern, die ich nur kurz im Mai gesehen hatte. Besucht hatte ich sie zum letzten Mal Weihnachten.
Dann wurde ich erneut krank, wieder eine Erkältung. Doch diesmal ging mein Husten direkt auf die Lunge und mit meinem Asthma kam nun plötzlich die Angst hinzu, wenn auch unbegründet, wie achtzehn Tage später das Ergebnis des Coronatests ergab. 
Lunas Launen verschärften sich unterdessen. Sie verletzte Lily und tyrannisierte sie. Gleichzeitig ignorierte sie mich oder knurrte mich an, wenn ich sie streicheln wollte. Ende September war ich mit den Nerven am Ende und wusste, ich musste etwas tun.
Gelesen habe ich in dem Monat nur die Graphic Novel Rocky Beach und selbst mein Audiokonsum beschränkte sich auf die Hörbücher der Wilden Hühner.

Im Oktober begab ich mich zurück ins Büro, im vollen Bewusstsein des gesundheitlichen Risikos. Doch alles war besser als Homeoffice zu diesem Zeitpunkt. Zum Glück bot man mir und einer Kollegin die Möglichkeit, uns in ein Zweierbüro an einen zweiten Standort zurückzuziehen, um so das Ansteckungsrisiko zu verringern. Trotz Isolation zu meinen anderen Kollegen fühlte ich mich nun nicht mehr so verloren, denn die morgendliche Routine fand wieder statt. Ich ging auf Arbeit, kam regelmäßig an die frische Luft, war gezwungen, pünktlich Feierabend zu machen und verließ vor allem wieder die Wohnung.
Endlich hatte ich auch wieder Lust zu lesen und las unter anderem Ich bin Linus von Linus Giese und seinen Erfahrungen als trans Mann, Rules for Vanishing (ein Mystery-Jugendthriller mit übernatürlichen Elementen und im Stil des Blair Witch Projects), Das Kleid aus Seide und Sternen (Mulan meets Project Runway meets Allerleirauh) und kehrte wieder nach Rocky Beach für einige Abenteuer zurück. Mein Leben lief wieder in seinen geregelten Bahnen, auch wenn Geldsorgen und der feline Kleinkrieg blieben.

Vor allem Luna machte mir große Sorgen. Ich erkannte meine Miez, mit der ich nun bereits seit fünf Jahren mein Leben teilte, immer weniger wieder und sah, wie sehr wir drei unter der Situation litten. Mit meinem Latein war ich am Ende, hatte jeden Tipp von Tierärzten oder Onlineforen ausprobiert und etliche Telefonate mit Freunden und Familie deswegen geführt. Doch nichts half und so blieb nur noch eine Alternative: Trennung. Dieser Schritt war eine der schwersten Entscheidungen, die ich bisher in meinem Leben treffen musste und mir blutete das Herz. Ich wollte Luna auch nicht irgendjemandem anvertrauen, denn schließlich liebte ich sie seit dem Moment ihrer Geburt in meinem Schuhregal. Zum Glück jedoch (okay, das klingt falsch, aber es war nun mal Glück für Luna) hatte meine eine Kollegin im Sommer ihren geliebten Kater an Krebs verloren und hatte einen Platz in ihrem Herzen frei. Wie der Zufall es so wollte, war sie im selben Moment bereit, jemand neuen diesen anzubieten, als ich den Entschluss gefasst hatte, Luna eine andere Familie zu suchen. Ich fragte sie, sie sagte ja und eine Woche später, am 19. Oktober schloss ich zum letzten Mal unter Tränen meine Luna in die Arme und wünschte ihr Lebewohl. Luna zog in die Schwäbische Alb mit Einfamilienhaus, Balkon und Garten, mit Trinkbrunnen, mehreren Kratzbäumen und Spielzeug nur für sie alleine. Und es geht ihr gut, sehr sogar. 
Auch meine Lily gewinnt von Tag zu Tag mehr Selbstbewusstsein und traut sich, Krauleinheiten einzufordern oder Dinge zu verlangen. Nachdem ich vier Jahre Lily kaum berühren durfte, ist das heute ein Unterschied wie Tag und Nacht. Keine der beiden zeigte auch irgendwie Zeichen dafür, dass sie die andere vermisste, was mir die Bestätigung gab, dass mein Entschluss der richtige gewesen war.

Doch mit Lunas Auszug begann diese eine Woche im Oktober erst, die in nur fünf Tagen mein komplettes Leben aus den Fugen hob. In dieser Woche spießte mich mein BH auf, meine Hose riss und am Donnerstag verkündete unser Unternehmen, dass es ab Januar mit Thalia eine Vertriebsgemeinschaft gründen würde. Diese Kooperation würde das Fortbestehen von Osiander sichern und neues Potenzial für mehr Wachstum bieten. Im Umkehrschluss bedeutet die Zusammenarbeit mit Thalia jedoch, dass ein Großteil der Dienste im Hintergrund obsolet werden würden, da diese von Thalia übernommen werden. Im Klartext: Meine Kollegen und ich würden zum Start der Übergangsphase im April 2021 ohne Job dastehen. Wir könnten natürlich bleiben und in einer unserer Buchhandlungen als Buchhändler unterkommen, doch für mich ist das keine Alternative. 
Von jetzt auf gleich verlor ich den Boden unter meinen Füßen und fühlte mich verloren. Mein Job, den ich so liebte und für den ich gerade erst nach Tübingen gezogen war, würde nach dem Frühjahrseinkauf im Januar nicht mehr existieren und ich musste mir erneut einen neuen Arbeitsplatz suchen. Da ich jedoch nach dem Studium mir ein Volontariat nicht leisten konnte, stand ich nun ohne Perspektive da, jemals in einem Verlag unterzukommen. Wer würde mich schon wollen mit zwei Jahren Berufserfahrung, jedoch ohne Erfahrung im Verlag … zumindest redete ich mir dies ein.

Der November bestand zur meisten Zeit daraus, nicht aufzugeben und mich an jedes Quäntchen Hoffnung zu klammern, das ich fand. Mitte des Monats wurde ich zu zwei Bewerbungsgesprächen bei meinem Lieblingsverlag eingeladen, doch leider erhielt ich die Stelle nicht. So trat ich meinen Jahresurlaub an, den ich bis dahin aufgeschoben hatte, nun aber endlich nehmen musste, und kehrte endlich in die Heimat zu meinen Eltern zurück, um wenigstens dort wieder Kraft zu sammeln. Ich verkrümelte mich im Nachtzirkus, tauchte ein in die schwarz-weiße Welt von Queen’s Gambit und kehrte erneut nach Rocky Beach zurück. Zu meinem Geburtstag besuchte ich Anna in Leipzig und verbrachte eine Woche mit ihr.
Nach der Hiobsbotschaft (das wird sie auch bleiben, bis ich einen neuen Job gefunden habe) im Oktober fiel mir vor allem das Schreiben schwer. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, endlich die zweite Fassung meines Buches anzugehen im Rahmen vom NaNoWriMo und außerdem war ich am Zug mit dem Geburtstagsmonat hier auf RenisBooks. Doch jedes Mal, wenn ich mich vor den Laptop setzte, um einen Beitrag zu tippen, fühlte ich mich leer und blockiert. Auch auf Instagram trat ich kürzer, denn in meiner eigenen Hoffnungslosigkeit fiel es mir schwer, auch nur irgendwas zu schreiben, was nicht total depressiv klang.

Ein wenig gerettet hat mich im Dezember Matt Haigs Buch Midnight Library. Dieses Buch handelt von einer jungen Frau, die keine Hoffnung mehr sieht und sich das Leben nimmt, nur um dann in der Mitternachtsbibliothek sich all den Leben gegenüber zu finden, die sie gelebt haben könnte, wenn nur ein winziges Detail anders gewesen wäre. Wer Matt Haig kennt, weiß, dass der Autor selbst unter Depression leidet, und doch sind seine Geschichten so voller Hoffnung, dass mir das Buch half, mein Leben aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und mich selbst aus meinem Loch zu ziehen. 
Ich trat den Weg zurück mit Lily nach Tübingen an und stürzte mich erneut in die Arbeit. Nebenbei bewarb ich mich weiter, absolvierte ein weiteres Vorstellungsgespräch (jedoch auch ohne Erfolg) und zählte die Tage bis Weihnachten, denn dann besuchten mich meine Eltern wieder. 
Übergangsweise verkroch ich mich in den Adventsgeschichten der Drei ??? und meinen liebsten Weihnachtsbüchern. Nebenbei stöberte ich in den Leseexemplaren des Frühjahrsprogramms und grub mich durch all die Vorschauen, die tagtäglich in mein Büro Einzug hielten. Zum Abschluss des Jahres seufzte ich mich durch die Netflixserie Bridgerton und das dazugehörige Buch The Duke and I.

2020 habe ich so viel gelesen und gehört, wie noch nie zuvor. Das lag vor allem daran, dass ich mich an jedes Buch und jede Geschichte wie an einen Rettungsanker geklammert habe, weil ich sonst befürchtete, in meiner eigenen Gedankenwelt und meinen eigenen Sorgen unterzugehen. Ohne all meine Bücher und vor allem ohne die heile Welt in Rocky Beach würde es mir jetzt vielleicht nach 2020 ganz anders gehen. Ohne Geschichten und ohne Lily hätte ich vielleicht schon längst aufgegeben. Doch in ihnen fand ich im letzten Jahr Hoffnung und einen Grund weiterzukämpfen. 

Was ich mir für 2021 vornehmen soll, weiß ich nicht. Es ist schon ein großer Schritt für mich, endlich wieder am Laptop zu sitzen und einen Beitrag zu schreiben. Ob es jedoch nach diesem noch weitere Beiträge geben wird, bleibt abzuwarten. Ich nehme nun einen Tag nach dem anderen und erarbeite mir jeden Tag ein neues kleines Ziel. Wenn genug Kraft übrig bleibt, so wie heute, investiere ich diese vielleicht auch wieder in einen Beitrag.

Bis dahin hoffe ich, in den nächsten Wochen einen Job zu finden, den ich genauso lieben kann, wie meinen jetzigen und den ich länger als eineinhalb Jahre ausführen werde. Außerdem schaffe ich es dieses Jahr vielleicht endlich, mein Buch zu beenden und einen Verlag zu finden, der es veröffentlichen will. Gesundheit für meine Familie, Freunde, euch und mich selbst wäre auch toll. Ansonsten hoffe ich auf ein nicht ganz so chaotisches Jahr wie 2020 und auf ein Ende dieser Pandemie. Vielleicht haben wir ja Glück …

Passt auf euch auf und bleibt gesund!

Alles Liebe, 
eure Reni


3 Gedanken zu “Jahresrückblick 2020 … Mein Coronajahr

  1. Liebe Reni, du hast ja ein paar heftige Monate hinter dir. Ich wünsche dir, dass das neue Jahr für dich optimistische Aussichten bereithält und du bald einen guten Job findest. Für dein Romanprojekt wünsche ich dir gutes Gelingen.
    Liebe Grüße, Susanne

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