Liebes Mini-Me (Ein Twilight-Diskurs)

Ich habe mich lange davor gescheut, diesen Beitrag zu schreiben. Nicht, weil ich mich schäme oder diesen Teil meiner Jugendzeit lieber so schnell wie möglich vergessen möchte. Es fehlten mir mehr die richtigen Worte, um das zu sagen, was ich sagen möchte.

Aber als ich nach Hause fuhr und aus meinem alten Kinderzimmer die gesamte Biss-Reihe hervorzog, überkam mich plötzlich dieses alte Gefühl der Vertrautheit. Und als ich den ersten Teil in die Hand nahm und den zerlesenen Rücken sah, die eingeknickten Ecken auf dem Cover und die Flecken auf den Seiten, wurde mir eines klar: Ich habe dieses Buch wahrlich geliebt.

Darum entschloss ich mich auch zu diesem Beitrag hier. Schon seit ein paar Wochen versuche ich mich in den Kapitelanalysen von Midnight Sun zu etablieren, aber bisher fehlte mir meine Stimme dazu. Jetzt weiß ich, dass ich meine eigenen Erfahrungen zu diesem Buch erst noch einmal nachfühlen muss, bevor ich mich der Kritik widmen kann. Ich habe das Gefühl, das meinem hilflos romantischen Teenager-Ich schuldig zu sein, die sich den zweiten Teil in der Buchhandlung kaufte und bei dem Versuch auf dem Nachhause-Weg gleichzeitig zu lesen und zu laufen gegen einen Laternenpfahl rannte. Mini-Me, dieser Beitrag ist für dich.

Ich weiß noch genau, wie du dir den Film angesehen hast und gleich darauf sofort die Bücher lesen wolltest. Du warst schon vorher eine Leseratte, aber nach Twilight als Einstiegsdroge für das Vampir-Genre waren zwei bis drei Romane pro Woche ein bisschen leichte Lektüre. Manche Bücher hast du am Nachmittag angefangen, nur um sie die Nacht durchzulesen.

Twilight war dein erstes Buch, in dem du Sachen unterstrichen und dir Notizen gemacht hast. Diese Marotte habe ich bis heute nicht abgelegt. Twilight war dein erster Roman des Urban-Fantasy Genre und hat dir die Augen für andere Genre geöffnet. Jahre später lese ich so viele Dinge außerhalb meiner Komfort-Zone, dass ich keine Scheu mehr vor neuen Genres habe.

Mit Twilight hast du viele erste Male erlebt und diese Gefühle will ich dir nicht streitig machen. Aber es wurde Zeit, erwachsen zu werden und mit den Jahren hast du gelernt, die Beziehung von Edward und Bella neu zu bewerten. Wir beide wissen, wie sehr du es liebst, die Vergangenheit mit einem nostalgischen Filter zu beurteilen. Darum bin ich auch so froh, dass es dir bei Twilight nie schwergefallen ist, das Buch mit neuen Augen zu betrachten und deine Meinung zu ändern. Edward war einmal dein erster Book-Boyfriend. Aber wie viele erste Beziehungen war auch diese im Nachhinein keine besonders gesunde Beziehung. Aus heutiger Sicht kann ich dir sagen, dass Twilight ein wichtiger Schritt in deiner Entwicklung war, denn nachdem du einmal gelernt hattest, die roten Fahnen und Signale zu lesen, waren sie nicht mehr zu übersehen.

Liebes Mini-Me,
Twilight erschien das erste Mal vor 15 Jahren. Damit ist es wie du ein Relikt aus einer anderen Zeit. Wir sind nun im Jahre 2020 und seitdem hat sich in Gleichberechtigungsthematik und dessen Darstellung in den Medien viel verändert. Was ich damit sagen möchte: Midnight Sun hat in unserer Zeit nichts mehr verloren. Und das sage ich als ehemaliger Twilight-Fan.

Alles Liebe,
eure Anna (und ihr Mini-Me)


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