Blood Moon

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Autorin: 
Lucy Cuthew

Darum geht’s:
Ein aufbrausender Shitstorm, weil Frankie ihre Periode bekommt, als ihr Freund sie fingert und das irgendwie bekannt wird.

Meine Meinung:
Ich weiß gar nicht so richtig, wie ich anfangen soll. Kennt ihr das? Ihr lest ein Buch und wollt es danach rezensieren, wisst aber nicht, wie ihr ihm jemals gerecht werden sollt? Mir geht das öfters so (der Grund auch, warum ihr noch immer keine Rezension von A Starless Sea von Erin Morgenstern hier bekommen habt) und meist lasse ich das Buch dann liegen und schreibe einfach nichts dazu. Doch Blood Moon passt einfach zu allem, wofür wir hier auf RenisBooks stehen und deswegen kann und will ich es nicht in unserem Portfolio weglassen.

Blood Moon ist in Versform geschrieben und in verschiedene Gedichte unterteilt, die die Handlung jedoch chronologisch wiedergeben. Für mich war dies der erste Roman in diesem Schreibstil und ich benötigte ein paar Seiten, um mich daran zu gewöhnen. Wer jedoch auch die Reihe von Amanda Lovelace kennt und an dieser Spaß hatte, wird mit Blood Moon keine großen Probleme haben, bzw. irgendwann kommt wirklich jeder rein, versprochen. Außerdem hat diese Form auch den Vorteil, dass ihr viel schneller durch seid, als mit anderen Büchern, weil weniger Wörter auf der üblichen Seitenzahl … ihr versteht schon. Zusätzlich ist das Buch in drei Teile unterteilt, die jeweils den aktuellen Höhepunkt markieren und danach einen neuen Fokuspunkt der Handlung einleiten.

Das Buch handelt von Frankie, einer Highschoolschülerin, die Astronomie liebt und mit ihrer besten Freundin Harriet auf den Blutmond in ein paar Tagen wartet. Auf einer Party verliebt sie sich in Benjamin und spürt zum ersten Mal Lust. Harriet ist verliebt in ihren Lehrer und sendet ihm ein aufreizendes Bild von sich, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Als sie vom Direktor abgemahnt und von Frankie einen Vortrag gehalten bekommt, dreht sie durch und scheint alles dafür zu tun, die Aufmerksamkeit wieder von sich abzulenken. Während die Freundinnen sich streiten, wird es mit Benjamin ernster und Frankie und er geben ihrer Lust nach und befriedigen sich gegenseitig. Dabei bekommt Frankie ihre Periode, doch beide einigen sich darauf, dass das keine große Sache und ja nur Blut ist. Doch als Frankie am nächsten Tag in der Schule sitzt, geht das Gerücht rum, dass Benjamin eine gefingert hat, die ihre Periode hatte und bald kommt auch heraus, dass es sich dabei um sie handelt. Binnen Stunden eskaliert die Situation und dann taucht ein Meme von Frankie online auf und löst einen Shitstorm aus.

Das Buch war für mich eine emotionale Achterbahnfahrt, während ich es las. Oft war ich fassungslos, geschockt, wollte Frankie am liebsten in den Arm nehmen und trösten, einem bestimmten Arschloch aus dem Buch in den Unterleib treten, Frankies Freundinnen eine runterhauen für ihre Kommentare oder war an vielen Stellen einfach nur froh, in der heutigen Zeit nicht mehr in die Schule zu müssen mit all den verschiedenen Social Media Plattformen, auf denen Mitschüler und fremde Menschen dich fertig machen können. An vielen Stellen habe ich geweint, einfach weil ich fassungslos war, wie schnell die Situation eskalierte und sich gegen Frankie richtete und wie viel Hass aus sie projiziert wurde. Und alles nur, weil sie eben menstruiert und es zufällig beim Fingern passiert ist.

Wir folgen Frankie durch all diese Momente hindurch, hinab in die Spirale des Hasses, der sie immer mehr verschlingt. Am liebsten wollte ich sie die ganze Zeit beschützen und sie verteidigen und verhindern, dass man ihr noch mehr wehtut. Ich will gar nicht wissen, wie schwer es Lucy Cuthew gefallen sein muss, ihrer Heldin beim Schreiben all dies anzutun. Doch das Buch endet gut und die Schuldigen werden bestraft. Am Ende geht Frankie stärker aus der Situation heraus, weil sie sich Hilfe sucht und nicht alles allein durchmacht.

Ich liebe Blood Moon nicht nur wegen Frankies Stärke und Weg, sondern auch weil endlich mal die Menstruation im Zentrum steht und all der Hass und die Vorurteile, die das männliche Geschlecht dabei auf uns weibliche Personen projiziert. Alles nur, wegen einer Teetasse Blut pro Monat … Thematisiert wird dabei nicht nur die biologische Seite, eine männliche Nebenfigur beschäftigt sich tiefgehender mit der Periode auch aus dem Grund, weil er vor allem uns dabei verstehen will – etwas, das auch noch viel zu selten beschrieben wird. Neben der Periode werden auch Themen wie sexuelle Belästigung, Objektivierung von Körpern, Cybermobbing und Slutshaming aufgegriffen und zwar nicht mit Zeigefinger, sondern gekonnt in die Handlung eingebaut, während gleichzeitig die Folgen dessen Teil des Geschehens werden.

Das Buch ist großartig und wichtig und aufrüttelnd und wird hoffentlich bald auch ins Deutsche übersetzt, sodass noch mehr von uns in den Genuss von Blood Moon kommen. Ich will mehr solcher Bücher, denn auch mit ihnen gelingt es uns, das Thema Periode endlich aus der Tabuzone zu holen. Das ist das Gleiche wie mit Black Lives Matter und anderen Kampagnen zur Gleichberechtigung … wenn ihre Themen nicht auch selbstverständlich in Filmen, Büchern, Serien und anderen Medien aufgenommen werden, wie sollen sie da ein normaler Teil der Konversation und vor allem als Normalität wahrgenommen werden? Nur Nachrichten ändern nichts, denn die fokussieren sich zu schnell auf andere Themen, wenn den Zuschauern langweilig wird oder etwas anderes wichtiger ist. Deswegen sind diese Bücher so toll und deswegen werde ich ihnen auch weiterhin  eine Plattform bieten.


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