Kapitel für Kapitel 2: Wie ein offenes Buch

Von Kapitel zu Kapitel

Edwards Kapitel – Darum geht’s:

Edward befindet sich im selbstgewählten Exil, bei Freunden (Tanya und ihre Schwestern) umgeben von ganz viel Schnee in Alaska. Doch er kann dem Geruch von Bella nicht entkommen, der ihn in seinen Gedanken und Erinnerungen verfolgt. Weil er kein Feigling sein und nicht weglaufen will, beschließt er, zurück nach Hause zu kehren, schließlich gehört er zu den Menschen (Vampiren, Wesen … was auch immer), die sich ihren Problemen stellen.
Obwohl er weiß, dass er sich eigentlich fern halten müsste, geht er zurück in die Schule und wir begleiten ihn erst in die Mittagspause unter ständiger Beobachtung seiner Geschwister und später in den Biologieunterricht, wo er zum ersten Mal mit Bella spricht und der Neugierde erliegt, herauszufinden, was sich hinter ihren stummen Gedanken verbirgt. Am Ende der Stunde flüchtet er wieder panisch, nur um Bella dann vom Parkplatz aus zu beobachten.

Bellas Kapitel – Darum geht’s:

Bella verbringt den zweiten Tag in der Schule – ohne Edward. Sie findet langsam Anschluss, heult Edwards Abwesenheit hinterher und entdeckt, dass ihr Vater nicht kochen kann. Sie beantwortet die Mails ihrer Mutter, liest Sturmhöhe, kocht für Charlie, putzt, macht fleißig Hausaufgaben, vermisst Edward. Und plötzlich ist Edward wieder da und starrt sie in der Cafeteria an, was sie so verstört, dass sie nichts essen kann. Auch ihr Kapitel beschreibt die Biologiestunde und Edwards Flucht und endet auf dem Parkplatz, wo Edward sie anstarrt. Fast kommt es zu einem Unfall, weil sie sich mehr auf ihn konzentriert als aufs Ausparken.

Seitenanzahl der Kapitel:

Edward: 33 Seiten
Bella: 24 Seiten

Schädliches Verhalten:

1. Seite 34, Bellas Buch:

Mike setzte sich in Englisch zu mir und begleitete mich unter den feindseligen Blicken von Schachklub-Eric zu meinem nächsten Kurs; das war doch immerhin schmeichelhaft.

Warum: Territorialverhalten – Eric und Mike versuchen beide, sich bei Bella einzuschmeicheln und den jeweils anderen aus dem Rennen zu kicken.

2. Seite 34, Bellas Buch:

Vor allem aber war der zweite Tag deshalb schlimmer als der erste, weil Edward Cullen nicht in der Schule war.

Warum: Im letzten Kapitel hat Edward Bella mehr als verstört, wenn wir uns erinnern. Sie fühlte sich minderwertig und zurückgestoßen und hat auf dem Heimweg versucht, ihre Tränen zurück zu halten. Und jetzt vermisst sie ihn? Störe nur ich mich daran, wie falsch das klingt? Wie kann sie sich jemanden herbeisehnen, der solche Gefühle in ihr hervorruft und sie so mies behandelt hat? Hier wird Edwards Verhalten einfach heruntergespielt, denn schließlich sieht er ja gut aus.

3. Seite 35, Bellas Buch:

Mike entwickelte immer mehr die Verhaltensweisen eines Golden Retriever und wich den ganzen Weg nicht von meiner Seite.

Warum: Territorialverhalten – Dieser Satz umschreibt nett, wie Mike weiterhin sein Revier markiert und sein „Eigentum“ vor anderen Konkurrenten schützt. Sicherlich nett gemeint und harmlos gedacht, doch nicht wirklich nötig.

4. Seite 36, Bellas Buch:

Am Abend zuvor hatte ich nämlich entdeckt, dass Charlies Kochkünste nicht über Spiegeleier mit Speck hinausgingen, und für die Dauer meines Aufenthaltes das Küchenkommando beansprucht.

Warum: klassische Rollenklischees – Sollen wir wirklich glauben, dass ihr Vater Charlie sich seit der Scheidung nur noch von Spiegeleiern mit Speck ernährt hat? Warum muss man hier das Klischee „Alleinstehender Mann kann nicht kochen“ bedienen. Und natürlich ergreift sofort Bella die Initiative, um dem armen Mann etwas Richtiges auf den Tisch zu bringen. Die Frau kocht … ist ja was ganz neues. Wieso kann sich Charlie nicht einfach anstrengen, um ordentliches Essen zu kochen für seine Tochter. Schließlich freut er sich doch, dass sie bei ihm ist. Und es gibt auch sowas wie elterliche Fürsorge.
Auch wenn er eher zur stummen Sorte Mensch gehört, denen es schwer fällt, anderen ihre Gefühle zu sagen, wäre das eine Möglichkeit gewesen, sie ihr ohne viele Worte zu zeigen. Aber Mann kann eben nicht kochen, denn das ist der Job einer Frau …

5. Seite 40, Bellas Buch:

Er schien sich nicht wohl dabei zu fühlen, untätig in der Küche herumzustehen, und stapfte schwerfällig ins Wohnzimmer, um fernzusehen, solange ich zu tun hatte. Das ersparte uns beiden die Verlegenheit, uns unterhalten zu müssen.

Warum: klassisches Rollenklischee – Frau kocht, Mann schaut fern … die Erläuterung zu meiner Haltung dazu, findet ihr in Punkt Vier. Ist euch der Satzteil „[…] untätig in der Küche herumstehen […]“ aufgefallen? Warum deckt Charlie nicht schon mal den Tisch? Dann ist er Bella auch aus dem Weg, muss sich nicht unterhalten, trägt aber dennoch seinen Teil zur Hausarbeit bei. Ich stell das nur mal so in den Raum …

6. Seite 42, Bellas Buch:

„Du solltest mal den Doktor sehen“, sagte Charlie und lachte. „Nur gut, dass er glücklich verheiratet ist. Etliche der Schwestern im Krankenhaus haben Schwierigkeiten, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, wenn er in der Nähe ist.“

Warum: Sexismus – Wieso nehmen Autoren immer an, dass sich Frau nicht konzentriere kann, wenn jemand attraktives mit im Raum steht? Wer hat dieses Klischee in die Welt gesetzt? Wie gefährlich wäre das denn, betrachten wir uns allein dieses Beispiel: Jede Krankenschwester vergisst ihre Arbeit, nur weil der attraktive Arzt den Raum betritt. Beatmen des Patienten? Ach, da kann ich kurz eine Pause einlegen, denn Doktor Sexy ist gerade um die Ecke gekommen …
Im Umkehrschluss hieße das, wir verhindern zukünftig, dass attraktive Männer in solchen Positionen arbeiten dürfen. Das ist die gleiche Logik wie die Regulierung der Kleidung von Mädchen, die angemessen in der Schule ist, damit männliche Mitschüler und Lehrer sich auf ihre Arbeit konzentrieren können.

7. Seite 43, Bellas Buch:

Mein erstes Wochenende in Forks verlief ohne Zwischenfall. Charlie, daran gewöhnt, wenig Zeit in einem Haus zu verbringen, das normalerweise leer war, arbeitete auch an den freien Tagen. Ich machte sauber, erledigte meine Hausaufgaben und schrieb noch ein paar betont fröhliche Mails an Mom.

Warum: klassisches Rollenklischee – Versteckt nur in einem kleinen Teil des Satzes, dennoch da: „Ich machte sauber …“. Was für ein braves Hausfräulein Bella doch ist. Ich frage mich langsam wirklich, wie Charlie all die Jahre ohne eine Frau im Haus überlebt hat und in welchem Zustand sich das Haus befand, als Bella ankam.

8. Seite 45, Bellas Buch:

Mike war übermäßig besorgt und erkundigte sich mehrmals nach meinem Befinden.

Warum: Territorialverhalten – Klingt nach einem harmlosen Satz, aber die Worte „übermäßig“ und „mehrmals“ kreieren hierfür ein anderes Bild. Außerdem wissen wir, dass Mike mehr als nur freundschaftlich an Bella interessiert ist, auch wenn sie dies nicht weiß. Was er wirklich denkt, erfahren wir in Edwards Buch:

Mike Newton wartete mit den beiden Mädchen zusammen. Ich hörte, was er sagte, und auch, was er dachte, als er Jessica fragte, was mit dem Swan-Mädchen los sei. Es war unangenehm, wie er sie gedanklich vereinnahmte, wie abgeschmackte Fantasien durch sein Hirn zogen, während er sah, wie sie zusammenzuckte und von ihren Tagträumen aufschreckte, als hätte er sie vergessen. – Edwards Buch, Seite 44

Selbst Edward findet Mikes Verhalten und Gedanken unangemessen, und das soll was heißen …

9. Seite 44, Edwards Buch:

Was kümmerte es mich, dass Mike Newton sich plötzlich Sorgen um sie machte? Was spielte es für eine Rolle, dass etwas Besitzergreifendes in seinen Gedanken lag? Es ging mich nichts an, wenn Mike Newton den Beschützer spielte. […] Nichtsdestotrotz gefiel es mir nicht, sie durch Mikes Gedanken zu beobachten.

Warum: Territorialverhalten und Eifersucht – Hier ein weiteres Beispiel für Mikes Besessenheit/Territorialverhalten gegenüber Bella. Außerdem ist unser Vampir zum ersten Mal eifersüchtig (auch wenn er das wahrscheinlich abstreiten würde). Allerdings finde ich es doch sehr bedenklich, wenn man auf jemanden eifersüchtig ist, für den man keine Gefühle hat (außer Hass natürlich). Die Jungs (Vampir inklusive) verhalten sich alle, als gäbe es ein neues Spielzeug auf dem Spielplatz und jeder will damit spielen und missgönnt es den anderen. Das ist kein gesundes Verhalten, wie wenn es um Beziehungen geht, vor allem nicht, wenn diese sich noch im Anfangsstadium befinden.

10. Seite 54, Edwards Buch:

Mike Newton konnte sich anscheinend nicht konzentrieren – die ganze Zeit beobachtete er Bella und mich.

Warum: Territorialverhalten und Eifersucht – Mike kann wahrscheinlich einfach nicht anders.

11. Seite 51, Bellas Buch/Seite 55, Edwards Buch:

„Edward, meinst du nicht, Isabella hätte auch ein wenig am Mikroskop üben sollen?“, fragte Mr Banner. […] Mr Banner beäugte mich skeptisch. – Bellas Buch

Warum: klassisches Rollenklischee – Natürlich kann das Mädchen neben dem schlauen Jungen nicht halb so intelligent sein, wie ihr Sitznachbar und natürlich lässt sie ihn alle Aufgaben alleine lösen … Hätte Mr Banner auch nur ein paar mal aufgeschaut und wäre seiner Aufsichtspflicht als Lehrkraft nachgekommen, hätte er selbst bemerkt, dass beide die Aufgaben gemeinsam gelöst haben. So aber muss er natürlich davon ausgehen, dass Bella sich lieber auf die Intelligenz ihres Nachbarn verlässt, als selbst Arbeit in die gegebene Aufgabe hineinzustecken.

12. Seite 56, Bellas Buch:

„War das schrecklich“ stöhnte er. „Die sahen alle genau gleich aus. Ein Glück für dich, dass du mit Cullen zusammensitzt.“
„Ich hatte keine Probleme“, sagte ich, pikiert von seiner selbstgefälligen Annahme, es sei mir ebenso schwergefallen wie ihm. Doch sofort bereute ich es, ihn so abgefertigt zu haben. „Ich hab die Übung schon mal gemacht“, fügte ich hinzu, um ihn nicht zu verletzen.
„Cullen schien ja heute ganz freundlich zu sein“, kommentierte er, während wir unsere Regenjacken anzogen. Er war offensichtlich nicht sehr erfreut darüber.

Warum: Dieser Absatz ist gleich aus drei Gründen nicht in Ordnung:

  1. klassisches Rollenklischee – Wie zuvor schon Mr Banner nimmt Mike selbstverständlich an, dass Bella die Aufgaben niemals hätte alleine lösen können. Das dies nicht in Ordnung ist, reflektiert Bella ja auch in ihrer ersten Reaktion auf seine Aussage.
  2. Herabstufung der eigenen Leistungen – Obwohl Bella im ersten Moment fast schon selbstbewusst ihre eigene Leistung in der Biostunde verteidigt, rudert sie plötzlich zurück, weil sie Mike mit ihrer Aussage nicht verletzen wollte und damit er sich nicht wie ein Versager fühlt. Dies ist eine der Verhaltensarten, die sich Frauen über die Jahrtausende angeeignet haben, damit Männer sich von uns nicht bedroht fühlen: Niemals besser sein als der Mann. 
    Warum sollen wir nicht zu unseren Leistungen stehen, stolz darauf sein, was wir erreicht haben? Damit sich der Mann uns gegenüber nicht bedroht fühlt? Sorry, aber das ist Bullshit. Das heißt nämlich, dass ich meine Erfolge nicht feiern und darauf stolz sein darf, was ich mit harter Arbeit erreicht habe, nur weil er sich dabei schlecht fühlt. Dann hätte er mehr lernen, sich mehr anstrengen müssen. Es ist nicht die Schuld von uns Mädchen/Frauen und kein Grund, dass wir uns deshalb entschuldigen und unsere Arbeit klein reden müssen.
    Übrigens, statt Bellas Leistung zu verteidigen oder zu kommentieren, redet Mike einfach weiter. Stephenie, meine Liebe, hiermit hast du für jedes Mädchen da draußen bestätigt, dass dieses Verhalten vollkommen in Ordnung ist.
  3. Eifersucht – Mike und sein Lieblingsthema … schaut einfach oben nach, ich habe keine Lust, schon wieder darüber zu schreiben.

13. Seite 56, Bellas Buch:

Mike war heute in meiner Mannschaft und deckte ritterlich meine Position zusätzlich zu seiner ab […]

Warum: Territorialverhalten – klingt im ersten Moment ja toll, aber die Umschreibung überdeckt mal wieder das, was wirklich passiert: Mike markiert sein Revier (Bella) und weicht ihr nicht von der Seite. Dank Edwards Buch erhalten wir auch wieder einen Einblick in seine Gedanken:

Ich habe noch nie erlebt, dass der Typ mehr als ein Wort zu irgendwem gesagt hätte. Aber natürlich muss er ausgerechnet mit Bella quatschen. Es passt mir gar nicht, wie er sie ansieht. 

Geht nur mir das so, oder habt ihr bei Mikes Gedanken auch immer das Gefühl, dass er Bella nur als Objekt betrachtet, über das er schalten und walten kann, wie er will und das er keinem anderen gönnt? Irgendwie interessiert es ihn kaum, was Bella zu all dem zu sagen hat. Aber warum auch? Für ihn gibt es nur einen Freund, den er sich an ihrer Seite vorstellen kann. Nur ein stattlicher Ritter, der jederzeit zu ihrer Rettung eilt.

14. Seite 66, Edwards Buch:

Ich redete mir ein, dass es kein Spionieren war. Dass ich mich nur vorbereiten wollte. Ich wollte genau wissen, wann sie die Turnhalle verließ und auf den Parkplatz kommen würde. Ich wollte nicht, dass sie mich überraschte.

Warum: Stalking – Ladies and Gentlemen, wir präsentieren den Anfang von Edwards Stalking-Historie. Schön, dass er sich einredet, es wäre kein Spionieren, aber uns führst du nicht hinters Licht. Ihr denkt, sein Verhalten sei harmlos? Nun, er verwirrt Bella mit seinem Starren so sehr, dass sie fast einen Unfall baut:

Edward Cullen lehnte an der Vordertür des Volvos, drei Autos von mir entfernt, und starrte mich an. Ich schaute blitzschnell weg, legte hastig den Rückwärtsgang ein und hätte beinahe einen halbverrosteten Toyota Corolla gerammt.

Erinnert ihr euch daran, dass eine Belästigung immer dann vorliegt, wenn sich das Opfer unwohl fühlt? Ihr könnt mir nicht erzählen, dass das hier nicht der Fall bei Bella ist. Noch schlimmer: Edward lacht darüber und schüchtert dadurch Bella noch mehr ein. 

Damit endet ein weiteres Kapitel dieser „epischen Liebesgeschichte“ und noch immer bleibe ich bei meiner Meinung: Hier handelt es sich nicht um den gesunden Start einer Beziehung, denn noch immer ist Edward nur von ihr und dem Geheimnis ihrer stummen Gedanken besessen, während Bella ständig zwischen Faszination und Angst schwebt. Aber hey, zumindest plant er nicht mehr ständig ihren Tod in Gedanken – wenn das kein Fortschritt ist …

 

Ich wünsche euch einen schönen Nachmittag. Bleibt gesund!

Alles Liebe,
eure Reni


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