Meine Augen sind hier oben

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Autorin: 
Laura Zimmermann

Darum geht’s:
Leben an der High School, erste Liebe und all die Probleme mit viel zu großen Brüsten.

Meine Meinung:
An manchen Tagen hasse ich meine Brüste! Obwohl ich sie erst relativ spät bekommen habe und den Tag herbeisehnte, an dem sie endlich wuchsen, sind sie mir oft einfach zu groß. Die BHs drücken, ich bekomme Schulter- und Rückenschmerzen, ständig schwitzt man in der Falte unter ihnen und auf dem Bauch zu liegen ist auch nur mit einem Kissen an der richtigen Stelle bequem. Doch meine sind nur C-Körbchen mit Tendenz zu D.

Greer hat die Körbchengröße J und hat nicht nur meine Probleme, sondern noch so viele mehr. Sie findet nie etwas passendes zum Anziehen, da selbst in Kleidergröße XL ihre Brüste (Donna und Doria) nicht hineinpassen. Hinzu kommen all die lasziven Blicke, dummen Sprüche und Späße des männlichen Geschlechts, die sie hasst und sie hinunterziehen. So wundert es nicht, dass Greers größtes Problem in Meine Augen sind hier oben vor allem ihr Selbstwertgefühl und die Liebe zu ihrem eigenen Körper ist. Lieber versteckt sie sich in großen Pullovern und Sweatshirts oder T-Shirts ihres Vaters, als ihren Körper zu zeigen.

Als sie zum ersten Mal im Sportunterricht Volleyball spielt und entdeckt, dass sie darin eigentlich ganz gut ist, will sie unbedingt ins Schulteam. Dafür muss ein Sport-BH her, der Donna und Doria zähmen kann. Und dann begegnet sie auch noch Jackson, dem neuen Jungen an ihrer Schule, für den sie ein klein wenig mehr empfindet, als nur platonische Freundschaft. Doch wie kann sie mit ihm zusammensein, wenn Donna und Doria ständig in ihrem Kopf herumschwirren und ihre Gefühle in Zweifel ziehen?

Ich liebe dieses Buch und für mich ist es das Highlight des Herbstprogramms dieses Jahr. Der Arctis Verlag hat in den letzten Jahren immer wieder ein gutes Gespür für besondere Bücher bewiesen und viele meiner Lieblingstitel der letzten Jahre sind im Programm des Verlags vertreten (zB. Moxie oder auch What if it’s us). Greer entspricht nicht dem typischen Trope einer YA-Protagonistin, ebenso wie die Nebenfiguren keineswegs flach und klischeehaft angelegt sind. Greer ist eine Leseratte, eine Streberin, ein Matheass, liebt Volleyball und ist eine tolle Freundin. Sie hat ihre Fehler, doch sie beweist auch, dass man mit der Hilfe der richtigen Personen und einem großen bisschen Mut alles erreichen kann, was man will. Jacksons Schwester Quinlan sowie Greers Freundinnen Jessa und Maggie sind mir von den Nebenfiguren besonders ans Herz gewachsen. Quinlan muss man einfach lieb haben und es ist so goldig, wie sie Greer bewundert und in ihr ein Vorbild sieht. Gleichzeitig hat sie auch ihre dunklen Seiten, mit denen sie kämpft. Mit Jessa und Maggie hingegen kann man die Welt erobern, denn mit den beiden als Komplizinnen hat man nicht nur jede Menge Spaß, während alles im Chaos versinkt, beide nehmen auch kein Blatt vor den Mund, wenn unschöne Wahrheiten gesagt werden müssen, um eine Situation zu retten. Jedes Mädchen sollte so ein Sicherheitsnetz haben, wie Greer es in diesen beiden. Dabei ist übrigens die Freundschaft der drei keinesfalls einseitig, wie so oft in Jugendromanen. Greer steht auch für beide ein und unterstützt sie, wenn sie an der Reihe ist.

Normalerweise nerven mich viele Liebesgeschichten in Jugendbüchern, doch die wachsende Beziehung zu Jackson hat mich nicht einen Moment gestört. Auch der männliche Konterpart zu Greer wurde von der Autorin vielschichtig angelegt und ist zum Glück kein Bad Boy mit dramatischer Vergangenheit, sondern ein netter Typ à la Levi aus Fangirl und damit auf jeden Fall Fictional Boyfriend Material. So sollten Book-Boyfriends sein – realer, aber nett und keinesfalls schädlich für das Mädchen. Nicht jemand, den sie verändern oder für den man Psychiater spielen muss, sondern einfach ein gesunder Mensch, der zwar seine Fehler hat, die Protagonistin aber unterstützt und nicht unterdrückt. Wir brauchen mehr von diesen Loveinterests, denn schließlich sind das auch die Partner, mit denen wir im echten Leben zusammen sein wollen und allen Leserinnen da draußen ein Vorbild sein sollen, wenn sie ihren eigenen Partner wählen!

Meine Augen sind hier oben ist wundervoll und intelligent geschrieben, lässt sich dabei aber auch in einem Rutsch lesen, ohne in irgendeiner Art problematisch zu sein. Ganz nebenbei werden immer wieder feministische Themen behandelt, die sich vor allem Maggie auf ihre Agenda geschrieben hat und dagegen auf ihre verrückte Art und Weise vorgeht. Mein Highlight war der finale große Moment, in dem Greer zu sich selbst findet. Dieser ist gleichzeitig eine tolle Szene, die nicht nur die Freundschaft der Mädchen beweist, sondern auch einen selbst zum Jubeln auf dem Sofa verführt.

Ein wirklich tolles Buch, Feminismus pur und der perfekte Book-Boyfriend – also wenn das keine Gründe sind, dieses Buch zu lesen, dann weiß ich auch nicht weiter! Das Buch erscheint diesen Freitag. Schwingt euch aufs Fahrrad, steigt in den Bus oder lauft zur nächsten Buchhandlung – ihr werdet es nicht bereuen!


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