Catcalling sollte strafbar sein

Jede von uns, die sich zum weiblichen Geschlecht zählt, kennt es und hat es mindestens schon einmal in ihrem Leben erlebt: Catcalling. Was, fragt ihr jetzt? Nie gehört? Damit ist jetzt Schluss, denn über dieses wichtige Thema solltet ihr Beschied wissen!

Catcalling bezeichnet die verbale sexuelle Belästigung von Frauen im öffentlichen Raum (zB. Straße, Einkaufszentrum, Zug, Bus, usw.). Zu diesem Verhalten zählt Hinterherpfeifen, Schnalzen mit der Zunge, sexuell eindeutige Geräusche zu machen (zB. Knutschgeräusche) oder aber sexuell aufgeladene Kommentare, wenn eine Frau vorbeiläuft. Meist handelt es sich dabei um Kommentare über das Äußere der Frau. Und nein, das sind keine Komplimente. Ein Kompliment beruht auf Wertschätzung und Respekt, nicht aber auf dem Ziel, die Aufmerksamkeit der Frau auf sich selbst zu richten.

Durch Catcalling werden wir Frauen zu Objekten herabgestuft, während der Mann sich oder seinen Kumpels gegenüber seine Dominanz und Überlegenheit demonstriert. Gleichzeitig poliert der Mann mit diesem Verhalten sein Selbstbewusstsein, denn er beweist sich, dass die von ihm begehrte Frau ihn beachtet, wenn er nur penetrant genug ist. Diese Erfolgsrate setzt sich bei ihm im Kopf fest und er wird dieses Verhalten wiederholen, ohne zu wissen, dass er etwas Falsches begeht.

Jede Frau hat eine andere Toleranzgrenze, wie sie mit Catcalling umgeht. Viele ignorieren es, andere fühlen sich genervt oder haken es als „eben ganz normal“ ab. Einige jedoch fühlen sich dadurch bedroht und verängstigt und achten im Umkehrschluss darauf, was sie anziehen, wie sie laufen und wie sie sich außerhalb ihrer Wohnung verhalten. Viele von uns vermeiden bestimmte Gegenden unserer Wohnorte, an denen sie besonders oft angesprochen wurden oder Orte, an denen besonders viele Männer sich regelmäßig treffen. Viele gehen nicht mehr alleine nach draußen, sobald es dunkel ist, oder eben nur in Begleitung einer Freundin. Ich trage zwei Ringe am rechten Ringfinger, um die Anzahl der verbalen Belästigungen zu minimieren, damit die meisten Männer denken, ich sei verheiratet. Doch das hält nicht alle ab und wenigstens einmal im Monat erlebe ich irgendeine Form von Catcalling, sei es ein komischer Kommentar im Supermarkt, oder gerade letzte Woche im Bus von einem Mann, der sich einbildete, ich hätte Interesse an ihm und er darf mein Aussehen kommentieren, nur weil ich mich ihm gegenüber auf einen Vierersitz gesetzt hatte.

Die meisten (wenn nicht sogar fast alle) Frauen fühlen sich diesen Kommentaren gegenüber wehrlos ausgeliefert und wissen nicht, wie sie darauf reagieren sollen. Das Schlimme daran ist, die Männer müssen keine Konsequenzen fürchten, denn die meisten Frauen ignorieren sie. Die wenigsten von uns konfrontieren diese Männer, weil es uns der Aufwand nicht wert ist oder wir uns nicht trauen. Und selbst wenn wir darauf reagieren und einfach nett den Mann abweisen, fühlen sich viele Männer bestätigt und bedrängen uns noch weiter. Oder es besteht die Gefahr, wenn wir den Mann zurechtweisen, dass er uns am Ende beschimpft und uns vielleicht sogar angreift, weil er mit der Zurückweisung nicht umgehen kann. In Frankreich löste genau so etwas die Debatte aus: Eine Frau wies den Catcaller darauf hin, dass sein Verhalten nicht richtig war, und wurde daraufhin von ihm vor Zeugen attackiert (im Video von Gemma und Maya Tutton weiter unten, könnt ihr euch das ganze anschauen). Rechtlich können wir nicht gegen diese Männer vorgehen, denn nach deutschem Gesetz ist Catcalling keine Straftat und damit nicht verboten.

Die Instagrammerin Antonia Quell hat dem Catcalling nun den Kampf erklärt und eine Online Petition gestartet mit dem Titel: ES IST 2020. CATCALLING SOLLTE STRAFBAR SEIN. Denn, wie sie in ihrer Begründung zur Petition schreibt: „Nicht jeder Mann macht es, aber jede Frau kennt es.“ Sie fordert die Bundesregierung auf, verbale sexuelle Belästigung nicht länger zu tolerieren, denn sexuelle Belästigung fängt nicht erst mit Körperkontakt an. Deswegen fordert sie, solche Fälle mindestens als Ordnungswidrigkeit mit Bußgeld zu bestrafen, da diese leichter und schneller abzuwickeln sind als Straftaten und somit die Chancen für einen Erfolg größer sind.

Doch nicht nur das. Die Anerkennung der Bundesregierung von Catcalling als Straftat oder Ordnungswidrigkeit steigert auch das Bewusstsein der Menschen, dass verbale sexuelle Belästigung falsch ist. Es bedeutet auch, Opfern nicht mehr die Schuld zu geben, wenn ihnen so etwas widerfährt. Ausreden wie „Du hast es ja auch darauf angelegt“ – weil die Frau vielleicht einen kurzen Rock, ein Kleid, Make-Up getragen hat oder eben einfach nur wie eine Frau aussah oder eben nicht, einfach nur sie selbst war – sind schädlich für uns, denn sie lenken die Schuld weg vom Täter auf die Opfer. Keine Frau, egal wie sie aussieht oder sich verhält, hat Schuld daran, wenn ein Mann sie (verbal) belästigt und wir müssen aufhören, uns, unseren Töchtern, Nichten, Enkeln, Freundinnen, Bekannten dies einzureden.

In Portugal, Belgien, Niederlande, Frankreich, Philippinen und einigen Staaten der USA (zB. Illinois) wurde Catcalling bereits von den Staaten als strafbar anerkannt. In Großbritannien läuft gerade die gleiche Petition, initiiert von den Schwestern Gemma und Maya Tutton (hier gehts zum Video). Jess Leigh hielt letztes Jahr in Exeter einen TEDtalk zu diesem Thema (hier zum Nachschauen). Und wir können unseren Teil dazu beitragen und Antonia Quells Petition unterschreiben. Helft ihr, 50.000 Stimmen zu sammeln, denn dann wird die Petition von unserer Regierung erst beachtet. Es wird Zeit, dass dieses Verhalten auch in Deutschland strafbar ist! Lasst uns gemeinsam Catcalling den Kampf ansagen und für eine sicherere Umgebung für Frauen sorgen!

Weitere Infos zum Thema und wie ihr euch gegen Catcalling wehren könnt, findet ihr übrigens auch im Artikel von ZEITjUNG zur Petition (hier).

Haltet den Kopf oben, bleibt gesund und unterschreibt wie wir diese Petition!

Alles Liebe,
eure Reni


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