Malamander – Die Geheimnisse von Eerie-on-Sea

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Autor:
Thomas Taylor

Darum geht’s:
Einen professionellen Sachenfinder, ein verlorenes Mädchen, ein Dorf am Meer, dass im Winter alles andere als idyllisch ist und die Legende eines unheimlichen Seeungeheuers

Meine Meinung:
Die halbjährliche Vertreterreise bedeutet immer auch, dass wir im Buchhandel mit Leseexemplaren überflutet werden. Um da aus der Masse herauszustechen, muss sich ein Verlag schon einiges einfallen lassen. Dem Hanser Verlag ist dies gelungen, denn ihr Leseexemplar von Malamander kam eingepackt in die Tageszeitung von Eerie-on-Sea (ähnlich wie man es beim Fang des Tages auf dem Fischmarkt macht). Nicht nur machten die Artikel der Zeitung neugierig auf die Handlung, der Verlag lieferte auf der Rückseite auch noch die Karte des Ortes in groß mit, die mittlerweile über meiner Leseecke hängt. Und ja, ich gehöre zu der Kategorie Büchersüchtiger, die mit einer gut gemachten Karte auf dem Vorsatzpapier eines Buches zu beeindrucken sind (solange sie gut gemacht ist).

So landete das Buch in meinem Rucksack und in dem Vorsatz, zumindest während der Vertreterzeit nicht ganz so viele schwarze Bücher zu lesen (ich glaube, ich muss nicht mehr erläutern, welche Bücher ich damit meine – wenn doch, schaut einfach auf meiner Leseliste vorbei, die ist ziemlich selbsterklärend) und auch, um mich auf das Gespräch mit dem Vertreter vorzubereiten, schlug ich das Buch auf und las ins erste Kapitel hinein. Und dann ins Zweite. Dem folgte das Dritte. Und gleich danach das Vierte. Dann musste ich für das Gespräch mit dem Vertreter unterbrechen. Tja, long story short, am Abend schlug ich dieses frische, tolle Kinderbuch zu, glücklich und zufrieden mit einem unerklärlichen Heißhunger nach Fish&Chips.

Der Autor Thomas Taylor ist vielen von euch bekannt, auch wenn ihr seinen Namen vielleicht nicht kennt. Nicht für seine Bücher, sondern für die Cover, die er illustriert hat, allen voran die ersten britischen Ausgaben der Harry Potter Reihe (ich sagte doch, dass ihr ihn kennt). Und der soll auch schreiben können, fragt ihr euch jetzt? Ich war auch skeptisch, aber ja, kann er. Mit Malamander hat Taylor ein kleines, verrücktes Juwel geschaffen, frisch und witzig geschrieben, mit skurrilen Charakteren, einem herzerwärmenden Protagonisten und einem urigen britischen Badeort voller Legenden und schlechtem Wetter – ganz so, wie man sich einen Ort an der Küste Britanniens vorstellt. Hinzukommt der Traum von einem Buchladen, ein Laden, den ich nicht nur selbst am liebsten besuchen würde, sondern besitzen und führen will: Eine Bücher-Apotheke, wo du zwar nicht das Buch bekommst, das du suchst, dafür jenes, das du brauchst. Könnte ich mir einen Ort aussuchen, an dem ich den Rest meines Lebens verbringen will, es wäre nicht Hogwarts oder Narnia, kein fremder Planet oder Rocky Beach (obwohl …). Ich würde nach Eerie-on-Sea ziehen, ohne Rückfahrtticket (wenn das nicht klappt, dann ist Rocky Beach meine zweite Wahl).

Aber ich schweife ab … In Malamander stolpert Herbert Lemon eines Tages über Violet, ein Mädchen auf der Suche nach ihren Eltern. Da er der offizielle Sachenfinder des Grand Nautilus Hotels ist, begibt sie sich und ihre Suche in seine Hände. Doch die Suche nach Violets Eltern entwickelt sich bald zu einer Monsterjagd, denn in Eerie-on-Sea spukt die Legende des Malamanders durch geflüsterte Gespräche und den wabernden Nebel in kalten Winternächten. Ob es ihn wirklich gibt? Und wieso haben es plötzlich alle auf dessen Ei abgesehen?

Ist Herbie Lemon am Anfang noch schüchtern und unsicher, ob er sein Hotel verlassen und Violet wirklich helfen soll, so entwickelt er sich im Laufe der Handlung zum Held seiner eigenen Geschichte. Doch er steht nicht alleine im Rampenlicht, denn ebenso wie er durchläuft auch Violet eine Wandlung, die vollkommen natürlich wirkt und nicht gezwungen. Beide ergänzen sich perfekt. Violet treibt Herbie zu mehr Mut an, wohingegen er sie von so mancher unüberlegter Tat abhält (zumindest versucht er es). Zwischen beiden wächst eine wundervolle Freundschaft und beide lernen nicht nur einander zu vertrauen, sondern auch auf ihr Gefühl zu hören.

Doch nicht nur die Hauptfiguren machen Spaß. Das Buch sprüht nur vor skurrilen Nebencharakteren, die die beiden auf ihrer Suche unterstützen oder sich ihnen in den Weg stellen. Sei es die nette Buchhändlerin, die mysteriöse Hotelbesitzerin, der aalglatte Starautor, der mürrische Hotelchef, der gutherzige Dinerbesitzer oder die etwas schrullige Strandgutsammlerin. Und natürlich sollte ich auch den weißen Kater Erwin erwähnen, der ein ganz eigenes Geheimnis mit Violet und Herbie teilt. Sie alle prägen das Stadtbild des kleinen verschlafenen Badeortes und kreieren den Charme des Buches.

Malamander ist eine wundervolle Mischung aus Abenteuer- und Detektivroman mit phantastischen Elementen, die nicht nur Kindern Freude bereiten wird. Dieses Buch hat mich einfach glücklich gemacht und ich kann es kaum erwarten, den zweiten Teil zu lesen (bitte Hanser, übersetzt auch den zweiten Teil und bringt ihn zu uns nach Deutschland, bitte!!!). Ich habe schon lange nicht mehr eine solche originelle Geschichte gelesen, die mich nicht nur mehrfach schmunzeln, sondern auch laut auflachen ließ. Wer etwas Originelles für sich oder das eigene Kind (ab circa 8 Jahren) sucht, ist mit diesem Buch, das übrigens diese Woche erscheint, auf jeden Fall sehr gut beraten.

P.S. Das muss ich noch sagen: Lest die Biografie des Autors auf den letzten zwei Seiten. Sollte mein eigenes Buch jemals fertig und veröffentlicht werden, will ich auch so eine tolle Bio haben … man, bin ich eifersüchtig auf diese Bio …


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