Annas SUB/TBR – Eine ebenso komplizierte Beziehung

Reni hatte bereits hier ihre komplizierte Beziehung zu ihrem TBR beschrieben, aber wie in jedem Leben, habe auch ich meine Schwierigkeiten mit meinem Stapel ungelesener Bücher, der mich regelmäßig zu erschlagen droht. So spiele ich nach jedem gelesenen Buch wieder eine lebensgroße Version von Jenga nach und bin umso überraschter, wenn mein Turm immer noch nicht zusammenbricht.

Ich teile meinen SUB (anders als Reni liebe ich die deutsche Variante, gerade wegen ihrer Doppeldeutigkeit und der kurzen Gesichtsentgleisung meiner Gesprächspartner, wenn ich mich mal wieder über meinen eigenwilligen SUB beschwere) in verschiedene Wahrscheinlichkeiten ein, was dem Abbau einiger Bücher leider nicht sehr entgegenkommt, mir aber ungemein hilft den Überblick zu bewahren.

Code Grün: Die Neuzugänge

Code Hellgrün: Alles okay, lange bleibst du nicht da liegen!

Je länger ein Buch auf dem SUB liegt, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass es doch noch gelesen wird. Daher sind die grünen Bücher meist die direkten Neukäufe oder solche Bücher, die es irgendwie schaffen, den SUB gerade einmal zu streifen, weil sie sofort verschlungen werden, ohne überhaupt Staub anzusammeln.

Beispiel: Bran (Geschichten von der Insel Errance #1) von Grimaldi/Plenzke. Diesen Comic hatte ich direkt aus dem Paket heraus gelesen und nur einmal auf dem SUB abgelegt, um mir einen Tee zu machen. Eigentlich zählt das kaum, aber er lag mal kurz da!

Code Dunkelgrün: Immer noch okay, aber langsam wird es doch Zeit!

Das sind jene Bücher, von denen ich weiß, dass ich sie lesen werde und irgendwie freue ich mich schon auf sie, aber so richtig hat sich die Phase noch nicht eingestellt. Jeder hat seine Phasen. Bei mir wechseln sie meisten im steten Rhythmus zwischen Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und anderes (ja, mein Erwachsen-werden-Zyklus wiederholt sich in Buchform mehrmals pro Jahr). Daher kommt es oft vor, dass ich ein Bilderbuch kaufe, während ich gerade in meiner Fantasy-Phase bin und trotz wenig Zeitaufwand kommt es erst einmal auf den SUB, bis mir der Sinn danach steht. Das Gute ist, ich weiß, seine Zeit wird kommen.

Beispiel: Heartstopper #3 von Alice Oseman. Die Autorin zählt seit Solitaire zu meinen Lieblingen im Contemporary YA. Das Problem ist, dass meine Phase des YA vor Kurzem von Thrillern und Fantasy angelöst wurde. Aber sobald es mir wieder nach Teenagern und ihren wunderbaren Problemen schmachtet, weiß ich womit anfangen werde.

Code Gelb: Die Angefangenen

Code Hellgelb: Komm, du bist doch eh schon fast durch!

In meinen Origami Lesezeichen habe ich schon einmal über mein chaotisches Leseverhalten berichtet. Ja, ich lese mindestens fünf Bücher gleichzeitig und gerne auch einmal über einen Zeitraum von drei Jahren oder mehr. Da mein SUB auch jene Bücher beinhaltet, die nur angefangen, aber nicht beendet wurden, haben einige dieser Bücher eine größere Wahrscheinlichkeit gelesen zu werden als andere. Gerade jene, in denen mir vielleicht noch fünfzig Seiten fehlen, schauen mich immer so mahnend an und früher oder später ergebe ich mich ihnen. Gerne auch, weil wieder mehr Platz geschaffen werden muss.

Beispiel: I, Lucifer von Glen Duncan. Ich habe das Buch vor knapp zwei Jahren in England gekauft und die ersten 200 Seiten mehr oder weniger sofort verschlungen. Dann wurde ich allerdings vom Studieren eingeholt und bei zwei Semesterabschlussabeiten im Nacken und den dazugehörigen Präsentationen steht mir einfach nicht der Sinn nach Lesen. Seitdem habe ich das Buch nicht mehr angerührt, obwohl keine fünfzig Seiten mehr übrig sind. Aber ich habe dich im Auge! Früher oder später wird der Abend kommen, an dem du ein für alle mal von meinem SUB runterkommst!

Code Dunkelgelb: Ein Kapitel und das war es schon wieder?

Ja, das verfluchte erste Kapitel. Wenn ich unmotiviert Bücher lese oder es zumindest versuche, passiert es gerne einmal, dass ich es in einer Woche schaffe, jeden Tag ein neues Buch anzufangen und es nach einem Kapitel wieder weglege. Nach dem Motto „Ich habe dich abgeleckt, jetzt gehörst du mir!“, sehe ich diese Bücher aber bereits als angefangen oder angelesen an. Das Lesezeichen bleibt wacker drin und ich ignoriere in vielen Fällen, dass es sich hier schon eher um einen Code Orange handelt.

Beispiel: Das Hotel der Magier von Nicki Thorton. Das Buch zählt zu jenen Coverkäufen, die ich für meine Masterarbeit brauchte und dann letztlich nicht verwendet habe. Seien es die Erinnerungen an endlosen Schreibstunden ohne Spaß oder meine länger anhaltende Flaute an Nischenbüchern wie magische Krimis (ihr seht die Ironie, da ich gerade eigentlich immer wieder zwischen Thrillern und Fantasy wechsle, ein Hybrid aber nicht in Frage kommt), bisher kam ich nicht über das erste Kapitel hinweg und das waren keine fünf Seiten …

Code Rot: Die Vergessenen

Code Hellrot: Oh, das habe ich ja auch noch!

Alle paar Wochen gehe ich meinen SUB wieder durch und sortiere neu, aktualisiere oder versuche, einfach nur nicht erschlagen zu werden, wenn ich daran vorbei gehe. Wenn dein SUB aus 50+ Büchern besteht, hast du einfach keinen Überblick mehr, was darauf liegt und was nicht. Vor allem wenn man das Kurzzeitgedächtnis einer Amöbe hat. Immer wieder finde ich daher Bücher in meinem SUB, die ich schlichtweg vergessen habe. Dann freue ich mich immer wie eine Verrückte und sage mir, diesmal liest du das endlich! Dummerweise vergesse ich es so schnell wieder, wie ich es gefunden habe.

Beispiel: The sun and her flowers von Rupi Kaur. Als ich vor einiger Zeit Milk and Honey gelesen habe, war ich hin und weg. Ich holte mir ihr Nachfolgebuch direkt nachdem ich den ersten Teil durchhatte, aber dabei ist es auch geblieben. Nicht weil ich mich nicht auf das Buch freue, sondern schlichtweg weil ich es ständig vergesse. Mittlerweile liegt der Gedichtsband auf der obersten Ebene meines SUBs und ich hoffe, dass ich es so endlich lesen werde.

Code Blutrot: Fachliteratur und Fremdsprachen

Fachliteratur und fremdsprachige Literatur (damit meine ich jene Bücher, die man sich kauft, um seine Sprachkenntnisse zu vertiefen; mein SUB besteht daher immer aus mindestens ein oder zwei Büchern auf Niederländisch) sind bei mir immer mit einem gewissen Lesezwang verbunden, den ich nicht leiden kann. Ja, ich liebe meine Fachliteratur zu meinen kunsthistorischen Schwerpunkten, gleichzeitig kann ich sie aber auch auf den Tod nicht ausstehen. Das war bei mir damals schon in der Schule so. Es konnte mein absolutes Lieblingsbuch sein, aber sobald ich die Worte „Bis morgen lest ihr Kapitel 3 und 4!“ hörte, kam bei mir ein solches Trotzverhalten auf, dass ich es letztlich nicht tat. Dieses Verhalten spiegelt sich auch heute noch in meinem SUB wieder und sobald Lesen mit (in diesem Fall selbstauferlegtem) Zwang verbunden ist, sehe ich nur noch Rot.

Beispiel: Der Zirkus der Stille von Peter Goldammer. Hält man sich sonst immer meilenweit von allem was in Richtung Belletristik geht fern, kommt plötzlich so ein kleines, fieses Buch im Sonderangebot daher, dass auch noch die Gier nach Circus-Tropes füttert. Mitgenommen, auf den Stapel gelegt und nie wieder angerührt. Schade eigentlich, denn jedes Mal wenn ich mir den Klappentext durchlese, denke ich mir „interessantes Buch, sollte ich mal lesen“.

Code Black: Die Experimente

„Mhh, also eigentlich lese ich ja keine schwedischen Kriminalromane, aber der klingt nun doch irgendwie interessant.“ Ich bin nicht die Einzige, die so was hat, oder? Sei es der plötzliche Wunsch, einmal über den Tellerrand zu schauen, ein wohlgemeintes Buchgeschenk oder ein Frustkauf in der schlecht kuratierten Bahnhofsbuchhandlung in Kuhausen. Wir alle haben plötzliche Experimente in unserem Bücherregal stehen. Die Wahrscheinlichkeit, sie durchs Lesen aus dem SUB zu entfernen, geht eigentlich gegen Null, wenn wir es uns einmal eingestehen würden, aber dennoch verharren sie eisern ganz unten auf dem Stapel bis der Staub darauf so dick geworden ist, dass man nicht einmal mehr genau sagen, kann welches Buch da eigentlich nun liegt.

Beispiel: Es war die Lerche (Lustspiele) von Kishon. Meine Eltern lieben Kishon und der Kreuzworträtselkönig wird mindestens einmal wöchentlich zitiert. An sich nichts Schlechtes. Nun bin ich aber leider keiner, der oft und gerne Theaterstücke liest. Wenn der eigene Vater einem aber das Buch in die Hand drückt mit den Worten „Da ist was für dich dabei! Geht um Kunst“, dann lehnt man nicht ab, sondern versucht sie tapfer durchzulesen, obwohl man schon nach drei Seiten kleinster Siebzigerjahre Schreibmaschinen-Schrift keine richtige Lust mehr hat.

 

Das war es erst einmal wieder von mir. Wie teilt ihr euren SUB auf oder weigert ihr euch von vornherein, euch einen anzuschaffen? Vor lauter schlechtem Gewissen dank des Beitrages lege ich die vorgestellten Bücher nun ganz nach oben. Vielleicht wird es dieses Jahr sogar noch was damit, sie ein für alle Mal ins Regal zu stellen.

Alles Liebe, Anna


Ein Gedanke zu “Annas SUB/TBR – Eine ebenso komplizierte Beziehung

  1. Liebe Reni, mein SUB liegt haushoch auf meinem Kindle und ich schaue lieber nicht auf die Zahl… Was ich jetzt aber immer mal mache, ist, ein vor längerer Zeit gekauftes Buch zu lesen und nicht immer nur die frischen. Ich bin halt auch Jäger und Sammler… 😁
    Liebe Grüße, Susanne

    Gefällt 1 Person

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