Darkside Park

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Autoren:
Ivar Leon Menger, Hendrik Buchna, Christoph Zachariae, John Beckmann, Raimon Weber, Simon X. Rost

Darum geht’s:
Die Geschichte der Stadt Porterville erzählt von ihren Bewohnern. Achtzehn Einzelteile, die gemeinsam versuchen, die alles entscheidende Frage zu klären: Kennen Sie den Darkside Park?

Meine Meinung:
Ich versuche gerade ein wenig Abstand zu meinen geliebten schwarzen Büchern zu nehmen und ein wenig Vielfalt in meine diesjährige Lese- und Hörspielliste zu bringen. Wie bereits in zwei anderen Beiträgen erwähnt, stolperte ich bei dieser Suche über den Autor Ivar Leon Menger. Nachdem ich von ihm Der Prinzessin, Der perfekte Mord (Hörspielproduktion der Lauscherlounge) und Von Lichtwiese nach Dunkelstadt konsumiert hatte, war es irgendwie nur eine Frage der Zeit, bis ich zu Darkside Park weiterzog. Denn vor einem kann ich euch jetzt schon warnen: Ivar Leon Mengers Geschichten machen süchtig!

Die achtzehnteilige Hörspielreihe begann ich Anfang Mai während meiner Umzugswochen. Meine Mitbewohnerin war bereits in ihre neue Wohnung gezogen und ich war allein in der Alten zurückgeblieben. Um nicht mit meinem Kopf alleine zu sein, hörte ich neben dem Packen der Kartons in Darkside Park hinein und war schon nach der ersten Folge am Haken. Ähnlich wie in seinen anderen beiden Thrillerhörspielen spielt Menger auch hier mit den Erwartungen der Hörer. Statt eine klare Handlung zu bekommen, liefert er ein mehrteiliges Puzzlestück, das erst in seiner Gesamtheit beginnt, Sinn zu ergeben.

Die Reihe handelt von der idyllischen Stadt Porterville, in der das Leben perfekt scheint und allerlei Chancen bietet. Zumindest an der Oberfläche, denn die Stadt hütet ein dunkles Geheimnis. Menschen verschwinden, Obdachlose hängen überall herum und beobachten, was geschieht, viele haben Angst und trauen sich nicht zu sagen, was sie denken. Irgendwie sind Kleinkriminelle, Verbrecher, Vergewaltiger und vor allem Waisen überproportional hoch in dieser Stadt vertreten. Und dann gäbe es da noch die ungeklärte Frage nach dem Darkside Park, die immer wieder gestellt, jedoch nie beantwortet wird.

Als ich ungefähr in der Hälfte der Hörspielreihe war, telefonierte ich mal wieder mit Anna und schwärmte ihr davon vor. Ravenclaw wie sie ist, tippte sie die Reihe natürlich kurzerhand in die Suchmaschine ein und entdeckte, was mir bisher mal wieder völlig entgangen war: Die Reihe gab es nicht nur als Hörvergnügen, sondern auch als eBook (als ob ich nicht bei Von Lichtwiese nach Dunkelstadt bereits aus diesem Fehler gelernt hätte … aber ihr kennt das ja, manche Fehler begeht man eben mehrfach). Keine fünf Minuten später befand sich das eBook auf meinem Kindle und ich tauchte noch tiefer in die Geschichte von Porterville ein.

Darkside Park wird aus der Sicht verschiedener Bewohner der Stadt erzählt, die von ihren eigenen Erlebnissen berichten. Wirken die Folgen auf den ersten Blick alleinstehend, bekommt man schnell mit, dass einige Nebenfiguren immer wieder auftauchen und viele Geschichten die Figuren in der gleichen Situation behandeln – sie alle kommen dem Geheimnis des Darkside Parks ein wenig zu nah. Im Laufe der Handlung kristallisieren sich Martin Prey und Sarah Freeman als Ankerpunkte heraus, deren Verbindung eine ganze Reihe Nebenhandlungen wie eine Kettenreaktion auslöst. Je weiter der Plot fortschreitet, desto mehr rückt das Schicksal beider in den Vordergrund und macht sie zum Motor der Handlung.

Es dauert eine ganze Weile (mindestens bis Folge neun und zehn), bis man annähernd denkt zu durchschauen, warum all diese Dinge in Porterville geschehen. Das heißt aber nicht, dass die Geschichte bis dahin langweilig ist oder sich zieht. Im Gegenteil. Viele Folgen sind gruselig, einige lassen euch die Haare zu Berge stehen (vor allem Folge acht, elf, dreizehn und sechzehn).  Die meisten solltet ihr nicht vor dem Zu-Bett-Gehen lesen oder hören und erst recht nicht in der Nähe eines Kühlschranks oder einer Standuhr. Die Schnitzeljagd nach den Teilen der Handlung, die das große Gesamtbild bilden werden, erhöht die Spannung und sorgt dafür, dass man an der Geschichte dran bleibt.

Neben der raffinierten Handlung und dem genial gestrickten Plot ist es auch die unterschiedliche Palette an Charakteren, die wir präsentiert bekommen, die diese Reihe zu etwas besonderem macht. Durch alle Gesellschaftsschichten hindurch sind sie angelegt, jede Nebenfigur hat ihre eigene komplexe Hintergrundgeschichte, ihre eigenen Besonderheiten, eigene Träume, Ziele, Moralvorstellungen und vor allem ihre ganz eigene Perspektive auf Porterville. Nicht jede von ihnen überlebt es, nicht jede erleidet das gleiche Schicksal. Die Hörspielvariante ist hier besonders zu empfehlen, da die verschiedenen Figuren von bekannten Synchronsprechern gesprochen werden wie Eckart Dux, Nana Spier, Gerrit Schmidt-Foß, Tobias Meister, David Nathan, Simon Jäger, Florian Halm, Sascha Rotermund, Joachim Kerzel, Jürgen Thormann und vielen weiteren.

Der Schluss hat mich am Ende dann noch einmal vollkommen überrumpelt. Siebzehn Folgen lang hatte ich mir meine eigene Theorie für das Geheimnis von Porterville zurechtgelegt, siebzehn Folgen lang gerätselt und Puzzlestücke gesammelt, mich über eigenartige Details gewundert, die nicht so recht ins Bild zu passen schienen. Doch mit der Auflösung hatte ich nicht gerechnet. Ich ziehe den Hut vor ihr, denn wieder einmal ist es Menger und seinem Autorenteam gelungen, mit meinen Erwartungen zu spielen und mich am Ende zu überraschen. Übrigens ist nur die Idee und die erste Geschichte von Menger selbst, alle anderen Folgen stammen aus der Feder von fünf weiteren Autoren, darunter auch die beiden Fragezeichen-Autoren Hendrik Buchna und John Beckmann. Trotz der vielen Köche ist es dennoch gelungen, ein stimmiges Endergebnis abzuliefern, ohne auffallende Ungereimtheiten, Logikfehler oder gar Plotholes.

Am Ende dieses Lobliedes auf Darkside Park bleibt mir nur noch, euch die Reihe ans Herz zu legen. Egal ob ihr zum eBook tendiert oder euren Ohren die gut produzierte Hörspielreihe gönnt, ihr werdet es nicht bereuen. Aber Achtung: Es kann sein, dass ihr von nun an eurem Kühlschrank einen Mindestabstand von fünf Zentimetern zur Wand verordnet … natürlich nur zur Sicherheit!

 

P.S. Übrigens gibt es eine Nachfolgerreihe zu Darkside Park, die an die Ereignisse anschließt – da Darkside Park mit einem Cliffhanger endet (wer macht heutzutage noch sowas????), ist dies auch nur mehr als fair! In fast gleicher Autorenbesetzung (Anette Strohmeyer kam hinzu, Ivar Leon Menger steht nur noch als Ideengeber und Regisseur der Hörspiele hinter der Reihe) erschien Porterville ebenfalls als Hörspielreihe (18 neue Folgen) und auch als eBook nur ein wenig später. Dabei begegnen wir als Hörer/Leser altbekannten Figuren, aber auch vielen neuen, die die Handlung vertiefen und die Stadtgeschichte weiter prägen. Die Folgen, bzw. einzelnen eBook-Teile sind dabei um einiges umfangreicher als bei der ersten Reihe, doch für mich ist Porterville fast noch besser als diese, weil damit den einzelnen Figuren und auch der Handlung noch viel mehr Spielraum und Tiefgang verliehen wurde. Absolut gelungen und ebenso empfehlenswert – ein Muss für jeden, der nicht genug von dieser verrückten Stadt und ihren Bewohnern bekommen kann!


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