Cover up! Das wandelnde Schloss (D.W.J.)

Wie versprochen, wird es diesen Monat einige neue Formatexperimente geben, darunter auch dieses. Es ist daher nicht verwunderlich, dass mein Lieblingsbuch hier das neue Format einweiht, aber die neue deutsche Edition ist auch einfach toll! Ich bin schon seit Längerem die verschiedenen Editionen des Buches am Sammeln und an die Deutschen war bisher schwer ranzukommen. Darum war ich auch umso glücklicher, als Knaur letztes Jahr ankündigte, im Dezember eine neue deutsche Ausgabe herauszubringen. Und das neue Kleid steht dem Buch einfach fantastisch!

Warum Cover up?
Kaum hatte ich meine Masterarbeit zum zeitgenössichen Coverdesign abgegeben (und bestanden, yay!), vermisste ich bereits meine Coveranalysen. Witzig, wenn man bedenkt, dass ich davor ein halbes Jahr lang keine Bücher lesen wollte und mir mein Thema ziemlich zum Halse raus hing. So geht es wohl den meisten mit den Abschlussarbeiten. Aber warum nicht einfach weitermachen? Darum reden wir jetzt über meine Lieblingscover. Viel Spaß!

Jedoch zuvor ein Nerd Fact:
Im deutschsprachigen Raum feierte das Buch sein Debüt in den Buchläden durch die 2004 erschienene Verfilmung, auch wenn das Buch bereits 1986 in England veröffentlicht wurde. Im Titel waren sie sich aber irgendwie nie so ganz einig. So wurde die erste Hardcoverausgabe 2005 noch unter Sophie im Schloss des Zauberers herausgebracht, im selben Jahr die Filmplakatversion als Taschenbuch unter dem Filmtitel Das wandelnde Schloss. Danach folgte eine Schmuckausgabe wieder mit Sophie im Titel und dann lange Zeit gar nichts. Erst mit der aktuellen (2019) erschienenen Ausgabe bekam der deutsche Buchmarkt wieder seine Version von Howl’s moving castle, nachdem jahrelang die drei vorherigen Ausgaben zu Sammlerpreisen gehandelt wurden und nur schwer heranzukommen war (glaubt mir, ich habe es lange versucht). Auch wieder unter dem Titel Das wandelnde Schloss. Wenn diese Reihenfolge beibehalten wird, muss die nächste Edition wieder Sophie im Schloss des Zauberers heißen. Es bleibt spannend.

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Aber was sehen wir eigentlich?
Ein Cover lässt sich immer ganz gut in zwei Ebenen einteilen: Die Textebene und die Bildebene.
Dabei besteht die Textebene aus allem, was Schrift enthält. Die heilige Trinitas eines Covers ist zum Beispiel Titel, Autor und Verlag. Aber auch Untertitel, Reihentitel, Empfehlungen oder Zitate können sich auf der Textebene wiederfinden.
Die Bildebene auf der anderen Seite enthält alles was bildlich, illustrativ und schmückend hinzukommt. Dies reicht von aufwendigen Coverillustrationen bis hin zu rahmenden Bordüren, einfachen Schnörkeln und Ornamenten.
Wenden wir dies nun auf unser Cover vom wandelnden Schloss an:

Die Textebene:
Beim wandelnden Schloss bekommen wir somit alle wichtigen Informationen zum Buch direkt in der Textebene geliefert. Die weiße, elegante Schrift zeigt unten groß den Titel an gemeinsam mit der Info „Roman“; was eigentlich interessant ist, ist diese Information eher auf belletristischen Werken zu finden sein, seltenst jedoch im Kinderbuch. Hier also schon ein kleiner Hinweis auf die Zielgruppenverschiebung, auf die ich gleich noch näher eingehen werde. Sehr zurückhaltend in Grau ist unten das Logo des Knaur-Verlags zu sehen, während im oberen Rand Diana Wynne Jones Autorenname in einer ähnlich eleganten weißen Schrift zu lesen ist, die stark an die typographischen Muster des Jugendstils und des Art Deco erinnern.

Die Bildebene:
Auch die Bildebene lässt sich meist zur Veranschaulichung noch einmal unterteilen. Hier haben wir daher gleich drei solcher Ebenen. Die erste ist ungefähr auf gleicher Höhe mit der Schrift und zeigt in Jugendstilart einen grünen ornamentalen Rahmen rund um das Cover. Auch eine kleine Sternschnuppe unter dem Autorennamen ist zu sehen. Die nächste Ebene ist die Coverillustration und einer der Gründe, warum ich so hingezogen zu diesem Cover bin. Zentral hebt sich das wandelnde Schloss (graphisch wurde sich hier stark an der Verfilmung orientiert) in dunklen Schwarz-Grün von einer orangefarbenen Wolkenfront ab. Ich liebe vor allem diese kleinen Details, die den aufsteigenen Rauch mit dem Nachthimmel verbinden oder die Vogelscheuche erst bei näherem Blick erkennen lässt. Die dritte Ebene ist der Hintergrund, der primär schwarz gehalten wurde, um von der Schrift nicht abzulenken. Aber auch ein grüner Sternenhimmel mit vereinzelten Sternschnuppen ist zu sehen.

Schöne Spielereien:
Diese Mischung aus Schattenspiel, Details und Anspielungen auf das Buch sind es, die dieses Cover mehr als nur gelungen machen. So ist eine Glanzlackierung auf der Wolkenfront aufgetragen und hebt damit die Silhouette des Schlosses wie ein Negativ noch einmal hervor, lässt es aber gleichzeitig mit dem Hintergrund verschmelzen.

Wer das Buch kennt, weiß, wie wichtig das Motiv der Sternschnuppen für die Handlung ist und daher ist es schön zu sehen, wie sie auf dem ganzen Cover wieder zu finden sind. Auch andere kleine Anspielungen wie die Vogelscheuche lassen sich finden und natürlich das namensgebende wandelnde Schloss.

„Das Schloss von Zauberer Howl rumpelte über das Moor auf sie zu. Über die schwarzen Zinnen quollen schwarze Rauchwolken. Das Schloss sah hoch und eng und schwer und scheußlich und ganz und gar bedrohlich aus. […] In der schwarzen Mauer, vor der Sophie stand, gab es eine große, schwarze Tür, und auf die humpelte sie nun eilig zu. Aus der Nähe sah das Schloss scheußlicher aus denn je. Es war viel zu breit für seine Höhe und überhaupt nicht gleichmäßig geformt. Soweit Sophie in der zunehmenden Dunkelheit sehen konnte, war es aus großen kohlschwarzen Quadern erbaut, und wie bei Kohlen waren alle Blöcke von unterschiedlicher Größe und Form.“

Ist vom beschriebenen Schloss aus dem Buch nicht viel übrig, erinnert es dafür umso mehr an die Filmversion, ohne zu viel davon zu übernehmen.

Fazit:
Insgesamt spiegelt das Cover durch seinen komplementären Farbkontrast und seine plakativen Gestaltungstechnik (die wiederholte Elemente aus dem Jugendstil und des Art Deco übernimmt) einen Trend wieder, der gerade vielfach in der Covergestaltung zu finden ist und über den ich mich immer wieder freue zu beobachten. Zudem reiht sich das Cover an den Stil an, den Knaur schon bei Fauler Zauber verwendete und zeigt, dass die Romane der Autorin (Teil 2 der Howl-Saga Der Palast im Himmel erscheint August 2020 und finaler Teil Das Haus der tausend Räume im März 2021) eine einheitliches Design bekommen. Die Bücherregale zahlreicher Fans werden sehr dankbar sein.
Das sehr dunkle Coverdesign wiederum hat auf den ersten Blick nicht viel mit dem Kinderbuchgenre zu tun und richtet sich damit an eine bereits erwachsene Zielgruppe, die mit dem Film oder dem Buch aufgewachsen sein mag und sich nun gerne wieder zurück erinnert. Denn wenn das Buch eines ist, dann eine Geschichte für jedes Alter.

Das war’s erst einmal für mich. Bis zum nächsten Cover.

Alles Liebe, Anna


2 Gedanken zu “Cover up! Das wandelnde Schloss (D.W.J.)

  1. Vielen Dank für die interessanten Ausführungen zum Cover! Ich beschäftige mich selbst jenseits von „gefällt mir mehr oder weniger“ normalerweise nicht mit Covern, lese aber gern bei anderen darüber (zum Beispiel auch bei Marion von „schiefgelesen“).
    Von Diana Wynne Jones kenne ich bisher nur „Das Geheimnis des siebten Zauberers“ (Archer‘s Goon), das ich sehr mag. Gibt es leider nicht in einer aktuellen deutschen Ausgabe, würde es sehr gern (in reformierter Rechtschreibung!) für die Schulbibliothek anschaffen. Die alten deutschen Cover haben übrigens auch ganz verschiedene Cover: das Taschenbuch Richtung blau, Raumschiff, Junge halb in Zukunftskleidung, halb in heutiger – die gebundene Ausgabe bräunlich, mit Mann in Shakespearezeitkleidung und Schreibmaschine.
    Nun ja, solange es den 7. Zauberer nicht gibt, versuche ich es vielleicht erstmal mit dem wandelnden Schloss.

    Viele Grüße
    Eva

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Eva,

    schön, dass dir der Beitrag gefallen hat. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, welche Metamorphosen einige Bücher durchmachen. Da ich mir vorgenommen habe, einmal jedes von Diana Wynne Jones Büchern gelesen zu haben, kommt Archer’s Goon auf jeden Fall auf die Liste! Und es freut mich zu hören, dass das wandelnde Schloss in die Schulbibliothek aufgenommen wird. Die Kinder werden bestimmt ihren Spaß damit haben!

    Alles Liebe,
    Anna

    Gefällt 1 Person

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