Eine ganz normale Buchrezension, oder?

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Wenn man plötzlich merkt, dass man sein Lieblingsbuch nie rezensiert hat und daraus eine ziemlich dumme Idee entsteht

Da geht man an einem Sonntagnachmittag ganz entspannt seine alten Beiträge durch, sortiert ein wenig die Kategorien und organisiert sein virtuelles Bücherregal neu und macht plötzlich eine grauenhafte Entdeckung: Ich habe mein Lieblingsbuch noch gar nicht rezensiert! Dahin ist die Entspannung und die Ruhe. Sofort wird alles zusammengetragen (auf dem Bild mag es in den Augen wahrer Fangirls nun ein wenig leer aussehen, das liegt daran, dass ich mehr als die Hälfte meiner Bücher und Sachen gerade nicht ausfindig machen kann, da diese fein säuberlich in Kisten im Keller meiner Eltern verstaut sind – das Leben eines Nomaden). Was man finden kann, wird vor einem eines Schreins ähnlich aufgebahrt, der Laptop herausgeholt und das Tippen kann beginnen. So bin ich also heute hier gelandet.

Die größte Ironie dieses Beitrages ergibt sich tatsächlich aber aus meinem direkten Umfeld. Es wird wohl keine Person in meinem Bekanntenkreis geben, der ich dieses Buch noch nicht empfohlen habe. Selbst meiner lokalen Buchhändlerin habe ich den Titel schon aufgeschwatzt, obwohl das ganze Verkaufsgespräch normalerweise andersrum laufen sollte, oder? Ich lese das Buch mindestens einmal pro Quartal, daher versuche ich gerade zu begreifen, wie es mir in drei Jahren aktiver Blogarbeit nie in den Sinn kam, jenes Buch, was ich nur ehrfürchtig Das Buch (Hände hoch, wer die Anspielung versteht!) nenne, zu rezensieren. Geboren war also die Idee der Rezension. Aber hey, kann eine einfache Rezension wirklich ausreichen, um einem derartigen Meisterwerk Genüge zu leisten? Eigentlich nicht. Warum also nicht gleich acht Beiträge? Das klingt doch schon mehr nach dem Größenwahnsinn, der so gerne in meinem Kopf herrscht. Go big or go home. Oder wie ich zu sagen pflege: Turn into an old lady and haunt some random wizard guy or just stay in your dull hat shop.

Aber zuvor eine kurze Geschichtsstunde (ich weiß, wann fängt die denn jetzt endlich an, über das Buch zu schreiben? Aber wenn eine Geschichte soviel Platz im Leben einnimmt, fängt man einfach überall an, nur nicht im Kern des Ganzen …):

Hier also ein kleiner Nostalgietrip, bevor wir zum eigentlichen Sinn dieses Beitrages kommen (überspringt das ruhig, wenn ihr nur für die Rezension da seid).
Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich damals mit meiner Schwester in die (heute leider nicht mehr existierende) Buchhandlung meiner Wahl stapfte und das Buch unbedingt haben wollte. Ich wusste, dass es eine Trilogie war (darüber sprechen wir später noch) und ich war damals schon dieses seltsame Kind, das in ihren Reihen auf Kontinuität pochte. Daher weiß ich noch ganz genau, wie mein Gespräch mit der Buchhändlerin verlief. Damals war die deutsche Ausgabe noch lieferbar (unglaublich für solche, die wissen, dass wir vor 2019 eine große Blase hatten, in der das Buch nicht lieferbar war), aber ich lehnte ab, weil Teil 2 und 3 bisher nicht auf Deutsch existierten. Zähneknirschend bestellte ich also die Englische, eine Entscheidung, der ich bis heute mit gemischten Gefühlen entgegenstehe. Denn so verpasste ich die Chance, eine der seltenen deutschen Ausgaben zum annehmbaren Preis zu bekommen und da mein (Schul-)Englisch damals mehr als dürftig war, konnte ich das Buch nur sehr schwerfällig lesen und lange Zeit war das Buch so nicht mehr als bloßer Durchschnitt für mich. Aber dann! Jahre später griff ich wieder danach und ich war verloren.

Aber worum geht es eigentlich?

Im Lande Ingari, wo Dinge wie Siebenmeilenstiefel und Tarnkappen wirklich existieren, gilt es als ziemliches Pech, als älteste von drei Geschwistern geboren zu werden. Alle wissen, dass das älteste Kind am schnellsten und am schlimmsten versagen wird, wenn die drei aufmachen, um ihr Glück zu suchen. Sophie Hatter war die älteste von drei Schwestern.

Damit beginnt das Buch und eigentlich ist damit schon alles gesagt und wir können zum nächsten Punkt übergehen. Kleiner Scherz. Aber wie der erste Satz des Buches schon verrät, befinden wir uns in einer fantastischen Welt voller Hexen und Magie. Sophie hat nun das Pech, in ihrem kleinen Hutladen der Hexe aus der Wüste zu begegnen, welche sie daraufhin kurzerhand in eine alte Dame verwandelt. So macht sich Sophie auf die Reise (mit der Einstellung Mehr kann ich sowieso nicht verlieren! und Jetzt kann ich als Greisin wenigstens alle anschreien! ist das Leben auch plötzlich wieder sehr aufregend geworden), nicht nur um ihren Fluch zu brechen, sondern nebenbei auch noch Zauberer Howl, der berüchtigt ist, die Herzen junger Mädchen zu verschlingen, gehörig auf die Nerven zu gehen.

Die Charaktere:
Es gibt so viele gute Charaktere in diesem Buch, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Denn auch wenn Howl’s moving castle einen fantastischen Plot mit einigen Überraschungen aufweist, lebt das Buch vor allem von seinen Charakteren. Und wie kann ich die anders beschreiben als britisch. Sie sind einfach nur britisch, in ihrem Humor, in ihrer passiv-aggressiven Art zu streiten und vor allem in ihren sarkastischen Sprüchen, die sie sich gegenseitig an den Kopf werfen. Und das ist noch der harmlose Teil. Wartet bis Sophie den ätzenden, tödlichen und mordsgefährlichen Unkrautvernichter in die Finger bekommt. Die Frau hat ihre Gefühle unter Kontrolle wie kein anderer. Der Moment, indem sie realisiert, dass sie sich verliebt hat, endet mit einem Mordversuch am besagten Geliebten.

Wenn man vom Teufel spricht. Kennt ihr diese tollen Jugendbuchjungs, in die man sich sofort verlieben muss? Die Sorte, die gut aussieht, einen liebenswürdigen Charakter hat und alles für das Mädchen seiner Träume machen würde? Ja … Das ist Howl so gar. Howl ist wohl die selbstverliebteste Dramaqueen, der ich je in einem Buch begegnet bin. Und ich liebe ihn (leider) dafür. Wenn einer den Männerschnupfen erfunden hat, dann er! Ignoriert man ihn, fängt er an zu schmollen. Widmet man ihm seine Aufmerksamkeit, dann fühlt er sich gleich von allem beleidigt, was man sagt. Aber dieser Mann ist der gefürchteste und talentierteste Magier im ganzen Land! Manchmal kann ich es selbst nicht glauben. Spätestens jedoch, wenn er das letzte Drittel des Buches komplett betrunken und dementsprechend hilfreich im Kampf gegen die dunklen Mächte verbringt, merkt man, dass Sophie nicht die einzige ist, die einen Crush nicht besonders gut handhaben kann.

Und dann gibt es Calcifer. Calcifer ist Howls Feuerdämon und jene kleine, bösartig liebenswerte Kreatur, die ich sofort adoptiert habe und seitdem nicht mehr gehen lasse. Denn Calcifer ist ein Dämon und besteht darauf böse zu sein. Leider klappt das mit dem Ernstnehmen nicht immer so, wie er es sich gerne wünschen würde. Vor allem seit Sophie im Schloss eingezogen ist und als Putzfrau jedem Pfeffer unter dem Hintern macht, der es wagt, ihrem Besen im Weg zu stehen. Aber eigentlich will Calcifer nur aus dem Vertrag raus, der ihn an Howl bindet (zum Wohle beider sagt er, auch wenn das nicht immer ganz im Vordergrund zu stehen scheint) und dabei nimmt er auch zähneknirschend Sophies Hilfe in Anspruch. Vor allem, wenn sie die einzige ist, die ihm bleibt.

Dazu kommen noch weitere Charaktere wie Howls Magierlehrling Michael oder Sophies Schwestern Martha und Lettie, die ihren eigenen Teil zur Handlung beitragen, aber sie auch noch im Detail zu beschreiben, sprengt dann doch den Rahmen dieser Rezension, soweit man das noch als gemeine Rezension bezeichnen kann …

Fazit:
Muss ich noch mehr sagen, als lest dieses Buch? Lest es, vergöttert es, betet es an und am besten baut gleich einen Schrein dafür in eurem Wohnzimmer auf. Haltet stets ein kleines Feuerchen bereit für euren Feuerdämon und benennt euer Erstgeborenes nach Sophie. Bekommt danach zwei weitere Mädchen namens Lettie und Martha und schickt sie in die weite Welt hinaus, um ihr Glück zu suchen. Denn eines meiner Lebensziele ist, in diesem wandelnden Schloss zu wohnen. Auch wenn ich erst auf natürlichen Weg altern und bei irgendeinem narzisstischen Zauberer einbrechen muss, um als seine Putzfrau anzuheuern.

Alles Liebe, Anna


3 Gedanken zu “Eine ganz normale Buchrezension, oder?

  1. Liebe Anna
    Während ich deine Rezension gelesen habe, dachte ich plötzlich: Die Geschichte kenne ich! Und du hast sie sehr passend beschrieben! Ich kenne „Das wandelnde Schloss“ als Anime-Film und habe ihn schon mehrmals gesehen. Nachdem du die Charaktere im Buch beschrieben hast, denke ich, dass sie im Film sehr gut umgesetzt wurden, denn deine Beschreibungen passen haargenau. Hast du ihn mal gesehen? Mich würde interessieren, wie du das Schloss findest.
    Liebe Grüsse
    Larissa

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Larissa,

    vielen Dank für deine netten Worte. Ich liebe die Verfilmung von Hayao Miazaki! Wenn dir der Film schon so gut gefällt, dann ist das Buch auf jeden Fall etwas für dich. Tatsächlich habe ich über den Film damals das Buch kennen und lieben gelernt. Im Laufe des Monats wird noch ein Vergleich zwischen Buch und Film auf dem Blog erscheinen, wo ich die Unterschiede noch einmal näher beleuchten werde. Ich würde mich freuen wieder von dir zu hören.

    Alles Liebe,
    Anna

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