Der Prinzessin

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Autor:
Ivar Leon Menger

Darum geht’s:
Vier Orte. Vier Geschichten. Viermal Leben und Leben lassen.

Meine Meinung:
Seit letztem Herbst höre ich wieder verstärkt Hörspiele. Ob im Bus, in der Bahn, neben der Hausarbeit, beim Spielen am Computer oder aber neben der Arbeit im Homeoffice (es ist sonst so verdammt still um mich herum), eine gute Geschichte oder ein Podcast nebenbei lässt die Zeit wie im Flug vergehen. Neben den Drei ???, die zu einer festen Konstante meiner Playlist geworden ist, stöbere ich auch immer wieder in Empfehlungen oder suche gezielt nach Hörspielproduktionen mit Sprechern, denen ich besonders gerne zuhöre. Über Der Prinzessin bin ich auch auf diesen Weg gestolpert, als ich nach Hörspielen mit David Nathan oder Simon Jäger suchte. Warum gerade diese beiden Sprecher? Ich hatte zuvor die letzte Folge der Jack-Slaughter-Reihe beendet (so genial und leider mit viel zu wenig Episoden – hoffentlich kommen da noch welche) und suchte verzweifelt nach etwas gleichwertigem. Da schlug mir meine Mediathek dieses Hörspiel vor. Nach einem kurzen Googeln, wer alles mitspricht, fiel die Entscheidung nicht schwer, dass dies mein neues Hörvergnügen werden würde. Hier die Gründe, die mich überzeugten:

 

  1. Das Hörspiel ist eine Produktion der Lauscherlounge.
  2. Geschrieben wurde es von Ivar Leon Menger, der mich schon mit DODO  (eine Hörspielreihe, die leider nach vier Folgen schon endete) und zwei Produktionen für diese schwarzen Bücher, die ich so gerne lese, begeistert hatte.
  3. Neben David Nathan spricht auch Jens Wawrczeck mit.

 

Ihr seht, mein Fangirlherz entschied für mich – ich hatte gar keine andere Wahl.

Aber worum geht es nun? Das Hörspiel ist in vier Kurzgeschichten aufgeteilt, wobei die erste gesplittet wurde und den Rahmen bildet. Alle vier Geschichten beschränken sich auf je einen Ort: einen Beichtstuhl, eine Bushaltestelle, eine Zahnarztpraxis und eine Wohnung. Die Handlungen sind alles andere als harmlos; hier wird gemordet, bedroht, verstümmelt und misshandelt. Dabei steigert sich die Intensität der Taten von Geschichte zu Geschichte und jede einzelne lässt einem die Haare auf einer andere Art zu Berge stehen.

Die Geschichte im Beichtstuhl handelt von einem Mann, der von einem Priester um Vergebung für einen Mord bittet. An der Bushaltestelle belauschen wir ein Gespräch zwischen einem Mann in einem Prinzessinenkostüm (diese Kurzgeschichte gibt dem Hörspiel auch seinen Namen) und einer weiteren Person über eine Vergewaltigung im Wald. In der Zahnarztpraxis wird einem Mann unfreiwillig das halbe Gebiss ohne Betäubung entfernt (nix für diejenigen unter euch, die demnächst zum Zahnarzt müssen – die Bilder werdet ihr so schnell nicht mehr los). Die Geschichte in der Wohnung handelt von einem Hausmeisterbesuch und einem Schlosswechsel, der anders endet, als gedacht.

Die Umsetzung des Hörspiels ist großartig. Jede einzelne Geschichte ist gut geplottet und hält am Ende einen überraschenden Plottwist bereit. Nur bei der Geschichte im Beichtstuhl war dieser für mich ein wenig vorhersehbar, alle anderen trafen mich unvorbereitet. Die Sprecher sind passend gewählt und halten wunderbar die Spannung, wobei ich zugeben muss, dass ich Jens Wawrczeck wohl in nächster Zeit nicht mehr so leicht über den Weg trauen werde, wenn ich ihn wieder als Peter Shaw höre. Mein Unterbewusstsein war ein wenig überfordert, ihn als creepy Stimme zu akzeptieren, was den Gruselfaktor der Geschichte aber für mich noch einmal um einiges steigerte. Durch stimmungsvolle Musik und passende Geräusche (von Jörg Klinkenberg – dem Haus- und Hofgeräuschemacher der Drei ??? Livetouren) werden die Handlungen perfekt untermalt und die Spannung gehalten, sodass man sich nicht traut, auch nur eine Sekunde auf Pause zu drücken oder gar komplett abzuschalten.

Es gab im gesamten Hörspiel nur eine Sequenz, in dem ich kurz weggehört habe, da es anstrengend war, den Moment auszuhalten. Dieser war in der Kurzgeschichte an der Bushaltestelle, in der die Vergewaltigung geschildert wird. Zum Glück ging der Moment schnell vorbei und die Geschichte wird gut genug aufgelöst. Sonst hätte ich wahrscheinlich an dieser Stelle abgebrochen.

Ich traue mich gar nicht, eine Lieblingsgeschichte aus diesem Zyklus zu benennen, da ich mich ein wenig davor fürchte, was meine Wahl über mich selbst aussagen würde. Jedoch kann ich dieses tolle Hörspiel jedem von euch empfehlen (allerdings nur, wenn ihr über 16 Jahre alt seid, einen starken Magen habt und euch nicht so leicht fürchtet). Ivar Leon Menger versteht es, einem das Gruseln zu lehren und seine Geschichten sind nicht nur qualitativ sehr gut, auch die Umsetzung lässt keine Wünsche offen. Ich werde mich dann wohl jetzt mal an sein drittes Hörspielprojekt mit der Lauscherlounge heranwagen (Plan B), die Besetzung verspricht schon einiges Gutes und wieder handelt es sich um einen Thriller. Wer weiß, wie gut ich danach heute Nacht schlafen kann …


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