Abgebrochen: Hot Gimmick

Eigentlich wollte ich gar nicht über meine Erfahrungen mit Hot Gimmick schreiben, aber auf Grund von letzten Ereignissen innerhalb der Serie, muss ich es jetzt doch einmal meine Meinung dazu herausschreien.

Angefangen hat alles vor ein paar Wochen, als mir der neue Netflix-Film Hot Gimmick angezeigt wurde. Da ich mir immer mal wieder gerne asiatische Filme und Serien ansehe, dachte ich, schaue ich einfach mal rein. Und irgendwie war ich so gar nicht begeistert. In drei Anläufen habe ich es am Ende doch noch geschafft, das ganze zu Ende zu schauen, aber eigentlich auch nur, weil ich wissen wollte, wie es jetzt endet.
Im Film geht es um die Schülerin Hatsumi Narita, die für ihre kleine Schwester einen Schwangerschaftstest kaufen muss. Dabei wird sie von einem Jungen, der in mit ihr im selben Block wohnt, erwischt und fortan erpresst er sie damit. Ich weiß, die Voraussetzungen sind schon mal super, aber zu meiner Verteidigung stand nichts davon in der Netflix-Beschreibung. Wie bei vielen Shojo-Manga Adaptionen (dazu werde ich später noch kommen, glaubt mir, es wird noch sehr toll. NICHT.) haben wir mal wieder einen farblosen weiblichen Hauptcharakter, in den aber aus irgendwelchen Gründen sämtliche Jungs im Umkreis von drei Stadtbezirken hoffnungslos verknallt sind. So haben wir auf der einen Seite Ryoki, der sie erpresst und meiner Meinung nach so ziemlich Frauenfeind Nr.1 darstellt. Auf der anderen Seite haben wir Azusa, dessen Plan es eigentlich nur war, unsere Mary Sue für seine eigene Zwecke zu gebrauchen, sich dann aber dummerweise doch noch aufrichtig in sie verliebt. Und als ob das noch nicht das klassische Liebesdreieck füllen würde, haben wir obendrauf auch noch Hatsumis großen Bruder, der aber nicht wirklich mit ihr verwandt ist, aber sie schon immer eigentlich liebt. Weil das tun große Brüder ja auch, sobald die Inzestdebatte außer Kraft gesetzt wurde.

Obwohl ich oft und gerne asiatische Dramen schaue, war der ganze Film einfach nur komsich. Ob es nun an den seltsamen Dialogen, verwirrenden Einstellungen oder der billig gemachten Filmmusik (die ganze Zeit wurde eigentlich nur Für Elise und ein anderes klassisches Klavierstück gespielt, auf dessen Namen ich gerade nicht komme), konnte ich damals nicht sagen. Aber ich war dumm genug, es erst mal nicht auf die Geschichte selbst zu schieben und irgendwie hat mich dieser Flop auch neugierig genug gemacht, um einmal in den Manga reinzulesen.

Spoiler-Alert: Großer Fehler! Ich bin froh, die Bände relativ billig gefunden zu haben, sonst würde ich auch noch zähneknirschend dem Geld hinterher jammern. Aber warum ist jetzt eigentlich der Manga soviel schlimmer als die Verfilmung? Ein Wort: Frauenfeindlichkeit. In der Verfilmung haben wir bereits erste Eindrücke davon bekommen können, aber im Manga werden noch ganz andere Maßstäbe herangezogen. Nicht nur kennt der männliche Loveinterest das Wort „Nein“ so gar nicht, er misshandelt den weiblichen Charakter am laufenden Band sowohl psychisch durch stetige Beleidigungen als auch körperlich durch aufgezwungene „Zärtlichkeiten“. Er setzt sie unter Druck und wie bereits oben erwähnt erpresst sie die komplette erste Hälfte der Geschichte.

Ich hatte viele Punkte, an denen ich aufhören wollte, aber eine dumme kleine Stimme hielt mich davon ab, einfach weil ich die Hoffnung nicht aufgeben wollte, dass der weibliche Charakter vielleicht noch zur Vernunft kommt, endlich dem Teufelskreis entkommt und tatsächlich anfängt sich zu Wehr zu setzen! Der Punkt, an dem der Vogel jetzt aber doch noch abgeschossen wurde, ich mich dann doch weigerte weiterzumachen, war, als der männliche Hauptcharakter sie in aller Öffentlichkeit geohrfeigt hat, weil sie seine Anrufe nicht entgegengenommen hatte. Aber da hört der Spaß noch nicht auf. Nein. Er macht sich davon und sie folgt ihm. In einem „klärenden“ Gespräch, gibt er ihr die Schuld dafür, dass er sie geschlagen hat und sie ist so freundlich und entschuldigt sich bei ihm dafür, ihm einen Grund gegeben zu haben. Also wenn das nicht geradewegs aus dem Handbuch des Missbrauchseinmaleins stammt, weiß ich auch nicht weiter. Prinzipiell habe ich nichts gegen solche Charakterdarstellungen. Im Gegenteil, ich finde sie äußerst wichtig, um in einem fiktiven Rahmen zu veranschaulichen, was absolut gar nicht in Ordnung ist. Was ich nur nicht leiden kann, ist wenn …

  1. … derartiges Verhalten unreflektiert stehen gelassen wird.
  2. … Missbrauch als positiv dargestellt wird (er hat es ja aus Liebe getan hat, würg!).
  3. … keiner der Charaktere auch nur die Spur aus solchen Ereignissen dazu lernt.

Hatsumi hatte ihre Chancen und ich habe ihr viele gegeben. Auch nach dem furchtbaren Kapitel habe ich noch ein wenig weiter gelesen, einfach nur um zu sehen, wie weiterhin mit der Situation umgegangen wird. Und siehe da, der Handlungstrang geht nach einem Kapitel weiter und keiner der Anwesenden verliert ein weiteres Wort darüber. Ich habe den Punkt schon lange überschritten, weiterlesen zu wollen und höre jetzt auch endlich damit auf. Ich empfehle die Geschichte wirklich absolut niemanden weiter, der einigermaßen bei Verstand bleiben will.

Natürlich habe ich mir im Vorfeld noch ein paar Gedanken gemacht und hatte nach Gründen gesucht, warum dieser Manga so eine Vollkatastrophe war. Kurz dachte ich über das Erscheinungsdatum nach, da dieser in den früher 2000er war und gut geschriebene Shojos selten feministisch sind. Aber auch diese Ausreden haben nicht lange ziehen können, da wir bereits in den 90ern ein paar starke weibliche Charaktere bekommen haben (ich nenne an dieser Stelle nur das Clamp-Team und auch wenn ich sie nie leiden konnte, muss ich wohl auch das Sailor-Moon Franchise erwähnen) und auch das Shojo-Genre einige positive Veränderungen durchlaufen hat, sodass wir nun auch Manga mit tollen Charakteren haben (Kaichou wa Maid-sama oder Kami-sama Hajimemashita wären an dieser Stelle zu nennen). Fakt bleibt also, dass Hot Gimmick keine Entschuldigung hat für seine schlechte Story, seine furchtbare Behandlung der weiblichen Charaktere und vor allem seinen katastrophalen Umgang mit sensiblen Themen.

Lest. Es. Nicht.

Bleibt stark, bleibt kritisch.
Alles Liebe, Anna


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