Die drei ???- Eine Hommage an eine unvergleichliche Reihe

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Wer ab und an einen Blick auf meine Leseliste wirft, dem ist in den letzten Monaten eines ganz sicher aufgefallen … und wenn nicht im letzten Jahr, dann ganz eindeutig aber seit Januar. Mein Konsum an Geschichten, die in und um Rocky Beach spielen und von drei Detektiven handeln, ist ein wenig ausgeartet. Gleiches kann man eventuell auch von der Anzahl meiner drei ??? Bücher behaupten, die etwas eskaliert ist. Aber von vorn, denn wenn ich schon gleich ins Schwärmen verfalle, sollt ihr auch den Anfang kennen. 

Alles begann, als ich zwischen elf und dreizehn Jahre alt war (leider weiß ich das heute nicht mehr so genau). Damals stand ich noch total auf Hörspiele, war aber schon längst Benjamin Blümchen und Co. entwachsen. Und dann, eines Tages, stolperte ich in der Bibliothek über die Kassetten von den drei ???. Die Bücher sahen cool aus und ich hing gerade sowieso in einer Fear Street Phase fest (die waren damals sooo cool … und so gruselig) und irgendwie erinnerten mich die Kassettencover an die anderen Bücher. Ohne genau darüber nachzudenken (wie man eben so als Kind ist), griff ich zur erstbesten Kassette und lieh sie aus.
Welche Folge das war, kann ich heute nicht mehr sagen, aber zu einer der ersten gehörte zumindest Die drei ??? und das Hexenhandy, denn damals spielte ich viel mit meiner Cousine und sie ist felsenfest davon überzeugt, dass dies ihre erste Folge war. Schnell wurde ich süchtig nach der berühmten Hörspiel-Reihe aus dem Europaverlag und lieh mir jede Kassette und bald auch CD aus, die ich in die Finger bekam. An den Büchern hatte ich nicht ganz so viel Interesse und habe damals nur zwei gelesen (Die drei ??? – Das Auge des Drachen – damals meine absolute Lieblingsgeschichte – und Die drei ??? und der magische Kreis – übrigens das einzige Buch für lange Zeit, dass ich aus dieser Reihe selbst besaß). Mich faszinierte eher der kleine Film im Kopf, der beim Zuhören entstand und den ich überall genießen konnte. Gefesselt haben mich damals eher andere Bücher. 

Irgendwann wurde ich älter und die Geschichten aus Rocky Beach wurden von anderen abgelöst. Zwar begegneten sie mir immer wieder in den letzten Jahren (vor allem durch meine Cousine, die Karten für die letzte Liveshow „Phonophonia“ ergattert hatte), doch der Gedanke, wieder mit dem Hören anzufangen, kam mir nie. Ich hatte in meinem Kopf zu sehr abgespeichert, dass mir die Geduld zu Hörbüchern fehlt und ich sowieso lieber Bücher lese.

img_1658Letzten Herbst wechselte ich den Job und statt jeden Tag in der S-Bahn lesend zu beginnen, musste ich plötzlich eineinhalb Stunden Bus fahren, um auf Arbeit zu kommen. Dass mein Magen und ich konträre Vorstellungen vom Lesen im Bus haben, darüber habe ich mich bereits in einem anderen Beitrag ausgelassen. Auf der Suche nach Content, der mich nicht langweilte, stolperte ich über die drei ??? Folgen und dachte, warum nicht? Und um ehrlich zu sein, alles begann für mich gar nicht mit einer Folge, sondern C.R. Rodenwalds Hörbuch von Die Welt der drei Fragezeichen. Tagelang sog ich all die Fakten auf und schwelgte in meiner eigenen Erinnerung an diese besondere Zeit in meiner Kindheit. Und als ich beim letzten Track angekommen war, wollte ich mehr, wollte ich endlich wieder zurück in die heile Welt von Rocky Beach und meinen drei geliebten Detektiven. Und natürlich begann ich mit meiner damaligen Lieblingsfolge. Als ich das erste Mal nach so langer Zeit den klassischen Anfangs-Jingle hörte, bekam ich eine Gänsehaut und heulte fast im Bus. img_1653

Es war wie nach Hause zu kommen. Alles war noch immer vertraut, die Stimmen noch immer die gleichen, die Jungs hatten sich in all der Zeit nicht verändert. Ich hatte meine alten Freunde wieder gefunden, Freunde, von denen ich völlig vergessen hatte, wie viel sie mir bedeuteten. Ich hörte Folge Hundertdreizehn, dann begann ich chronologisch von vorn. Und ehe der September vorbei war, hatte ich die ersten vierzig Folgen konsumiert und konnte mir einen Morgen ohne eine Folge der drei ??? nicht mehr vorstellen. Durch Zufall stolperte ich darüber, dass die Sprecher nach all den Jahren wieder auf Tour sind und dann auch noch in Stuttgart Halt machen würden, ganze drei Tage nach meinem Geburtstag. Doch der kurzen Euphorie, die dieser Entdeckung entsprang, folgte schnell Enttäuschung, denn die Vorstellung war restlos ausverkauft (war ja mal wieder typisch). Ich hörte weiter meine Folgen und schaute sporadisch auf der Webseite vorbei, nur um mir wiederholt das Herz brechen zu lassen. Bis … etwa vier Wochen vor dem Termin in Stuttgart plötzlich genau eine Karte verfügbar war. Ohne groß drüber nachzudenken, buchte ich und konnte mein Glück kaum glauben. Die drei ??? … live … und ich sollte dabei sein. 

Den ganzen November über konnte mir keiner mein Grinsen aus dem Gesicht nehmen – nicht mal mein Geburtstagsblues, der normalerweise eine Woche vor meinem Geburtstag beginnt und mich tagelang lamentieren lässt, wie alt ich bin (wenn es nicht jedes Mal Geschenke gäbe, würde ich den gar nicht feiern). Vorsorglich hatte ich mir an besagtem Tag Urlaub genommen (meine Arbeitskollegen hätten mich an dem Tag keine Sekunde ertragen und produktiv wäre ich auch nicht gewesen). Abends ging es mit der Bahn nach Bad Cannstatt in die Arena und plötzlich war ich von all den anderen Fans umgeben, die den gleichen Weg hatten und ebenso verrückt waren. Es fühlte sich so surreal und dennoch so richtig an. Und als in der Arena die Saalbeleuchtung ausging und die Musik startete, lief mir ein wohliger Schauer durch den Körper. Ich kann euch nicht beschreiben, wie ruhig es die nächsten Stunden in der Halle war, weil alle diesem Live-Hörspiel gespannt folgten, auch nicht, wie es sich angefühlt hat, unter Fans zu sitzen, die die Hörspiele genauso lieben wie ich. Aber es war toll. Ein Abend, den ich so schnell nicht vergessen werde und das beste Geburtstagsgeschenk, dass ich mir selbst je gemacht habe (ich weiß, Eigenlob stinkt, aber man, kann ich gute Geschenke machen).

Und irgendwie veränderte dieser Abend alles und intensivierte meinen Folgenkonsum. Online fand ich die Mitschnitte vorheriger Live-Shows und organisierte sie mir. Dann folgte das Buch zur Live-Show: Die drei ??? und der dunkle Taipan. Dann C.R. Rodenwalds Sachbuch als physisches Buch und dann, um Weihnachten rum, ging mein normaler Lesestoff aus und ich stand gestrandet in meiner Heimatstadt in einer Buchhandlung vor einem Bücherregal mit schwarzen Büchern darin. Eins mitzunehmen konnte nicht schaden, dachte ich mir, eins hast du schnell durch, eins tut nicht weh. Doch ich war noch eine Woche bei meinen Eltern zu Besuch und ein Buch war dafür schon zu wenig, oder? Und ein Buch sieht schon einsam aus, so ganz allein. Sekunden später schob ich der Buchhändlerin drei schwarze Bücher über den Tresen, alle Ausgaben, die ihr beschränktes Sortiment zu bieten hatte nach dem Weihnachtsgeschäft, und drei Stunden später hatte ich das erste Buch durch und entdeckt, dass die Bücher zu lesen auf andere Art genauso gut war, wie die Folgen zu hören. Noch bei meinen Eltern bestellte ich mir die nächsten Bücher, die auf mich warten würden, sobald ich nach Hause kam.

Und irgendwie ist im Januar dann alles endgültig eskaliert. Im Bestreben, erst einmal nur meine Lieblingsfolgen als Bücher zu besorgen, verbrachte ich Stunden auf medimops und suchte mir all die mittlerweile nicht mehr lieferbaren Bücher zusammen. Zu dem Genuss, die Bücher zu lesen, gesellte sich damit auch noch das Abenteuer der Schatzsuche nach diesen hinzu und die Freude, die neu angekommenen Schätze aus ihren Paketen auszupacken und all die verschiedenen Ausgaben zu entdecken, in denen die Bücher seit 1968 erschienen.
Als ich dann auch noch Ende Januar mein Ziel erreichte, alle Hörspielfolgen durchzuhören, war es schon längst zu spät für mich. Justus, Peter und Bob hielten mich in ihren Fängen und freiwillig würde ich Rocky Beach nicht mehr verlassen. Warum auch? Die Bücher sind gut und spannend und obwohl ich mich bei Mehrteilern schnell langweile, war das bei diesen Büchern so gar nicht der Fall. Und ja, es gibt Bücher, über deren Handlung kann man sich streiten. Und ja, manche Folgen werden niemals in mein Bücherregal einziehen (ha, als ob da auch noch Platz wäre), beispielsweise die Crime-Buster-Folgen oder (und wahrscheinlich werde ich mir gleich mal wieder ein paar Feinde machen) die Bücher von Brigitte-Johanna Henkel-Waidhofer. Ich weiß, wir haben ihr viel zu verdanken (Tante Mathildas Kirschkuchen, Peters Dietrichset, die ersten rein deutschen Folgen, usw.), aber es fehlen einfach zu viele klassische Storyelemente, die ich liebe, und mir sind ihre Fälle einfach zu wenig mystisch und mysteriös.
img_1655Nichtsdestotrotz umfasst meine kleine Sammlung mittlerweile fünfzig Bücher (unter anderem alle von Robert Arthur – dem Erfinder der Reihe), dazu Bobs Archiv und zwei DVDs zu den Live-Shows. Nebenbei nerve ich mein komplettes Umfeld, weil ich, sobald das Gespräch auch nur irgendwie auf Bücher fällt, kein anderes Thema mehr finde, als diese Bücher (übrigens auch der Grund für diesen Beitrag, denn bisher habe ich euch ja schließlich noch verschont). 

In den kleinen Momenten, in denen ich darüber nachdenke, vielleicht mal wieder etwas anderes zu lesen, erschreckt es mich manchmal, wie schnell ich in dieses Fandom gerutscht bin und wie lange ich schon ohne Pause darin verbringe. Bisher hatte ich noch keine Buchreihe, die mich so sehr an sich band. Klar, ich liebe Harry Potter und habe auch andere Reihen in meinem bisherigen Leben gelesen, aber alle hatten eins gemeinsam: Die verschiedenen Bände erschienen mit mehreren Monaten oder gar Jahren Abstand und selbst wenn ich heute wieder nach ihren greife, bin ich nach spätestens zwei oder drei Bänden ihrer müde und brauche eine Pause. Hier jedoch nicht. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich erstmal etwas anderes lesen muss, dass ich etwas verpassen könnte, wenn ich nicht endlich etwas anderes in die Hand nehme. Ich fühle mich noch lange nicht übersättigt von den Figuren oder der Handlung. Im Gegenteil. Und eigentlich kenne ich die Handlung ja schon, habe sie alle schon einmal als Hörspiel gehört, weiß, wer der Bösewicht ist und wie die drei Jungs den Fall lösen werden. Dennoch reizen mich die Bücher noch immer und mit den Hörspielen habe ich gerade wieder von vorne angefangen. 

Die Welt der drei ??? bietet einfach eine unglaubliche Geborgenheit und Sorglosigkeit, der es nicht schwer fällt sich hinzugeben. Und irgendwie merke ich auch immer mehr, dass ich gar nicht so sehr an den Fällen interessiert bin, sondern eher an der Interaktion der Hauptcharaktere. Das ist es, was mich fasziniert, was mich an der Stange hält. Ich kann es schwer erklären, aber diese Bücher und Hörspiele zu konsumieren, fühlt sich einfach wie ein kleines Stück zuhause an, in das man sich zurückziehen möchte und kurz eine Pause vom Alltag nehmen will. Allerdings gehöre ich nicht zu den Hörern, die mit den Folgen einschlafen. Dazu sind die Folgen einfach zu spannend.

img_1656Natürlich habe ich auch ein Lieblingsfragezeichen, aber das verrate ich nur Face to Face (da müsst ihr mich schon auf der Buchmesse ausquetschen). Und ja, ich habe auch Lieblingsautoren, deren Bücher ich noch einmal ganz anders liebe. Eine davon ist Kari Erlhoff, deren Trilogie rund um die Greys es mir besonders angetan hat (siehe Foto). Außerdem verschwindet mein Lieblingsfragezeichen bei ihr nicht so im Hintergrund, wie bei anderen Autoren und bekommt ab und an auch mal die Chance, neben Justus zu glänzen.
Mein anderer Lieblingsautor ist Hendrik Buchna, dessen Bücher einfach mit so vielen Easter Eggs gestückt sind, dass einem als Fan der Reihe man noch mal doppelt so viel Spaß beim Lesen hat. Denn so einfach zu finden, sind sie nicht, da er im Gegensatz zu den meisten anderen Autoren nicht mit dem Finger auf diese Einschübe zeigt, sondern sie unkommentiert einfach in den Text einfließen lässt. Dass es in der aktuellen Live-Show von alten Artefakten aus früheren Fällen der drei ??? nur so wimmelt, ist also kein Zufall, schaut man sich an, aus wessen Feder sie stammt.

Ich könnte euch noch stundenlang weiter zuschwafeln zu diesem Thema, aber so langsam habe ich Erbarmen mit euch (fürs Erste). Wenn in den nächsten Wochen immer mal wieder Beiträge zu den drei ??? auftauchen, kennt ihr jetzt zumindest die Hintergrundinformationen. Und falls nach dem 21. März das Ganze noch zunimmt, dann liegt das daran, dass ich da noch einmal zur Live-Show gehe. Denn ja, ich hatte einen schwachen Moment am Wochenende und stellte fest, dass Nürnberg gar nicht so weit weg ist und ich zufällig jemanden kenne, bei dem ich übernachten kann. Dummerweise war ich genau zu diesem Zeitpunkt auf der Ticketseite unterwegs …

In diesem Sinne (ehe ich schon wieder ausschweife) …
alles Liebe,
eure Reni


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