Kleiner Panikanfall einer Büchersüchtigen …

Im Buchhandel zu arbeiten ist toll. Ich kaufe Bücher ein aus Genres, die ich liebe und beglücke mit ihnen Kunden in unseren Buchhandlungen. Nebenbei besuche ich Buch- und Fachmessen und informiere mich über Neuerscheinungen oder blättere Vorschauen durch und lasse mich von Vertretern beraten. Doch ein Büchernerd im Buchhandel zu sein, ist nicht immer einfach. Habe ich vor diesem Job neue Bücher immer nur im Buchladen, auf den Buchmessen oder auf Bookstagram entdeckt, trudeln nun fast jeden Tag Vorschauen ein von allen möglichen Verlagen, die ich vorher gar nicht alle auf dem Schirm hatte. Und alle warten mit einem tollen Programm auf, einem Programm, in dem ich pro Vorschau mindestens zwei oder drei Titel finde, die sich in meine Leseliste einreihen wollen.

Habe ich vorher gedacht, dass es zu viele Bücher gibt, die ich noch lesen will, bin ich nun so langsam an dem Punkt angekommen, an dem ich am liebsten heulen will. Abzustreiten, dass ich in meinem Leben meine Leseliste irgendwann abarbeiten kann, ist mittlerweile unmöglich geworden. Denn wie bitte schön soll ich all das schaffen, wenn zu meinem aktuell fünf Meter hohem/langem TBR, wenn jedes Frühjahr und jeden Herbst noch etwa fünfzig Bücher hinzukommen? Und da habe ich noch nicht mal all die englischen Titel mit einberechnet, die jede Saison zusätzlich veröffentlicht werden und mich auf Social Media Accounts zum Kauf verführen wollen. Oder aber all die Leseexemplare, die mir von Verlagen zusätzlich zu den Vorschauen zugeschickt werden, um mich neugierig zu machen, um mich zu höheren Einkaufsmengen zu verführen. Was jetzt nicht heißt, dass ich die nicht will – versteht mich nicht falsch, Leseexemplare zu erhalten und weit vor allen anderen die Bücher lesen zu können, ist mit Abstand so ziemlich das Beste an meinem Job. Und gleichzeitig bleibt so viel Budget übrig, dass ich in noch mehr Bücher investieren kann …

Aber ihr seht, ich befinde mich in einem Teufelskreis. Gebt mir noch zwei Jahre und meine Bibliothek wird aus den Nähten platzen und mich unter ihr begraben, wenn ich nicht bis dahin einen Nervenzusammenbruch erlitten habe, weil mein TBR mir ein zu großes schlechtes Gewissen macht (die Chance dafür steht ziemlich gut). Mir graut es vor meinem Umzug, der in nächster Zeit anstehen wird, denn jetzt schon habe ich nicht genug anderen Kram, um meine Bücherboxen auszubalancieren.

Zumindest für Leseexemplare, die ich für die Arbeit lesen muss, werde ich nun die 20-Seiten-Methode ausprobieren, heißt, ich lese die ersten 20 Seiten und entscheide dann, ob ein Buch mir gefällt und ich weiterlesen bzw. es einkaufen will. Somit lässt sich zumindest dieser Anteil meines TBRs kontrollieren und einigermaßen gering halten. Was aus den anderen Büchern wird? Keine Ahnung … Kaufen, ins Regal stellen und lesen, wenn sich Zeit findet, schätze ich mal. Allerdings habe ich mir eines fürs nächste Jahr vorgenommen: Ich werde mein TBR-Regal auflösen. Denn tagtäglich an diesem Fach (plus seine Erweiterungen) vorbeizugehen und mich von ihm unter Druck setzen zu lassen, setzt mich zu sehr unter Stress und nimmt mir vor allem den Spaß am Lesen, denn nicht nur fällt mir von Mal zu Mal die Entscheidung immer schwieriger, zu welchem ich nun greife, auch ich jedes Mal vor mir, welche noch gelesen werden wollen, wenn ich eins zur Hand nehme. Da ich dieses Gefühl kontrollieren kann, wird dieses Projekt also in die Hand genommen. Ebenso muss ich wohl im gleichen Zug auch mal wieder durch die Regale gehen und Bücher aussortieren, die ich nicht mehr haben oder nicht mehr lesen will – aber das ist eine Baustelle perfekt für kurz vorm Umzug und kann bis dahin auch durchaus ruhen.

Eines steht jedoch fest: Vorschausaison ist die schönste Zeit des Jahres (und auch noch zweimal im Jahr) und fast so schön wie Weihnachten. Zum ersten Mal durch die Vorschauen zu blättern und all die neuen Bücher zu entdecken, die kommen werden und die man vielleicht schon in Englisch gelesen und nun mit anderen teilen kann, ist etwas absolut Schönes. Da fühle ich mich immer wie ein Kind, das sehnsüchtig die Nase gegen das Schaufenster eines Süßigkeitenladens presst und davon träumt, alles probieren zu können. Nur dass ich Bücher Süßigkeiten vorziehe, denn schließlich macht eine Packung Koalas zwar für zwanzig Minuten glücklich, ein Buch jedoch für viel länger, wenn nicht sogar für immer.

 

So, jetzt aber genug gejammert. Wie ist das bei euch? Haltet ihr nach Neuerscheinungen in Vorschauen Ausschau? Habt ihr euren TBR im Griff oder überfordert er euch ebenso wie meiner mich? Auf welche Neuerscheinung freut ihr euch besonders nächstes Jahr? Ich freue mich auf eure Kommentare.

 

Habt eine tolle Woche.

 

Alles Liebe;
Eure Reni


Ein Gedanke zu “Kleiner Panikanfall einer Büchersüchtigen …

  1. Hallo Reni, Dein Panikanfall kommt mir sehr bekannt vor. Ich habe auch bis vor einigen Jahren Bücher verkauft und kenne dieses Dilemma mit überbordender Lektüre. Ich war meine beste Kundin und habe es dann so gehalten: ich habe mir keine eigenen Vorschriften über Leselisten, das Durchblättern von Vorschauen und ähnlichen Stressaufgaben gemacht , sondern habe alles ziemlich dem Zufall überlassen, aber Käufe von mir sympathischen Menschen im Auge behalten und auch so eine Orientierung nur für MICH bekommen.
    Inzwischen bin ich im Ruhestand haha, komisches Wort, führe zwanglos meinen Bücherblog und lasse nur nur noch Rezensionsexemplare zu, die mich ansprechen. Diese neuen Bücher verschenke ich dann an die örtlichen Büchereien, die sich riesig darüber freuen. Ansonsten würde ich hier bald in einem Bücher Messie Haus leben. Mit der 20 Seiten Methode bin ich übrigens nie klar gekommen, 50-100 Seiten müssen es schon sein, sonst kann man vielen Autoren und ihren Büchern nicht gerecht werden,,,, meine Meinung!
    Herzliche Grüsse
    Angela vom Literaturgarten

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