Im Märchenwald verloren gehen …

Rotkäppchen, Rapunzel, Aschenbrödel und Co … wir alle sind mit ihnen aufgewachsen und haben ihre Geschichten in den unterschiedlichsten Arten konsumiert. Doch immer nur die gleichen Märchen zu lesen, wird irgendwann langweilig. Zum Glück gibt es da draußen lauter Autoren, die neue Märchen schaffen und uns in ihre Welten entführen. Meine drei liebsten neuen Märchensammlungen, eingewoben in Geschichten, habe ich euch hier zusammengesucht:

The School for Good and Evil – Soman Chainani
Stell dir vor, du hättest die Chance, ein Märchencharakter zu werden. Der Preis? Du musst alles hinter dir lassen und kannst nie wieder zurückkehren. Würdest du es wagen?
Sophie träumt von nichts anderem und kann es kaum erwarten, von dem mysteriösen Schulmeister entführt zu werden. Denn diejenigen, die er entführt, landen vier Jahre später in einem Märchenbuch und Sophie wollte schon immer Prinzessin werden. Die böse Hexe für ihre Geschichte hat sie auch schon auserkoren – ihre beste Freundin Agatha, die auf einem Friedhof wohnt. Doch als sie und Agatha wirklich entführt werden, kommt alles anders, als es sich Sophie erträumt hat.

Soman Chainani erzählt witzig und mit viel Fantasie, wie Märchen zu ihren Figuren kommen und was passiert, wenn man mit der heiligen Ordnung bricht. Nichts ist, wie es scheint und jede kleinste Manipulation an der eigenen Geschichte hat ungeahnte Folgen. Diese Reihe, deren sechster Band nächstes Frühjahr (in den USA – im Deutschen erscheint nächstes Jahr Teil 5) veröffentlicht wird, macht nicht nur unglaublich Spaß beim Lesen, sie hält auch so einige interessante (und vielleicht ja wahre) Hintergrundinformationen zu den Märchen bereit, die wir glaubten zu kennen.

Das Labyrinth des Fauns – Cornelia Funke & Guillermo Del Toro
Ein Faun auf der Suche nach einer verlorenen Prinzessin, ein junges Mädchen auf dem Weg zu ihrem neuen Vater, ein grausamer General, der seine Gegner vernichten will, alles ins Setting von Francos Spanien 1944 gesetzt – das ist die Rezeptur des 2007 erschienenen Films von Guillermo Del Toro, das Cornelia Funke nun als Buch adaptiert und um neue Märchen erweitert hat. Das Buch ist genauso märchenhaft (wenn nicht sogar noch mehr) und ebenso gruselig wie der Film und kreiert mit Funkes Wortmagie einen sich windender Malstrom, aus dem man erst entkommt, wenn die letzte Seite umgeblättert ist. Vor allem die Märchen lassen uns noch tiefer in die Geschichte eintauchen und werfen einen neuen Blickwinkel auf die ursprüngliche Handlung.
Doch Vorsicht: Dieses Buch ist nichts für Sensible und erst rechts nichts für Kinder (frühestens ab 14 Jahre). Nicht nur sind einige der Figuren sehr gruselig dargestellt, es wird sehr bildhaft beschrieben, wie der General Widerstandskämpfer tötet und foltert. Das Buch ist unglaublich gut, aber ich habe mir oft gewünscht, ein Kissen vor die Augen zu halten, bis manche Szenen vorbei waren (auch wenn das leider bei Büchern nicht geht). 

The Starless Sea – Erin Morgenstern
The Starless Sea folgt keiner einfachen linearen Handlung; in diesem Buch sammeln sich viele Kurzgeschichten, die auf den ersten Blick zwar irgendwie mit der Welt zu tun haben, ihr Einfluss auf die Haupthandlung sich aber erst im Laufe der Handlung entlüftet. Ähnlich wie schon im Nachtzirkus unterbrechen sie die Handlung immer wieder. Viele der Geschichten handeln von geheimen Türen, die in die unterirdische Bibliothek führen, andere erzählen von Charakteren, die erst später in der Haupthandlung auftreten. Wieder andere sind Metaphern oder Gedankenschnipsel, die uns Lesern einen tieferen Einblick in die Handlung erlauben. Besonders faszinierend finde ich, dass wir mit all diesen Randgeschichten mehr wissen, als der Protagonist und somit Situationen besser einordnen können. Dabei bekommt man immer genau so viele Informationen, wie man als Leser für die nächsten Kapitel benötigt. Gleichzeitig werden wir elegant auf Schicksalsschhläge in den nächsten Kapiteln vorbereitet und bekommen ein wenig Hoffnung an die Seite gestellt.
Jede Kurzgeschichte lässt sich dabei auch einzeln genießen und doch bilden sie gemeinsam einen in sich stimmigen Märchenkanon. Sie sind so besonders und poetisch und bittersüß, dass ich kaum genug von ihnen bekommen konnte und sie immer und immer wieder lesen wollte. Erin Morgenstern ist mit diesem Buch ein Meisterwerk gelungen, das in so vielen verschiedenen Facetten einzigartig ist und dabei in seiner Gesamtheit absolut genial komponiert. In ihrer Welt ist alles möglich und in jedem Satz steckt so viel Magie und Liebe, dass man süchtig nach ihren Worten wird. 

Eine Gute Nachricht habe ich auch schon für euch: The Starless Sea erscheint nächsten Mai unter dem Titel Das sternenlose Meer im Blessing Verlag im Hause Random House. Für diejenigen unter euch, die wir hungrig nach diesem Buch gemacht haben, aber nicht die englische Ausgabe lesen wollen, ist dieses Buch ein Tipp für jede Leseliste.

Damit wünsche ich euch einen tollen vierten Advent und in zwei Tagen schöne und besinnliche Weihnachten und einen fleißigen und vielleicht auch literarisch beeinflussten Weihnachtsmann.

Alles Liebe,
Eure Reni


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