Gay Couples in Büchern

Auch wenn wir uns in Kinderschritten in die richtige Richtung bewegen, sind wir leider noch unsagbar weit entfernt, was gutgeschriebene Pärchen des gleichen Geschlechts angeht. Entweder sie sind als Nebencharaktere voller Klischees nur hineingeschrieben, um die Statistik aufrechtzuerhalten und auch Minderheitenleser für sich zu gewinnen oder die gesamte Handlung ist um diese Liebesbeziehung herum geschrieben. Versteht mich nicht falsch. Gerade letzteres hat uns wundervolle Charaktere und Liebesgeschichten gegeben (ich erinnere nur an Simon vs. the Homosapiens Agenda oder die Captive Prince Trilogie – alle Laurent Fans heben jetzt bitte einmal die Hand!). Das Problem, was ich habe, ist, dass gleichgeschlechtliche Liebesgeschichten zu selten als simple Nebensache dargestellt werden, was sie letztlich aber sind oder zumindest sein sollte. Liebe ist simpel und vor allem natürlich. Aber warum darf es immer nur die Liebe zwischen Mann und Frau sein, die so natürlich dargestellt wird oder sich im Hintergrund des Plots entwickelt, während Gay Couples oftmals mit Neonschild (Look guys, it’s LGBTQ!) ausgerüstet werden oder mit Label auftauchen. Ich könnte noch Stunden so weitermachen, aber machen wir lieber mit positiven Beispielen weiter, nämlich meine drei Lieblings-Gay-Couples in Büchern:

Carry On – Rainbow Rowell
Bereits in Fangirl haben wir sie kennen und lieben gelernt. Simon und Baz (vor allem Baz) oder auch einfach nur Snowbaz. Als Rivalen haben sie sich die letzten fünf Jahren bekriegt und nun im letzten magischen Schuljahr weiß Auserwählter Simon Snow nicht weiter, denn Mitbewohner, vermeintlicher Vampir und Nemesis Tyrannus Basilton Grimm-Pitch (alleine der Name, ein Traum) ist verschwunden. Eigentlich sollte man meinen, als Retter der gesamten magischen Welt (stellt euch Harry Potter nur voller Popculture Referenzen vor) hat man Besseres zu tun, als den ganzen Tag an seinen Rivalen zu denken. Aber vielleicht steckt ja auch mehr dahinter als nur die Sorge um das eigene Leben.
Carry On ist vor allem deswegen für mich Fangirlmaterial #1, weil es keine forcierte Liebesgeschichte ist, sondern sich entfaltet, entwickelt und sich dabei nie übertrieben in den Vordergrund spielt. Wir haben eine spannende Geschichte, die auch vollkommen ohne Liebestrara noch absolut spannend und lesenswert wäre und vor allem haben wir Baz. Ein Charakter, der erst nach 100 Seiten aktiv auftaucht und dann einen derartigen Divaauftriff hinlegt, dass man ihn einfach ins Herz schließen muss. Hinzu kommt seine offene Queerness, die es nur dann zu verstecken gilt, wenn seine Gefühle für Simon auszubrechen drohen. Denn dieser süße Idiot ist seit Stunde Null bereits hoffnungslos verknallt. Aber was hilft besser als ein versuchter Mordanschlag einmal pro Schuljahr, um allen weiszumachen, dass absolut keine Gefühle im Spiel sind. Simon auf der anderen Seite funktioniert als Gegenpol zu Baz. Keine Ahnung was er fühlt, aber er muss ja auch die Welt retten. Snowbaz bleibt mein Chaospärchen #1.

Wayward Son – Rainbow Rowell
Dieses Jahr erschienen und schneller durchgelesen, als mein Körper nach Schlaf verlangte. Viele werden sich nun fragen, ist das nicht die Fortsetzung zu Carry On und ja, so ist es. Technisch gesehen ist es also noch das selbe Couple wie im ersten Teil vorgestellt. Dies habe ich allerdings nicht an Ermangelung weiterer Beispiele gemacht, sondern vielmehr weil mich der Band noch einmal auf einer ganz anderen Ebene umgehauen hat. Ich gestehe an dieser Stelle zwar, dass ich auch ein 300-Seiten-Buch gelesen hätte, in dem bis ins kleinste Detail eine Make-Out-Session der beiden beschriebenen wird, aber auch ohne dies kann man immer noch von einem guten Buch reden. Ich habe mich deswegen dafür entschieden, den zweiten Teil separat zu behandeln, weil die Beziehung der beiden nicht mit der Beziehung aus dem ersten Teil zu vergleichen ist.
Kurze Zeit nach Ende von Carry On spielt Wayward Son einen Roadtrip durch die USA durch. Schnell merken wir jedoch, dass das ersehnte Happy End bei den beiden ausblieb. Stattdessen hat Simon immer noch mit den Auswirkungen des großen Endkampfes zu kämpfen und Baz weiß nicht, wie er helfen kann. Beide laufen auf heißen Sohlen umeinander und warten nur darauf, dass der andere die Sache beendet. Gleichzeitig ist aber klar, wie sehr sie einander eigentlich lieben, aber mangelnde Kommunikation ist leider so eine Sache.
Der Beschützerinstinkt für meine Babies ist im zweiten Teil noch einmal durch die Decke gesprungen. Kennt ihr diesen Moment wo ihr euer Ship einfach nur packen und aneinander drücken wollt wie zwei Puppen (And now kiss!). Dieses Gefühl begleitete mich durch den gesamten Teil hindurch.

Starless Sea – Erin Morgenstern
Seufz. Ja. The Starless Sea. Kein Buch hat mir bisher mehr Bauchschmerzen verpasst und kein weiteres Buch hat je eine derartige Achterbahnfahrt der Gefühle bei mir ausgelöst. Gleichzeitig habe ich mich noch nie so vehement geweigert, für ein Buch eine Rezension zu schreiben. Warum? Weil keine Rezension diesem Buch jemals gerecht werden könnte. Das Buch berührte mich auf so vielen emotionalen, psychologischen und persönlichen Ebenen, dass es nicht in Worte zu fassen ist. Bereits nach den ersten zwanzig Seiten saß ich weinend davor und wusste nicht einmal warum. Eins steht fest. Nicht du liest das Buch. Das Buch liest dich!
Gleichzeitig bekommen wir eines der schönsten Pärchen, die ich jemals gelesen haben. Alles passt, alles stimmt. Wir haben Zachary Ezra Rawlings, einen Studenten, der seine Doktorarbeit gerade über Plotaufbau in Videospielen schreibt (ich meine, wie geil ist das denn?). Seine sexuellen Präferenzen werden dem Leser nicht mit einem Neonschild gleich in der zweiten Zeile seiner Vorstellung aufgedrückt, man bekommt sie ganz einfach in einem Nebensatz vorgesetzt. Und so sollte es auch sein. Ich meine in keiner Liebesgeschichte zwischen Mann und Frau wird nach dem Namen sofort gesagt, dass die Protagonistin auf Männer steht. Warum brauchen wir das also unbedingt bei gleichgeschlechtlicher Liebe? Lasst die Geschichte sich entfalten und irgendwann bekommt der Leser das schon von alleine raus. Spätestens wenn die beiden sich plötzlich küssen (looking at you, Snowbaz – auch wenn man hier vermutlich eher von Bazexuality sprechen muss). Aber als ob mein Lieblingsravenclaw (jip, Zach ist ein Ravenclaw –  endlich haben wir einen Ravenclaw-Protagonisten! Und dann auch noch in so einem guten Buch!) noch nicht alleine das Buch rocken würde (was er könnte, man muss ihn einfach lieben – ich habe ihn nach drei Seiten adoptiert, spätestens aber als er einen Matcha Latte bei Starbucks bestellt hat), bekommt auch er sein Gegenstück. Und was für eines.
Wart ihr jemals alleine von einer Stimme im Dunklen so angetan, dass ihr sofort wusstet: Da ist er! Das ist mein Liebling in der Geschichte! Nein? Dann darf ich euch mit Freuden Dorian vorstellen. Als Phantom geistert er schon lange vor seinem eigentlichen Auftritt durch die Seiten. Und auch danach macht er seinem Ruf alle Ehre. Ob er nun als mysteriöser Fremder, betrunkener Geschichtenerzähler oder barfüßiger, verlorener Junge durch die Geschichte stolpert, meine Mutterinstinkte haben schneller Alarm geschlagen, als er um Hilfe schreien konnte. Auch ein Grund, warum sämtliche seiner Auftritte noch einmal extra von mir im Buch markiert wurden.
Und wie sieht es mit ihrer Beziehung aus? Ich würde sagen, ähnlich chaotisch wie bereits bei einem gewissen anderen Pärchen. Aber das ist okay. Es braucht seine Zeit bis sich die Prioritäten der beiden zueinander verschieben und das ist gut so. Bisher habe ich das Buch noch nicht zu Ende gelesen, aber ich weiß, dass mich noch sehr viel Schmerz erwartet. Trotzdem bleibe ich meinem Storygamer-Ship treu. Zacharian forever!

 

Wie sieht es bei euch aus? Welches literarische Gay Couple löst bei euch Muttergefühle aus oder wollt ihr am liebsten vor allem Bösen in der Welt beschützen? Empfehlt uns eure liebsten Gay-Couples-Bücher, denn sie verdienen das Spotlight!

Habt einen besinnlichen dritten Advent (eine Woche und zwei Tage noch, Leute – Zeit panisch zu werden und die restlichen Weihnachtsgeschenke zu kaufen) und verkrümelt euch mal wieder mit einem guten Buch aufs Sofa.

 

Alles Liebe,
Eure Anna.


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