Der Polarexpress

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Autor & Illustrator:
Chris Van Allsburg

Darum geht’s:
Heiligabend, ein Zug auf dem Weg zum Weihnachtsmann, das erste Weihnachtsgeschenk und ein kleiner Junge im Schlafanzug, der die Nacht seines Lebens erlebt.

Meine Meinung:
Reni, gerade vierzehn geworden, sitzt neben ihrem Papa im Kino. Sie liebt animierte Filme, er ist ein Zugnarr. Beide starren gebannt auf die Leinwand und genießen den Polarexpress.
Es kommt selten vor, dass ich mit meinem Vater etwas gemeinsam habe, doch der Film von 2004 gehört dazu (übrigens ebenso wie
Lukas und der Lokomotivführer). Erst viel später (Momente, in denen man realisiert, wie alt man ist), stolperte ich über das Bilderbuch, dessen deutsche Ausgabe der Aladin Verlag seit Jahren in seinem Sortiment vertreibt, nur um kurze Zeit später festzustellen, dass das Buch nicht lieferbar war. Mittlerweile lebe ich in der dritten Stadt und habe in sieben Buchhandlungen in sieben Jahren versucht, das Buch zu bestellen – jedes Jahr jedoch mit dem gleichen Ergebnis: Vergriffen. Mit dem Wechsel zum Thienemann Verlag, legte Aladin nun aber viele seiner Klassiker wieder neu auf und zum Glück auch Der Polarexpress, das Bilderbuch des Künstlers und Bilderbuchautors Chris Van Allsburg. Ihr könnt euch vorstellen, wie hoch dieser Titel über die Jahre in meiner Wunschliste gestiegen ist; es jetzt in den Händen zu halten, fühlt sich immer noch vollkommen surreal an.

Das Buch bildet die Grundlage zu dem erfolgreichen Animationsfilm, der natürlich Dank seiner Länge und Möglichkeiten mehr Action zeigen und tiefer in die Geschichte eintauchen kann. Das Bilderbuch beschränkt sich auf die Erlebnisse des Jungen und vor allem die Reise des fantastischen Zugs. So folgen wir Leser und Betrachter der Geschichte durch weite Schneewälder, erhalten Außenperspektiven auf den Zug durch Wolfsrudel oder aus der Vogelperspektive, nehmen Teil an Schokoladenservierzeremonien und tauchen später in ein rotes Meer von Elfenmützen ein, wenn der Zug endlich den Nordpol und damit die Stadt des Weihnachtsmanns erreicht.

Der Text ist bei jeder Doppelseite auf einen Streifen am Seitenrand begrenzt, mal links, mal rechts, je nachdem wie es gerade am besten passte, während die Illustrationen über beide Seiten gehen. Damit stehen die Illustrationen in ihrem fast hyperrealistischen Stil im Vordergrund, die in ihrer Art an die Bilder von Quint Buchholz erinnern. Sie fangen die weihnachtliche und winterliche Atmosphäre des Buches so wundervoll ein, dass man sich in den Illustrationen verlieren will und fast selbst das Gefühl hat, den Schnee unter den Füßen knirschen zu hören, die Hand nach einer Schneeflocke ausstrecken zu können oder den Atem der Wölfe auf der eigenen Haut zu spüren.

Ziehen die Bilder den Betrachter in ihre Welt hinein, so hält der Text einen doch auf Abstand. Er wirkt unpersönlich und so, als wenn man eine Vogelperspektive zur Handlung halten soll, statt emotional mitten drin zu sein. Das mag vielleicht so manchen abschrecken, ich jedoch finde diesen Kontrast zwischen der Wirkung des Textes und der Bilder sehr reizvoll. Gerade das macht das Buch für mich zu einem faszinierenden Kleinod. Bedenkt man die Zeit, in der das Buch entstand (es erschien erstmals 1985 in den USA), weiß man, dass genau dies ein beliebter Stil im Bilderbuch in dieser Era war.

Ich liebe das Buch und vor allem die Geschichte. Vor allem der erste Wunsch des Jungen nach einem der Glöckchen des Schlittens des Weihnachtsmanns finde ich sehr poetisch und auch, dass es für diejenigen nicht erklingt, die nicht mehr an den Weihnachtmann glauben. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber nicht zu wissen, ob das Glöckchen für mich erklingen würde, ist eines der Dinge, die an mir nagen. Auf jeden Fall ist dieses Buch meine diesjährige Weihnachtsempfehlung für alle Zugpapas und –mamas da draußen und für alle die, die im Herzen noch ganz fest an den Weihnachtsmann glauben.

Danke an den Aladin Verlag für das wundervolle Leseexemplar. Wie immer ist diese Rezension nicht davon beeinflusst, dass ich dieses Buch nun mein Eigen nenne. Schäme sich, wer mir das unterstelle!


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