Wenn das Buch in die Wanne fällt …

… tja, dann ist normalerweise das Geschrei groß und das Buch im schlimmsten Fall dahin. Da wird ein erholsamer Abend in der Badewanne plötzlich zum Thriller, Herzrasen inklusive. Doch es gibt einen Verlag da draußen im Buchurwald, der für uns Badewannenleser die perfekte Lösung bereithält – ganz ohne Risiko: Edition Wannenbuch. Der kleine Verlag aus Chemnitz nahm sich vor fast einem Jahrzehnt diesem Problem an und veröffentlicht seitdem wasserfeste Bücher, die sich perfekt in 15 Minuten genießen lassen. Denn, so wissen Kenner, dies ist die empfohlene Badezeit und irgendwann wird ja auch das Wasser zu kalt, sodass man es freiwillig verlässt.

Den Gründer Jens Korch lernte ich vor ein paar Jahren auf der Leipziger Buchmesse kennen, der uns damals mit Buchstudent an den Stand einlud. Seitdem haben wir auf Buchstudent mehrfach über den Verlag und seine Bücher berichtet, nie jedoch, wie wir mit Schrecken feststellen mussten, hier auf RenisBooks. Höchste Zeit also, dass ihr ihn und unseren Lieblingsverlag kennenlernt. Wir haben für euch Jens mit fünfzehn Fragen gelöchert über sich, sein Leseverhalten und natürlich seinen Verlag und seine Bücher. Viel Spass beim Lesen!

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Dieses Foto wurde uns bereitgestellt vom Verlag Edition Wannenbuch

Frage 1: Zuerst ein wenig zu dir: Was bedeuten für dich Bücher?
Ich lese schon immer gern und oft, war als Kind begeisterter Bibliotheksgänger und habe viele Bücher gleich mehrfach verschlungen, etwa “Käuzchenkuhle”. Das war ein richtiger Jugendkrimi damals und hochspannend, ich hab ihn geliebt. Mit Sprache und Worten wollte ich dann später auch selbst umgehen, habe erst in der Schülerzeitung mitgearbeitet und dann in der Unizeitschrift, bevor ich bei einer Tageszeitung als Redakteur angefangen habe. Heute wird zwar leider der Stapel der ungelesenen Bücher immer höher, aber ich freue mich über jedes einzelne Werk, was da liegt. Und auch aus beruflicher Sicht dreht sich ja alles um Bücher im Verlag, insofern gehören sie zum Alltag ganz unbedingt dazu

Frage 2: Und wie bist du zum Lesen gekommen?
Wie erwähnt schon sehr früh. Es wurde zuhause gern vorgelesen und auch sonst gab es immer und überall Bücher.

Frage 3: Kannst du uns einen kleinen Abriss deines Werdegangs geben? Warum bist du Journalist geworden? Was fasziniert dich an diesem Beruf noch nach all den Jahren?
Nach dem Abitur und der erwähnten Schülerzeitung (sie hieß übrigens “Geisteskrümel”) habe ich ein Praktikum beim Lokalfernsehen gemacht und danach bei der lokalen Tageszeitung angefragt, ob ich etwas schreiben kann. Weil mir das Spaß gemacht hat, habe ich neben dem Studium (Betriebswirtschaft) immer weiter aktuelle Artikel geschrieben und nach dem Diplom ein Volontariat bei der Zeitung angefangen. Danach bekam ich eine Festanstellung und habe viele Jahre als Tageszeitungsredakteur gearbeitet. Der eigene Verlag entstand quasi aus einer Schnapsidee und nahm irgendwann so viel Zeit ein, dass es nicht mehr nach der eigentlichen Tagesarbeit zu schaffen war. Also habe ich den Zeitungsjournalismus beendet und mich auf die Edition Wannenbuch konzentriert. Trotzdem finde ich das journalistische Arbeiten nach wie vor sehr spannend und schreibe auch immer noch selbst – und bin regelmäßig als Reporter für ein Reisemagazin in aller Welt unterwegs.

Frage 4: Welches Buch hast du zuletzt gelesen, dass du am liebsten jedem empfehlen willst?
Zwei Titel, die ich aktuell lese:

  • GRM. Brainfuck von Sibylle Berg – ich habe die Schriftstellerin auf der Buchmesse in Wien getroffen, allen Mut zusammengenommen und um ein gemeinsames Selfie gefragt.
  • Tel Aviv: Food. People. Stories. Das Reisekochbuch von Neni verbindet Geschichten und Bilder aus Tel Aviv mit ganz tollen Rezepten der Köchin und ihrer Söhne. Macht Lust auf Israel und auf gutes Essen.

Frage 5: Genug drumrum geredet, jetzt geht’s um euren Verlag. Was war für dich ausschlaggebend, einen Verlag zu gründen und selbst Bücher zu machen?
Zunächst mal war da immer schon der Wunsch, etwas Eigenes und etwas Kreatives zu machen. Und eigentlich war es dann ja auch nur so eine Schnapsidee …

Frage 6: Warum gerade habt ihr euch für Wannenbücher entschieden?
Die Idee kam im Urlaub mit Freunden in der Toskana. Es war richtig heiß und die mitgereisten kleinen Kinder saßen im kühlen Pool – und hatten dort Babybadebücher. Die sind wasserfest – und die schwitzenden Erwachsenen draußen dachten: Warum gibt es eigentlich keine Möglichkeit, dass wir auch im Pool etwas lesen können? Und das war schon die Geburtsstunde der Edition Wannenbuch. Mit einer Kollegin und Freundin haben wir die Idee durchdacht und recherchiert. Und fanden heraus: Für Erwachsene gibt es solche wasserfeste Literatur tatsächlich noch nicht. Also: Machen wir es selbst. Es hat dann noch bestimmt zwei Jahre gedauert, bis wir eine Druckerei und Autoren gefunden hatten. Und dann gab es die beiden ersten wasserfesten Wannenbücher: einen Krimi und einen Liebesroman. War ein aufregender Moment, als wir die ersten Exemplare in der Hand hielten.

Frage 7: Wie entsteht ein Wannenbuch? Wie lange dauert es von der Idee bis zum fertigen Buch und welche Etappen durchläuft ein Buch dabei bei euch im Verlag?
Meist steht die Idee zuerst im Raum: Welches Thema eignet sich für das nächste Wannenbuch? Vielleicht ein Ratgeber? Vielleicht etwas Lustiges? Oder doch ein Krimi? Dann wird der passende Autor gesucht, die Geschichte entsteht und wird lektoriert, das Cover gestaltet, tagelang am knackigen Titel gearbeitet. Dann geht die Layoutdatei in die Druckerei – und irgendwann liegt steht dann endlich die Palette voller Kisten mit dem neuen Titel vor der Verlagstür. Noch bevor die Neuerscheinungen da sind, legen wir mit der Vermarktung los, schreiben Zeitungen an, schicken Rezensionsexemplare an Blogger.

Frage 8: Nach welchen Kriterien sucht ihr Geschichten und Autoren aus?
Die meisten Ideen kommen tatsächlich von unseren Lesern. Auf den Buchmessen oder über unsere Social-Media-Kanäle kommen wir immer wieder mit Wannenbuch-Fans in Kontakt, die konkret nach bestimmten Themen fragen: Habt ihr nicht mal etwas für Science-Fiction-Fans? Wann macht ihr mal ein Kochbuch für die Badewanne (kein Witz, wird oft gefragt)? Gibt es irgendwas mit Fußball? Wir sammeln und überlegen dann: Passt das zu uns? Würde jemand tatsächlich so etwas in der Wanne lesen wollen? Falls ja, wird der passende Autor angesprochen. Der muss kurz und knapp schreiben können, denn die Wannenbücher sind recht kurz – Lesefutter für maximal 15 Minuten. Bevor das Badewasser kalt ist, soll das Buch beendet sein. Viele Autoren schreiben lieber ganz lang. Und ich glaube, es ist wirklich nicht einfach, so kurz und prägnant in einer Geschichte alles Wichtige unterzubekommen.

Frage 9: Welchen Fehler hast du am Anfang mit dem Verlag begangen, aus dem du aber am meisten gelernt hast?
Das war sicherlich nicht nur ein Fehler, sondern eine ganze Menge davon … Zum Beispiel fällt mir unser erster Messebesuch ein. Wir hatten (für viel Geld) einen Stand auf einer Geschenkemesse in München gebucht und sind mit einer Kiste voller Bücher hingefahren. Dort erwartete uns ein 3 x 3 Meter großer leerer Raum mit weißen Wänden – sonst nichts. Es sah richtig schrecklich aus und wir haben mit doppelseitigem Klebeband die Bücher einfach an die Wand geklebt, damit wenigstens etwas Farbe ins Spiel kommt. So unvorbereitet würde ich heute keine Buchmesse mehr besuchen, da geht es schon ein halbes Jahr vorher mit Ideen los. Von der Einladung der Buchhändler bis zur Deko, Beschriftung, Drucken und Aufklebern und Licht für den Stand bis zu Werbegeschenken, Katalogen und so weiter …

Frage 10: Was ist ein typischer Tag bei Edition Wannenbuch?
Jeder Tag ist anders. Grundgedanke der Verlagsarbeit ist aber stets: nach neuen Ideen suchen, um neue Leser für unsere Wannenbücher zu finden. Das ist ein komplexes Werk, fängt bei Pressearbeit an, bei Kooperationen mit anderen Verlagen, Website, Unternehmen. Wir stehen in engem und ständigem Kontakt mit vielen Bloggern, Autoren, anderen Verlagen. Wir melden uns bei Buchhändler und stellen unsere Titel vor, organisieren Veranstaltungen, schlagen uns aber auch mit Dingen wir Buchhaltung, Versand, Aufräumen im Lager herum … Es wird nicht langweilig!

Frage 11: Was für Pläne und Ideen hast du noch für Wannenbuch?
Ganz viele. Das Gute ist: Praktisch jedes Thema und Genre eignet sich, um auch als Wannenbuch veröffentlicht zu werden. Vielleicht kommt ja mal ein Sauna-Wannenbuch (der Sauna-Gang dauert 15 Minuten, das passt genau zur Länge des Buches). Vielleicht findet sich dafür ein Sauna-Experte, der auch als Autor etwas erzählen kann. Oder vielleicht lesen die Leute in der Sauna lieber Witze? (Und das am liebsten laut vor.) Wäre ein schönes Projekt für ein neues Wannenbuch also. Eben erschienen und ein langer Wunsch von mir gewesen ist das erste Horoskop für die Wanne. Es heißt “Sternzeichen: Badeente” und ist richtig witzig.

Frage 12: Was ist dein schönstes Erlebnis mit Edition Wannenbuch?
Ein ganz besonderes Highlight (unter vielen schönen Erlebnissen vor allem auf den Messen) war der Sieg beim Nonbook-Publikumspreis der Frankfurter Buchmesse. Wir waren für unser Entspannungs-Wannenbuch “Buddhas baden besser” nominiert und haben all unsere Fans mobilisiert mit abzustimmen. Es gab eine große Preisverleihung in Frankfurt – und ich freue mich heute noch sehr, dass das geklappt hat.

Frage 13: Was ist euer Topseller?
Der Sieg beim Nonbook-Award hat unser wasserfestes Büchlein “Buddhas baden besser” richtig gepusht, deswegen ist es eines der meistverkauften Titel. Noch besser laufen “Sonnengruß im Badeschaum” (Yogaübungen für die Wanne) und “Goethe erotisch: Der Klassiker ganz frivol für die Wanne”, gefolgt von eigentlich all unseren Krimis im Sortiment. Krimis gehen überhaupt immer sehr gut.

Frage 14: Was ist dein Lieblingsbuch aus eurem Programm und warum?
Jedes! Denn in jedem steckt viel Herzblut drin und ein langer Weg bis zur Fertigstellung. Ich könnte also keines extra hervorheben.

Frage 15: Last but not least wird es natürlich noch einmal weihnachtlich:  Was war dein bestes und was das furchtbarste Weihnachtsgeschenk, dass du entweder selbst verschenkt oder geschenkt bekommen hast?
Etwas richtig Furchtbares fällt mir gleich gar nichts ein. Zumindest hat sich niemals jemand beschwert, sollte er eines von mir bekommen haben. In der Familie unter den Erwachsenen gibt es übrigens bei uns seit Jahren den Appell vor Weihnachten: “Wir schenken uns nichts.” Das wird selbstverständlich nie eingehalten und es gibt dann noch immer etwas. Die schönsten Sachen sind dann immer die Selbstgemachten – ob Marmelade oder Kekse.

 

Wer jetzt noch mehr über den Verlag Edition Wannenbuch wissen will, oder aber noch schnell das passende Weihnachtgeschenk für Papa, Mama, Oma und Co. sucht, dem sei die Verlagsseite wärmstens ans Herz gelegt. Es gibt übrigens auch Badeboxen, die mit allerlei Dingen gefüllt sind, die man für einen gemütlichen Abend in der Badewanne benötigt. Reinschauen lohnt sich!

Wir danken Jens Korch ganz herzlich für die Beantwortung unserer Fragen und freuen uns auf die neuen Wannenbücher 2020.

Ich wünsche euch allen einen schönen Nikolaus.

Alles Liebe,
Eure Reni


2 Gedanken zu “Wenn das Buch in die Wanne fällt …

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