Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch

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Autor:
Michael Ende

Darum geht’s:
Böse Taten, eine auslaufende Frist, zwei verzweifelte Verwandte, ein geteiltes Rezept und zwei tierische Spione, die das Schlimmste verhindern müssen, bevor die Silvesterglocken läuten.

Meine Meinung:
Kennt ihr noch diese Zeichentrickserie des Wunschpunsches (bitte sagt einfach ja, damit ich mich nicht so alt fühle)? Damit begann für mich alles in der Kindheit. Gefühlt kannte ich jede Folge auswendig und an den Tag, an dem ich das Buch in der Bibliothek entdeckte, kann ich mich noch heute erinnern. An das Glücksgefühl darüber gestolpert zu sein und an das Kribbeln im Bauch, als die Bibliothekarin es gescannt und dann über den Tresen auf mich zuschob als Geste dafür, dass ich es mit nach Hause nehmen durfte. Dieses Buch wurde zu der Geschichte, die ich am häufigsten aus der Bibliothek als Kind auslieh, doch selbst nie besaß (außer in meinem Herzen – sorry der musste sein). Doch als ich später ein Buch von Michael Ende für mein eigenes Bücherregal kaufte, zog Momo bei mir ein, anstatt dieses, denn (und das ist wieder der typische Coverkäufer in mir) das Cover war mir immer zu bildhaft und irgendwie so gar nicht mein Geschmack.

Doch dann entschied sich der Thienemann Verlag, zum zwanzigjährigem Jubiläum diesem Kinderbuchklassiker aus der Feder von Michael Ende ein neues Cover zu verleihen und als ich es in der Vorschau entdeckte, konnte ich nicht anders als ein Rezensionsexemplar anzufragen. Ich liebe die stilisierte und grafische Aufmachung und die Reduzierung der Farbgebung auf diese drei Farben. Vor allem das Spiel mit der Typografie des Titels ist dabei für mich ein besonderes Highlight und erinnert gleichzeitig an die alte Ausgabe, auch wenn sich die Typografien unterscheiden.

Die Illustrationen im Inneren sind gleich geblieben und immer noch ein absoluter Hingucker. Sie erhalten die Nostalgie für die Fans von damals aufrecht, die mit ihnen groß wurden. Ebenso erhalten geblieben ist die Illustration des Büchernörglers, die allerdings nur noch für Kenner und die Älteren unter uns eine tiefere Ebene bereit hält.

Die Geschichte selbst ist unverändert und doch in keinster Weise altbacken. Das ist eines der Talente von Michael Ende: Obwohl alle seine Bücher älter sind als ich, fühlen sie sich so zeitlos an und gleichzeitig hochaktuell. Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch (ihr glaubt gar nicht, wie stolz ich als Kind darauf war, diesen Titel fehlerfrei herunterzitieren zu können) ist da keine Ausnahme. Ich erwähnte ja bereits, dass ich das Buch als Kind regelmäßig verschlungen habe und doch hatte ich dieses Mal das Gefühl, es zum ersten Mal richtig zu verstehen und wahrzunehmen. Als Kind fand ich das Buch einfach nur lustig und fieberte mit Jakob und Maurizio mit, wenn sie versuchten, noch rechtzeitig die Pläne von Beelzebub Irrwitzer und seiner Tante Tyrannja Vamperl zu durchkreuzen. Es war einfach nur eine Gut gegen Böse Geschichte für mich; die wahre Thematik des Buches habe ich damals noch nicht wahrgenommen.

Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch handelt von der Verschmutzung der Umwelt, die Vernichtung von Arten (Tiere und Pflanzen) und die vollkommene Ignoranz der Folgen unsererseits. Nur um es am Rande noch einmal zu erwähnen, das Buch erschien erstmals 1989. Eigentlich sollte dieses Kinderbuch nicht mehr relevant und aktuell sein, eigentlich sollten wir es nur noch als Klassiker genießen wollen, vor allem nach zwanzig Jahren. Doch das, was Ende schon damals anprangerte, nämlich unsere Ignoranz gegenüber unserer Fehler, hat uns davor bewahrt, Schritte gegen die Umweltverschmutzung einzuleiten, die noch rechtzeitig etwas verändert hätten. Stattdessen müssen jetzt Schüler auf dieses Problem aufmerksam machen durch ihr Fernbleiben vom Unterricht, damit die Dringlichkeit dieses Themas endlich bei den Politikern und anderen wichtigen Persönlichkeiten, die an der Situation maßgeblich etwas ändern können, ankommt (Macht weiter so! Ihr seid großartig!). Wie in Michael Endes Buch obliegt es den eigentlich unterlegenen und „schwachen“ Personen (ob Kater und Rabe im Namen der Tiere oder Kinder im Namen der Menschheit), für eine bessere Zukunft zu kämpfen, wo es doch eigentlich unser aller Aufgabe sein sollte, dies umzusetzen.

Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch ist wunderschön und sehr witzig, aber auch mitfühlend und mahnend, ohne den Zeigefinger offensichtlich zu schwenken, geschrieben. Als Leser folgen wir sowohl Beelzebub Irrwitzers als auch Jakobs und Maurizios Erzählperspektive (und der von Maledictus Made am Ende – ich liebe den Namen dieser Figur, ihr nicht auch?) und sind somit immer auf dem neusten Stand der Geschehnisse. Ich liebe die Perspektive von Irrwitzer, weil es so leicht fällt, ihn sympathisch zu finden und die Motive hinter seiner Handlung zu verstehen. Bald befindet man sich allerdings in einem internen Zwiespalt mit sich selbst zwischen Mitleid für den Zauberer, Verteufelung seiner Taten, die Hinterfragung der eigenen Moral und den Anschuldigungen des eigenen Gewissens, das all die Momente aufzählt, in denen man selbst nicht an die Umwelt gedacht hat (Vorsicht also, vorm Lesen dieses Buches!). Ein besonders geniales Element des Spannungsaufbaus finde ich die Kapitelüberschriften, die eigentlich nur aus Uhren bestehen, die die Uhrzeit anzeigen. Schnell erwischte ich mich dabei, bei jeder Uhr die Zeit bis Mitternacht auszurechnen und zu bangen, ob der Kater Maurizio und der Rabe Jakob es noch rechtzeitig schaffen würden (auch wenn ich eigentlich die Antwort kannte – aber dennoch), wo es beiden doch alles andere als gut ging und die Steine, die ihnen der Autor in den Weg legte, oft unüberwindbar schienen.

Ich kann euch dieses Buch nicht nur wärmstens als Lesetipp empfehlen, sondern auch als Geschenktipp für jedes Kind in eurem Verwandten- und Bekanntenkreis und alle, die im Herzen jung geblieben sind und sich von Kinderbüchern nicht abschrecken lassen. Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch ist noch immer so aktuell wie vor zwanzig Jahren und mit dem neuen Cover auch wieder in unserer Zeit und ihrer Ästhetik angekommen.
Danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar – ihr habt mir eine riesige Freude damit bereitet!


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