Feminists don’t wear pink

45af8530-82fb-4755-b4a0-7e2e8656ad39

Herausgeberin:
Scarlett Curtis

Darum geht’s:
Feminismus und was dieser Begriff und die damit verbundene Bewegung für verschiedene bekannte und bedeutende Persönlichkeiten bedeutet.

Meine Meinung:
Ich kann euch gar nicht mehr genau sagen, wie lange dieses Buch bereits auf meiner Wunschliste stand, ich es aber immer wieder vor mich hin schob, es mir zu holen. Mittlerweile erschien das Buch schon in Deutsch (Dt.: The Future is Female, Goldmann Verlag) und noch immer befand es sich noch auf meiner Wunschliste. Und dann begab ich mich auf Buchhandlungstour mit Anna, die gerade zu Besuch in Stuttgart war, und im Osiander stand es im Regal … ich glaube ja ein wenig daran, dass Bücher einen im richtigen Moment finden und diese Begegnung war eindeutig ein Wink mit dem Zaunpfahl. So ergab ich mich also und das Buch durfte endlich mit zu mir nach Hause.

In diesem Buch sammelte Scarlett Curtis fünfzig Aufsätze verschiedener Frauen über deren Assoziation mit dem Wort Feminismus und der Bewegung dahinter. Zu den Autorinnen zählen Aktivistinnen, Schauspielerinnen, Poetinnen, Sängerinnen und viele mehr. Unterteilt sind die verschiedenen Texte dabei in sieben Kategorien von Epiphanie über Wut und Freude, getrennt durch eine Poetry Break, zu Handeln und Weiterbilden. Der abschließende Beitrag ist eine Literaturliste von Emma Watson, die mit ihrem Buchclub mittlerweile eine weltweite Followerschaft unterhält. Im Folgenden will ich euch meine Lieblingstexte vorstellen, die mich besonders berührt haben oder mir besonders gefielen und natürlich warum.
Übrigens: Ich zähle die Texte der Reihe nach auf, wie sie im Buch veröffentlicht wurden, denn ich mag und will die Texte nicht in eine Rangfolge bringen und einen besser als den anderen herausstellen. Sie sind alle gut und haben mich alle berührt und genau deshalb möchte ich sie noch einmal mehr hervorheben.

1. Cat Woman von Evanna Lynch

Evanna Lynch, die viele von uns als Luna Lovegood kennen und lieben, schreibt über feministische Vorbilder, periodenschluckende Unterhosen während Vorstellungsgesprächen, den Austausch zwischen Katzenladys, ihren Podcast Chickpeeps und vor allem die Frage, ob man als Feministin klug UND schön UND feminin sein kann. Dabei berichtet sie von ihren Erfahrungen als Außenseiterin, ihre Essstörung und ihre Probleme, sich selbst so zu akzeptieren, wie sie ist. Ihr Beitrag ist klug geschrieben, persönlich und gleichzeitig witzig, so wie man Evanna von ihrem Podcast (oder Besuchen bei Leaky Cauldron) oder aber Interviews kennt.

Ich glaube, ich mag ihren Beitrag nicht nur, weil ich einen Girlcrush auf Evanna habe, sondern auch, weil ich mich in einigen Stellen ihres Beitrags wieder erkenne. Die Situationen, die sie beschreibt, haben viele von uns auch erlebt und doch reden wir nur selten darüber, weil wir uns irgendwie dafür schämen. Doch ihr Beitrag gibt Mut, den Mund aufzumachen und die eigenen Momente zu teilen. Psychische Störungen sollten kein Tabuthema sein, Andersartigkeit kein Grund, sich ausgeschlossen fühlen zu müssen. Und erst recht sollten wir offen über unsere Perioden sprechen können, denn schließlich haben 50% der Menschen diese jeden Monat. Nur weil Männer sie nicht bekommen und die meisten von ihnen das irgendwie ekelig finden, heißt das noch lange nicht, dass wir uns dafür schämen müssen.

2. My Feminism von Alison Sudol

Alison Sudol ist bekannt als Sängerin (A Fine Frenzy) und Schauspielerin (zb. für ihre Rolle als Queenie Goldstein). In ihrem Beitrag für dieses Buch schreibt sie über ihr Ringen mit sich und den Erwartungen der Öffentlichkeit, die der Begriff Feministin mit sich bringt, wenn man sich einmal mit ihm labelt. Darüber, dass manche Menschen gleich rot sehen, wenn sie den Begriff Feminismus hören und Vorurteile dazu haben, wie eine Feministin zu sein hat (BH-hassend, Männer-hassend, wütend, unkontrollierbar …). Sie stellt die Frage, wie wir eine feministische Bewegung kreieren können, in der niemand ausgeschlossen wird, in der jeder gehört wird. Und sie klagt an, dass es nicht sein kann, das manche Feministinnen angeklagt werden, nicht genug feministisch engagiert zu sein (sie nennt vor allem Greta Gerwig und Margaret Atwood) und fragt gleichzeitig, wie sie jemals Feministin genug sein soll, wenn Frauen, die sie bewundert, schon in dieser Weise heruntergemacht werden. Am Ende zählt sie all die Dinge auf, für die es sich ihrer Meinung nach lohnt, aufzustehen und zu kämpfen. Denn, so sagt sie, wir werden nicht als jemand geboren, der andere wegen ihrer Andersartigkeit ausgrenzt. Nein, wir erziehen unsere Kinder dazu, genau dies zu tun, ob zuhause oder über die Medien, denen sie ausgeliefert sind. Und genau daran muss sich etwas ändern.

So wie sie sich fühlt, geht es auch mir oft. Oft glaube ich, mich gar nicht als Feministin bezeichnen zu dürfen, weil ich mich nicht so viel engagiere, wie all die Protagonistinnen über die ich lese oder die ich in Filmen und Serien sehe. Ich rede mir ein schlechtes Gewissen ein, dass ich zu passiv bin. Und ich glaube, vielen von uns geht es auch so. Alisons Text hat mich aber daran erinnert, dass wir alle unseren eigenen Weg finden müssen, etwas zur Bewegung beizutragen. Ich schreibe über feministische Bücher und fürs Erste ist dies mein Anteil.

3. A Brief History of my Womanhood von Charlie Craggs

Charlie Craggs, Trans-Aktivistin und Autorin, berichtet in ihrem Beitrag zu diesem Buch von den verschiedenen Momenten in ihrem Leben, in denen sie merkte, dass das Geschlecht, mit dem sie geboren wurde, nicht das ist, dem sie sich zugehörig fühlt. Sie berichtet von Mobbing, lebensrettenden Fernsehsendungen (in ihrem Fall RuPaul’s Drag Race), Depressionen und Selbsthass und dem langen Weg zur Geschlechtsumwandlung.

Charlies Beitrag ist der Einzige, der mich so sehr berührte, dass ich nach ihren drei Seiten schluchzend auf dem Sofa saß und erst einmal eine Pause benötigte. Ich finde es traurig, wie viele Steine diese Menschen in den Weg gelegt bekommen, bis sie das sein dürfen, was sie doch schon immer sind, wenn auch nicht äußerlich. Noch immer weiß ich nur wenig über Trans-Menschen und ihr Leben, doch Charlies Text machte mich neugierig, mehr Literatur auch in diese Richtung zu suchen und zu lesen (wenn ihr Empfehlungen habt, nur her damit!).

4. Tell Him von Jameela Jamil

Die Schauspielerin und Aktivistin Jameela Jamil schreibt in ihrem Beitrag darüber, dass nicht nur Mädchen zu Feministinnen erzogen werden sollten, sondern auch Jungs. Wir als Mütter, Tanten, Schwestern, Lehrerinnen, Großmütter, Freundinnen, was auch immer … haben die Verantwortung, dass die Jungs, die heute und in Zukunft erzogen werden, nicht ebenso mit den Rollenklischees und dem vergangenen Denken aufwachsen, wie die Generationen vor ihnen. Es liegt an uns, ihnen beizubringen, was Feminismus ist, wie auch Frauen die Geschichte beeinflussten. Es liegt an uns, ihnen zu versichern, dass man auch als Junge Gefühle zeigen darf und nicht immer „ein Mann sein muss“. Und vor allem liegt es an uns, sie über die Gleichheit der Geschlechter aufzuklären, über LGTBQ und über Sex (und nicht Pornos).

Diese Seite wird oft vergessen, wenn in der Öffentlichkeit (nicht von Feministen) über Feminismus gesprochen wird. Auch Jungs dürfen immer noch nicht sein, wer sie sind, denn ein Mann im Patriarchat hat noch immer der Ernährer seiner Familie zu sein, hart, erfolgreich, stark und unumstößlich in seinen Prinzipien. Wer sich diesen Bullshit ausgedacht hat … Mich macht das einfach so wütend. Wie können wir einerseits Mädchen dazu erziehen, dass alles möglich für sie ist und gleichzeitig Jungs noch immer mit den gleichen Rollenklischees belasten. Auch das ist ein Thema, dass sich einfach ändern muss – am besten schleunigst, damit sowas wie Trump, Johnson und Co. gar nicht mehr an die Macht kommen kann.

5. They say feminists don’t wear pink von Trisha Shetty

Trisha Shettys (Aktivistin) kurzer Beitrag zu diesem Buch ist ein Aufruf dazu, Vorurteile zu ignorieren und sich auf die Gründe zu besinnen, aus denen wir Feministinnen sind und für die wir seit über zwei Jahrhunderten kämpfen. Es gibt im Feminismus keine Definition, wie seine Kämpferinnen und Kämpfer auszusehen oder zu sein haben. Diese werden uns von Außenstehenden auferlegt und von Menschen, die die Bewegung fürchten (und uns Frauen), nicht aber vom Feminismus selbst.

Ähnlich wie Alison Sudols Beitrag nimmt Trisha das Thema auf, dass noch viele sich von der Bewegung ausgeschlossen fühlen, weil sie sich durch die öffentliche Definition von Feministinnen ausgeschlossen fühlen. Doch eigentlich sind wir alle Feministen, wenn wir die folgenden drei Fragen mit Ja beantworten:

  1. Glaubst du an gleiche Rechte für Frauen und Männer?
  2. Sollten Frauen das Recht haben, arbeiten zu gehen?
  3. Glaubst du, dass Frauen und Männer die gleichen intellektuellen Fähigkeiten besitzen?

6. The Weaker Sex von Keira Knightley

Keira Knightleys wundervoller Text ist ihrer Tochter gewidmet. Er prangert an, wie man Frauen als schwächeres Geschlecht bezeichnen kann, wenn wir doch Kinder auf die Welt bringen, Mütter sind und gleichzeitig arbeiten gehen. Sie berichtet von der Geburt ihrer Tochter, von der Perversität, Kate Middleton sieben Stunden nach der Geburt ihres Kindes herausgeputzt zu präsentieren, als wäre die Geburt einfach nur ein Maniküretermin, und von den ersten Wochen gemeinsam mit ihrer Tochter. Sie schreibt über ihre eigene Geburt und ihre Mutter, die sie in ihrer eigenen Küche gebar. Und sie erzählt davon, wie stolz sie auf ihre arbeitende Mutter war und das sie für ihre Tochter ein ebenso großes Vorbild sein möchte. Sie berichtet, wie Männer an Filmsets sie anmachen, mit ihr flirten, sie kleinreden, sie heruntermachen, weil sie NUR eine Frau ist, nur hübsches Beiwerk.

Nicht nur die Rollen, die Keira seit Jahren als Schauspielerin verkörpert, auch ihr Beitrag für dieses Buch ist inspirierend und stark. Ihr Text ist ehrlich und mutig und wundervoll.  Es ist pervers, Frauen immer nur auf ihr perfektes Äußeres zu reduzieren und davon auszugehen, mit uns stimme etwas nicht, wenn wir mal nicht herausgeputzt und hübsch sind. Es ist pervers, dass es immer noch so etwas wie Trophy-Frauen als Statussymbole gibt, pervers, dass das Fremdgehen mit der jungen, hübschen Sekretärin immer noch ein absolut gängiges Klischee ist. Und es ist pervers zu denken, dass, nur weil wir Frauen und Mütter sind, nicht auch genauso hart arbeiten können, wie Männer. Doch statt uns mit der Doppelbelastung zu unterstützen, wird uns eher ans Herz gelegt, doch nur Hausfrau und Mutter zu sein, denn schließlich wären wir ja dafür geboren. So ein Bullshit; sorry, aber ist doch wahr.

7. Baker-Miller Pink von Scarlett Curtis

Wusstet ihr, dass es einen Pinkton gibt, der so konstruiert wurde, dass er beruhigend und aggressionsreduzierend auf das menschliche Gehirn wirkt? Ich auch nicht, aber genau darüber schreibt Scarlett Curtis in einem ihrer Beiträge zu ihrer Sammlung feministischer Texte. Sie gibt einen kurzen Abriss zu den Studien Dr. Alexander Schauss, der 1985 die psychologischen und physiologischen Reaktionen auf die Farbe Pink erforschte.  Im zweiten Teil dieses Beitrags erläutert sie, was Patriarchismus eigentlich bedeutet und welche Auswirkung er auf Stereotypen und die feministische Bewegung hat.

Ich fand diesen Beitrag vor allem deshalb gut, weil er zeigte, dass Pink gar keine schwache Farbe ist, sondern durchaus sehr mächtig sein kann, und doch sehr unterschätzt wird. Lange Zeit wollte ich mich selbst nicht mit dieser Farbe identifizieren, hatte sogar Phasen in meiner Jugend, in der ich diese Farbe regelrecht ablehnte, weil sie für Stereotypen stand, denen ich nicht zugehören wollte. Weder war ich groß, noch schlank, noch hatte ich lange blonde Haare, noch interessierte ich mich für Make-Up und Mode oder mein Aussehen. Genau diese Art von Mädchen hatten in meiner Jugend gefühlt diese Farbe für sich gepachtet und sahen in den Filmen, in Büchern oder aber in der Schule auf Mädchen wie mich (Bücherwürmer, durchschnittlich, schüchtern) herab. Kein Wunder also, dass die Farbe für mich damals nicht zu meiner Farbpalette gehörte.

Heute jedoch habe ich mit ihr Frieden geschlossen, denn ich lasse mir nicht mehr von Stereotypen vorschreiben, was ich gut finde oder nicht (jedenfalls nicht bewusst). Ich hinterfrage mehr, seit ich mich als Feministin bezeichne und mache mir mehr Gedanken, ob ich manche Dinge tue, weil es so von mir erwartet wird, oder weil ich es selbst so will. Und ich mag die Farbe Pink – zwar nicht bei meiner Kleidung, denn die Farbe steht mir so gar nicht, aber bei Accessoires, Büchern oder was auch immer (allerdings mag ich babyrosa immer noch nicht). Nicht umsonst ist mein Blog seit über einem Jahr Pink, denn ich liebe es, wie die feministische Bewegung sich diese Farbe vom Patriarchat zurückerobert und ihr die Macht über die Definition unserer Weiblichkeit (und die Entmachtung unserer Fähigkeiten – vor allem von nicht-weiblichen Hobbys, Berufen usw.) genommen hat.

Damit wären wir am Ende meiner Top-List. Dieses Buch bietet noch viel mehr tolle Beiträge von vielen tollen und bewundernswerten Frauen, die alle entdeckt werden wollen. Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen und freue mich jetzt auf das nächste Buchprojekt von Scarlett Curtis, das ebenfalls nicht mehr lang auf sich warten lässt und ein babyblaues Cover haben wird (It’s Not okay to feel blue – erscheint am 03. Oktober 2019).


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s