Warum wir mehr feministische Bücher lesen sollten …

Vor etwa eineinhalb Jahren habe ich Moxie von Jennifer Mathieu gelesen, dass Buch, das mich zum ersten Mal erkennen ließ, was ich bin: eine Feministin. Vorher hatte ich mich kaum mit diesem Wort identifiziert, denn ich lebte in meiner Heile-Welt-Blase und nahm kaum wahr, dass unterschiedliche Geschlechter unterschiedlich in unserer Gesellschaft behandelt werden. Natürlich gab es in meinem eigenen Leben immer wieder Momente, in denen mir diese Dinge auffielen, doch dachte ich immer, das ist halt so, da kann man nichts dran ändern. Außerdem fühlte ich mich relativ gleichberechtigt. Ich konnte zur Schule gehen, studieren, arbeiten. Meine Mutter hat mich und meine Schwester zu Frauen erzogen, die ihre Meinung sagen. Meine Großmütter sind beide starke Frauen, meine Tante eine Superheldin der Bücher. Meine Schwester behauptet sich jeden Tag in einer Männerdomäne, meine Cousinen sind taff und selbstbewusst, meine besten Freundinnen sind stark, intelligent und wundervoll.

Dann las ich Moxie. Ich weiß noch, wie sehr ich mich beim Lesen aufgeregt habe, wie wütend ich war, wie aufgebracht und doch gleichzeitig stolz auf die Hauptcharakterin und ihren Kampf gegen die Mädchen-diskriminierenden Regeln an ihrer Schule. Und plötzlich fühlte ich mich, als wenn ich aus einem tiefen Dornröschenschlaf erwacht war. Plötzlich sah ich all die Ungleichheiten, sah die patriarchischen Muster, die uns einschränkten und merkte doch auch, wie wenig ich über die Frauenbewegung und den Feminismus wusste. Bis dahin hatte ich die #MeToo Kampagne nur am Rande wahrgenommen, hatte Bücher wie Good Night Stories for Rebel Girls zwar toll gefunden, nicht aber ihre Wichtigkeit für unsere Gesellschaft realisiert. 27 Jahre Unwissenheit wogen plötzlich ziemlich schwer auf meinen Schultern und ich fühlte mich dämlich und naiv. Wie konnte mir all dies entgehen, wie konnte ich so meine Augen vor der Realität verschließen?

Von diesem Moment an begann ich, mir andere Bücher zu suchen, die den Feminismus behandelten. Ich griff nach Romanen wie Holly Bournes Spinster-Club-Reihe, nach Büchern von Louise O’Neill oder auch Margaret Atwood, suchte mir Sachbücher und andere Non-Fiction Bücher wie von Caitlin Moran und Chimamanda Ngozi Adichie, und las die Gedichtbände von Rupi Kaur und Amanda Lovelace. Mit jedem Buch wächst mein Hunger nach Wissen, wächst mein Verständnis für diese Bewegung und lerne ich vor allem etwas über mich selbst. Und mit jedem Buch bin ich stolzer auf die Frauen, die mich geformt haben, die Frauen, die für unsere Rechte kämpften, und die unter ihnen, die unser aller Leben veränderten, auch wenn wir nur die wenigsten mit Namen kennen. Die Umgestaltung meines Blogs war der erste Schritt dahin, diese Bewegung auf meine Art zu unterstützen und den Büchern, die mich wachgerüttelt haben, eine weitere Plattform zu bieten.

Eine Sache ist mir besonders in den letzten Monaten aufgefallen: Seit ich diese Bücher begann zu lesen, bin ich selbstbewusster und trete mehr für das ein, was ich möchte und woran ich glaube. Noch immer bin ich schüchtern und es fällt mir schwer, auf andere zuzugehen, doch wenn ich etwas nicht richtig oder ungerecht finde, mache ich heute eher den Mund auf als vor zwei Jahren. Im Hinterkopf habe ich all die Frauen, die vor mir gekämpft haben, all die Frauen (und Buchcharaktere), die die Dinge nicht einfach nur ertragen haben, sondern sich gegen die Ungerechtigkeiten auflehnten. Das macht mich mutiger und lässt mich Sachen hinterfragen, die ich vorher einfach runtergeschluckt hätte oder ignoriert.

Der Beitrag heute war ein Wunsch einer meiner Freundinnen und Leserinnen meines Blogs (ihr seht, ihr könnt euch auch mal ein Thema wünschen, über das ich hier schreiben soll). Sie bat mich, eine Liste mit den feministischen Büchern zu erstellen, die ich für den Einstieg in den Feminismus empfehlen würde. Diese Liste folgt gleich, aber erst möchte ich darauf hinweisen, dass meine Liste natürlich vollkommen subjektiv ist. Ich kann nur für mich sprechen und weiß auch, dass viele andere Frauen und Menschen anders mit diesem Thema in Kontakt kamen. Jeder und jede hat seinen/ihren eigenen Weg. Wichtig ist am Ende nur, dass wir gemeinsam für eine bessere Zukunft kämpfen, eine Zukunft, in der jeder Mensch gleichberechtigt ist, unabhängig seines Geschlechts, seiner Rasse, seiner Religion und was auch immer uns sonst noch auseinander treiben könnte (ausgenommen Rassisten, Rechtsextremisten, Pädophile und andere Menschen, die anderen Schaden zufügen, sie unterdrücken oder Gewalt gegenüber Unschuldigen ausüben – für solche Menschen habe ich kein Verständnis).
Ich wünsche mir eine Zukunft, in der jeder die gleichen Chancen hat, jeder ein Recht auf Bildung (und ihre Schulkarriere nicht aufgeben muss, weil sie die Menstruation bekommt und sich keine Hygieneartikel wie Cups, Tampons, Binden, etc. leisten kann),  und auf gleiche Arbeitschancen (und gleiche Bezahlung) hat, jeder das gleiche Recht hat auf Entfaltung seiner Persönlichkeit und das Recht darauf, das eigene Geschlecht auszuleben und zu lieben, wen man will (solange beide ihre Zustimmung dazu geben). Wie viel besser wäre eine solche Zukunft und mit wie viel mehr Brain-Power könnten wir dann all unsere anderen Probleme angehen, die sonst noch so anstehen (Klimaschutz, Bekämpfung von Armut, etc.).

Aber nun die Liste der feministischen Bücher, die ich bisher gelesen habe und empfehle:

Sachbücher/Non-Fiction:

  • Mehr Feminismus! und Liebe Ijeawele … von Chimamanda Ngozi Adichie
  • How To Be a Woman von Caitlin Moran (ich liebe ihr Buch!!!)
  • Good Night Stories for Rebel Girls von E. Favilli und F. Cavallo
  • Schamlos von A. Bile, S.N. Srour und N. Herz
  • Feminists don’t wear Pink herausgebracht von Scarlett Curtis (großartig!!)
  • A Single Woman von Silvia Follmann
  • How to be a Girl von Julia Korbik

Poetry:

  • milk and honey von Rupi Kaur
  • the princess saves herself in this one von Amanda Lovelace

Romane:

 

Noch mehr Bücher, die sich unter die feministischen Bücher auf meinem Blog aufreihen, findet ihr übrigens hier. Außerdem freue ich mich über eure Empfehlungen in den Kommentaren und vielleicht auch eure Gedanken zum Thema Feminismus. Identifiziert ihr euch als Feministen? Wie seit ihr dazu gekommen? Was bedeutet die Bewegung für euch?

 

Habt eine wundervolle Woche, genießt eure Ferien oder euren Urlaub, wenn ihr gerade frei habt oder haltet im Büro (oder wo sonst) tapfer die Stellung (wie auch wir). Genießt das Wetter und lest viele Bücher!

 

Alles Liebe,
Eure Reni

 

 


8 Gedanken zu “Warum wir mehr feministische Bücher lesen sollten …

  1. Danke, Danke, Danke! Genau der Beitrag, den ich mir gewünscht und auf den ich mich schon sehr gefreut habe. Auf deine Empfehlung hin hab ich das Buch „A single woman“ von Silvia Follmann jetzt durch und sitze wieder in dem Vacuum, dass ein augenöffnendes Buch hinterlässt. Damit kommt deine Liste genau richtig, weil ich mehr zum Thema lesen möchte und so viel mehr darüber lernen möchte, was es eigentlich bedeutet in unserer heutigen Gesellschaft eine Frau zu sein. Super Beitrag und ich freue mich schon auf mehr dieser Art.
    Xx Anna

    Gefällt 1 Person

  2. Unbedingt, ihr jungen Frauen, weitermachen. Es ist nicht aller Tage Abend, das kann Hoffnung machen, aber auch berechtigte Angst, denn schaut hinaus in die Welt, über den Rand der sogenannten westlichen Welt hinaus, auf andere Kontinente, ach was, nach z.B. Süd- und Osteuropa oder Alabama, ach was, zu euren Nachbarn, insbesondere wenn sie glauben, religiös geprägte (völlig egal, welcher Religion sie angehören: in dieser Sache waren sich die (fast immer männlichen) Propheten verblüffend einig! Und die bei uns wichtigsten Religionen kommen ja alle aus einer einzigen Ecke, die zur Zeit ihrer Gründung erzpatriarchalisch war) Regeln von anno dazumal eins zu eins in der heutigen Zeit umsetzen zu müssen. Unbedingt, denn was haben denn die letzten Reformen gebracht? Ich forderte meine Töchter auf, gegen die der angelsächsisch dominierten Hochschulreform geschuldeten Neuregelungen zu protestieren, aber sie machen und machten lieber brav ihren MASTER! Nicht Miss, Mistress, Ma’m oder Lady of Science. Ja wo kommen wir denn da hin, wenn die Jugend nicht mehr erkennt, wo wörtlich Rückschritte passieren? Dass ein Herr Handwerksmeister in Deutschland ein solcher ist, das hat Tradition, das geht ins Mittelalter zurück. Aber das Gleiche neu einzuführen?
    Nein, das ist nicht vergleichbar mit manchen schlimmen eingebürgerten Unsitten und Gesetzen. Aber es stört mich, dass es keine(n) zu stören scheint.

    Gefällt 1 Person

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