Let’s talk genres …

Letzte Woche haben sich in meiner Stammbuchhandlung zwei junge Mädchen über Genres gestritten. Während eine der beiden der festen Überzeugung war, das Lesen ja nur Spaß mache, wenn man in fantastische Welten abtauchen könne (denn nur da lägen die einzig wahren Abenteuer), rollte ihre Freundin darüber die Augen und argumentierte, dass nichts über Gänsehautmomente im Krimi- oder Thrillergenre geht, denn das wirkliche Abenteuer verstecke sich hinter der Maske der Realität. Ich lauschte ihrer Diskussion mehrere Minuten und war fasziniert, wir leidenschaftlich beide ihre Lieblingsgenres verteidigten und keinerlei Kritik zuließen. Jedem Argument folgte ein Gegenargument, jeder Einwand der einen von der anderen leidenschaftlich abgewehrt. Am Ende fragte ich mich jedoch selbst, ob unsere Lieblingsgenres nicht Schubladen sind, in die wir uns bereitwillig einsortieren und nur widerwillig wieder verlassen. Engen wir uns mit ihnen ein und versperren uns damit die Chance auf andere Abenteuer?

Ich gebe es ehrlich zu, ich bin nicht nur ein Coverkäufer, ich bin vor allem ein Genreleser. In der Buchhandlung verlasse ich nur selten meine Lieblingsabteilungen, fühle mich dort sicher und weiß, dass ich zu neuzig Prozent genau in ihnen ein Buch finden werde. Buchhandlungen können mit ihrer Auswahl überwältigend sein und schnell fühlt man sich wie ein Kind im Süsswarenladen, dass zwischen all den verschiedenen Sorten nur eine Süssigkeit mitnehmen darf. Die wenigsten von uns gehen jedes Regal bei jedem Besuch ab, denn je größer die Auswahl, desto schwerer fällt es, sich zu entscheiden. Unsere Lieblingsabteilungen, und damit auch deren Genres, werden  zu unseren sicheren Hafen, von denen wir an guten Tagen vielleicht in See stechen, um in anderen Abteilungen nach Schätzen zu suchen. Doch immer werden wir in unserem Hafen anfangen oder ihm einen Besuch abstatten.

Aber ich schweife ab. Was also hat dies mit Genres zu tun? Nun ja, meine Theorie ist, dass Genres uns das gleiche Sicherheitsgefühl vermitteln. Irgendwann wissen wir, wie die Bücher eines Genres gestrickt sind, kennen die typischen Plots und ahnen unterbewusst, wie es ausgehen wird. In Krimis wird der Mörder geschnappt, in Liebesgeschichten bekommt sich das Pärchen am Ende, in Science Fiction oder Fantasy wird mal eben wieder die Welt gerettet. So bleiben wir bei den uns gewohnten Genres und verlassen, je älter wir werden, seltener unsere Genre-Komfortzone.

Die Frage ist also: Sind wir bereit, dass Risiko einzugehen, unsere Komfortzone zu verlassen? Die Gefahr, bei einem Buch zu landen, das nicht unserem Geschmack entspricht ist groß, doch noch größer ist die Chance, etwas Gutes zu entdecken. Denn selbst in unseren Lieblingsgenres greifen wir ab und an nach Flops, das gehört dazu. Aus diesem Grund sollten wir uns davon nicht abschrecken lassen bei der Schatzsuche in anderen Gewässern, denn nur so können wir unseren Horizont erweitern. Und genau dafür gibt es ja schließlich Leseproben, oder aber Sitzgelegenheiten in Buchhandlungen. Sie bieten uns die Möglichkeit, uns einzulesen und zu schauen, ob uns der Schreibstil gefällt und das Thema des Buches zusagt. Und manchmal sollten wir auch Freunden vertrauen, die uns ein Buch empfehlen. Sie kennen uns manchmal besser als wir uns selbst und wissen, was uns gefällt. Am Ende ist es eine Frage des Vertrauens: Vertrauen darin, dass ein neues Genre das Risiko Wert ist, Vertrauen in unsere Freunde und Vertrauen darauf, dass ein neues Abenteuer außerhalb unserer Komfortzone es Wert sein kann.

Vielleicht hätten die Freundinnen sich die Meinung der anderen anhören sollen, anstatt sie sofort abzuweisen. Denn vielleicht hätten beide im jeweiligen Lieblingsgenre der anderen etwas gefunden, das ihnen gefällt und dabei eine Seite der anderen entdeckt, die ihre Freundschaft vertieft.

Nun aber die Frage an euch: Welche Genres sind eure sicheren Hafen und welches Buch habt ihr durch eine Abenteuerreise außerhalb der gewohnten Gewässer entdeckt, von dem ihr nicht dachtet, dass es euch gefallen würde?

 

Ich wünsche euch eine tolle Woche!

Alles Liebe,
Eure Reni


7 Gedanken zu “Let’s talk genres …

  1. Ich meine zu behaupten, dass ich kein festes Genre habe, wobei die Mehrheit meiner Bücher sicherlich bei Fantasy einzuordnen sind. Gezielt laufe ich auch immer im Buchläden zu den Ecken „Fantasy, SciFy und Jugend“, aber auf dem Weg dorthin schaue ich mir auch gerne die Bücher an, die sozusagen am Wegesrand liegen. So haben sich auch Comedy Bücher, Biografien oder Krimis bei mir ins Regal geschlichen. Einzig mit deutschen Krimis kann ich gar nichts anfangen (bisher zumindest) und auch die meisten Historischen Bücher sind nichts für mich (außer es geht um „Hexen“).

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  2. Moin Reni!
    Die Frage ist nicht nur, ob wir so Risikobereit sind, unsere eigene Komfortzone zu verlassen? Vielmehr stellt sich – wie in Deinem Beispiel mit den beiden Freudinnen – die Frage, sind wir so tolerant genug und können die Meinung unseres Gegenübers einfach so stehen lassen ohne in Kritik und Bevormundung zu verfallen? Spannend…!
    Gruß
    Andreas

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  3. Hallo Andreas,
    das stimmt, diese Frage schließt sich daran an. Und ich glaube, gerade bei Themen die uns sehr am Herzen liegen, ist es heutzutage besonders schwer, tolerant zu sein und des anderen Meinung zu akzeptieren, denn Kritik zu über oder etwas abzulehnen ist einfacher. Wir verlernen immer mehr, richtig zuzuhören, doch darunter leidet auch unser Miteinander. Deswegen können wir nur selbst an uns arbeiten und immer wieder in Toleranz üben und das Risiko eingehen um unsere Komfortzone zu verlassen. Das mag bei Genres anfangen, sollte aber keinesfalls dort enden.
    Hab eine tolle Woche!
    LG Reni

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  4. Mir geht es genau wie dir. Bei mir im Regal sammeln sich vor allem Contemporary YA, Sci-Fi, Fantasy, Kinder- und Bilderbücher, einige Schnulzen und ein paar Klassiker. Mir fällt es immer schwer, meine Komfortzone zu verlassen. Aber in letzter Zeit versuche ich vor allem bei Themen, die mich interessieren, gezielt nach Büchern zu suchen, die meinen Wissenshunger darin stillen. Das dauert länger und ist um einiges teurer, als schnell mal eine Online-Recherche zu machen, aber am Ende bringt es irgendwie mehr und ist befriedigender. Und ich bin gezwungen, meinen Horizont und meine „eroberten Gewässer“ zu erweitern 😉
    Ich wünsche dir eine gute Woche!
    LG Reni

    Gefällt 1 Person

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