Ente, Tod und Tulpe

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Autor:
Wolf Erlbruch

Darum geht’s:
Eine Ente, den Tod und eine Tulpe.

Meine Meinung:
Vor ein paar Jahren lief in der Sendung mit der Maus am Totensonntag ein Kurzfilm, in dem der Tod sehr philosophisch mit dieser Geschichte behandelt wurde. Als ich später mein erstes Praktikum am Theater machte, inszenierte man im Puppentheater dieses Stück. Erst hier erfuhr ich, dass die Geschichte auf einem Bilderbuch basiert. Ein paar Jahre später stolperte ich dann in Leipzig über das Bilderbuch und fügte es meiner wachsenden Bilderbuchsammlung hinzu. Mittlerweile gehört Ente, Tod und Tulpe neben Der Bär und das Wörterglitzern zu meinen liebsten Schätzen in meiner Sammlung.

Die Geschichte handelt von einer Ente, die eines Tages den Tod hinter sich entdeckt. Verständlicherweise ein wenig erschrocken fragt sie, ob es an der Zeit ist, doch der Tod versichert ihr, dass dies noch nicht der Fall sei. Tatsächlich begleitet er sie schon ihr ganzes Leben, nur für den Fall. Die Ente will ihn von da an wieder ignorieren, doch sie ist neugierig und gesprächig. So stellt sie dem Tod all die Fragen, die ihr unter den Federn brennen und nach und nach werden die beiden Freunde.

Die Illustrationen des Buches sind schlicht gehalten. Ente, Tod und die Tulpe sind Bleistiftzeichnungen, mit Buntstiften koloriert, während Elemente wie der Teich oder Baum und Pflanzen collagenartig hinzugefügt wurden. Der Hintergrund ist stets weiß und lässt damit die beiden Protagonisten fokussierter im Vordergrund stehen.

Ich liebe die Idee, dass wir unser Leben lang von unserem eigenen Tod begleitet werden, er aber keine Bedrohung ist. Das Leben selbst erledigt schon den Rest, er ist nur da, uns auf unserem allerletzten Weg zu begleiten. Diese Idee vertritt übrigens auch Philip Pullman in seiner His Dark Materials Trilogie (die gerade um ein paar weitere Bücher ergänzt wird, beispielsweise Über den großen Fluss). Auch hier begegnen Lyra und Will ihrem Tod und erfahren, dass er schon immer an ihrer Seite stand, auch wenn sie ihn nicht sehen konnten. So makaber dieser Gedanke am Anfang scheint, irgendwie ist er auch beruhigend. In der letzten Minute unseres Lebens sind wir nicht allein.

In seiner Einfachheit und reduzierten Gestaltung ist dieses Buch ein kleines Meisterwerk in sich, das im Kunstmann Verlag erstmals 2010 erschien. Wenn ihr mich fragt, gehört dieses kleine, feine Bilderbuch in jedes Bücherregal, egal wie alt man ist.


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