Bücher kaufen … aber wo?

Reni ist auf dem Weg nach Hause. Der Tag war lang, auf der Arbeit gab es mal wieder kaum eine ruhige Minute. Um noch ein bisschen Bewegung zu bekommen, nimmt sie den Umweg über die Innenstadt und läuft noch ein paar Meter. Sie genießt die Sonne, weicht den anderen Passanten aus und lässt die Geschäfte links liegen. Erst am Wochenende war sie mit ihrer Mitbewohnerin shoppen und hat das Nötigste besorgt. Auch der Kühlschrank ist voll und das Katzenfutter für die nächste Woche eingelagert. Sie kann ihren Spaziergang genießen, ohne im Kopf noch irgendwelche offenen Besorgungen durchzugehen, um diese nicht zu vergessen.
Auf dem letzten Drittel der Strecke, strategisch gut platziert, läuft sie an einer Buchhandlung vorbei. Ein Sog ergreift plötzlich Besitz von Reni und zwei unsichtbare Hände ziehen sie durch die Eingangstüren des sagenumwobenen Bücherdepots. Schon manch ein Büchersüchtiger soll in den heiligen Hallen seinen Jahresbonus zurückgelassen haben, andere gar in den Fluten der Seiten untergegangen sein. Sie alle opferten ihre Seelen den geschriebenen Worten, die millionenfach in den Bücherregalen aufgereiht  nur auf die nächste verlorene Seele warten. Einmal da, denkt sich Reni, kann man sich auch umschauen und prüfen, ob neue Bücher in den liebgewonnenen Regalen ihrer Lieblingsabteilung eingezogen sind. Eine Stunde später verlässt sie die Buchhandlung und ist zufrieden. Unter ihrem Arm baumelt ein Beutel mit fünf neuen Büchern, die sich in einer halben Stunde zu ihren TBRs gesellen werden. Nur den sechzig Euro, die gerade ungeplant von ihrem Bankkonto gewandert sind, trauert sie ein wenig nach. Aber naja, dann wird eben diesen Monat wieder nur Nudeln gegessen. Man muss ja auch Prioritäten im Leben setzen …
Beschwingt setzt sie ihren Weg nach Hause fort. Zum Glück muss sie nichts anderes mehr besorgen, hat nun alles, was sie braucht, wenn auch nicht geplant. Jetzt nur noch zur S-Bahn und dann … oh, eine Buchhandlung …

Buchhandlungen sind fies. Nicht nur, bieten sie viel zu viele schöne Bücher an, sie rüsten auch ständig auf, sodass einem bei jedem Besuch etwas Neues geboten werden kann. Das ist doch nicht normal. Denken die nicht an uns arme Bücherwürmer? Wir verdienen nicht so viel Geld, dass wir alle paar Tage neue Bücher kaufen können. Und wo soll man die Bücher denn überall hinstellen. Mittlerweile stapele ich meine TBRs, weil der Schrank nicht breit genug gebaut ist. Und mit dem Lesen kommt man auch nicht hinterher, weil die Verlage ständig neue Bücher veröffentlichen.
Und doch: Wir lieben sie. Buchhandlungen sind neben Bibliotheken die Bewahrer von Wissen und Wundern, von Geschichten so bunt wie das Leben (und bunter). Sie sind magische Orte, an denen die Zeit stehen bleibt und wir erst beim Bezahlen verwundert aufblicken und verwirrt den Weg der Zeiger betrachten. So spät schon, mögen wir denken. Doch ein Blick auf unsere Beute lässt unser Herz beruhigt weiter schlagen. Die verlorene Zeit ist gut investiert, das verlorene Geld kann an anderer Stelle eingespart werden.

Auf diese Art landen leider die meisten meiner Bücher in meinem Bücherregal. Spontan, ungeplant und das Budget für andere Dinge reduzierend. Aber was wäre die Alternative? Diese armen, obdachlosen Bücher weinend in den Regalen der Buchhandlungen zurückzulassen? Wo sie den ganzen Tag angefasst, durchgeblättert und dann doch wieder zurückgestellt werden. Wo andere Bücher immer nur ignoriert werden, weil irgendein Bestseller neben ihnen steht. Sorry, aber das kann ich nicht. Außerdem gibt es dann noch die Bücher, die dir drohen, den ganzen Laden zusammen zu schreien, wenn du sie nicht mit nimmst. Mit denen, will ich mir es erst recht nicht verscherzen.

Hinzu kommt, dass ich aus einer Familie stamme, die Bücher nicht als Luxusgut betrachtet, sondern als Alltagsnotwendigkeit. Seit ich denken kann, sind sie meine Begleiter, meine Zimmergenossen und Verbündete, wenn es darum ging, das Einschlafen so weit wie möglich hinauszuschieben. Ihre Geschichten brachten mich zum Lachen, rührten mich zu Tränen, jagten mir Angst ein oder trösteten mich. Viele von ihnen prägten meine Kindheit und sind noch heute Gefährten, mit denen ich immer wieder meinen Weg teile.
Meine Großmutter, und später meine Tante, besaßen eine Buchhandlung (die leider letztes Jahr schließen musste) und diese gehörte meine ganze Kindheit und Jugend zu meinen absoluten Lieblingsplätzen. Von klein auf lernte ich, dass Buchhandlungen nicht nur Hüter von Geschichten und Wissen sind, hinter ihnen verbirgt sich oft auch eine Person oder Familie, die ihre Liebe zu Büchern mit ihren Kunden teilt. 

Aber ich bin vom Thema abgeschweift, denn die Frage dieses Beitrags lautet ja eigentlich, wo ich Bücher kaufe und nicht, warum ich Buchhandlungen so liebe.

Bücher, die mich interessieren, sei es aus Vorschauen der Verlage, von Empfehlungen auf Blogs oder Insta oder aber auf Messen und bei Trips in Buchhandlungen (wenn ich mir nicht sicher bin, ob das Buch heute schon mit mir nach Hause darf), landen auf meiner Merkliste. Davon habe ich zwei: eine Anwärterliste für die Merkliste und eine Kaufwunschliste (Büchernerd zu sein ist nicht leicht, glaubt mir).
Die Anwärterliste führe ich in Insta. Hier sammle ich Bücher, in deren Cover ich mich verliebt habe, oder die von anderen Bookstagrammern besonders häufig beworben werden und mein Interesse geweckt haben. Wenn es sich dabei nicht um ein Buch handelt, das ich sofort haben muss, bleiben diese Bücher oft mehrere Wochen (manchmal auch Monate) auf dieser Liste. Hier wird vorsortiert und geschaut, ob ich mich noch nach ein paar Tagen für das Buch interessiere. Wenn ja, dann landet das Buch auf meiner Kaufwunschliste, die ich derzeitig in der App von Osiander führe. Vorher nutzte ich die Merkliste bei Hugendubel, doch kann man diese immer noch nicht über eine App abrufen und in den Browser zu gehen, mich dort anzumelden und dann auch noch die Merkliste zu öffnen, sind mir oft zu viele Schritte. Da, das gebe ich ganz ehrlich zu, bin ich einfach zu faul für.

Mit dieser Liste geht es also entweder in die Buchhandlung, oder, wenn es sich um einen Sonntag oder Feiertag handelt (oder ich gerade den ersten Teil beendet habe und weiß, dass meine Stammbuchhandlung das Buch nicht vorrätig hat), bestelle ich die Bücher gleich online von der Merkliste. Neben den Buchmessen sind das meine beiden Hauptbezugswege für Bücher: Buchhandlung oder Webseite der Buchhandlung.

In Vorbereitung auf diesen Beitrag habe ich mir auch überlegt, wann ich das letzte Mal bei Amazon ein Buch bestellt habe. Die Antwort: im Studium. Tatsächlich habe ich bisher nur Lehrbücher und Fachbücher fürs Studium bei Amazon erworben und obwohl ich ab und an die Seite dieses Großhändlers zu Rat ziehe und Preise vergleiche, kaufe ich dann doch am Ende beim Buchhändler. Meist schrecken mich die Versandkosten bei Amazon ab, die in der Summe dann oft doch den originalen Buchpreis erreichen. Bei Resellern wie Medimops hingegen finde ich oft nicht alle Bücher, die auf meiner Liste stehen. Ein Einkauf hier lohnt sich aber auch nur, wenn man mehrere Bücher gleichzeitig bestellt, denn sonst rechnen sich die Versandkosten nicht.
Hinzu kommt das schlechte Gewissen. Nicht nur meine Familiengeschichte, auch mein Wissen aus dem Studium um Buchhandelsrabatte (von denen die Buchhändler leben) und Kosten der Verlage, die gedeckt werden müssen, machen es mir schwer, bei Amazon und Co. zu bestellen. Wenn ich ein Second Hand Buch kaufe, verdient der Verlag und damit auch der Autor nichts mehr an mir. Da ich zu meinen Bekannten einige Autoren und Verleger zähle, und auch im Studium Verlagskalkulationen mehr als einmal rechnen musste, weiß ich, was am Ende für alle Beteiligten übrig bleibt – und das ist nicht viel. Aus diesem Grund schmälere ich lieber mein Budget und kaufe die Bücher zum Originalpreis, auch wenn das vielleicht bedeutet, ein paar Wochen nur von Nudeln zu leben oder weniger Bücher zu kaufen (ehm ja, das eher nicht … da esse ich lieber noch mehr Wochen nur Nudeln).

 

Wie ist das bei euch? Wo kauft ihr Bücher? Habt ihr bei manchen Bezugswegen vielleicht auch ein schlechtes Gewissen? Führt ihr Wunschlisten? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.

 

Ich wünsche euch eine schöne Woche!

Alles Liebe,
Reni

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3 Gedanken zu “Bücher kaufen … aber wo?

  1. Ich musste beim lesen sehr schmunzeln. Das mit den Buchläden kenne ich zu gut und wenn ich es doch mal ohne gekauftes Buch rausschaffe fühle ich mich so schlecht 😅
    Kaufe tue ich tatsächlich sowohl spontan im Buchladen, als auch via Amazon (gerade weil der Versand ja Kostenlos ist). Medimops liebe ich aber auch… ich kann deinen Einwand sehr gut verstehen und bestelle äußerst selten dort, aber gerade bei meiner Liebe für Festbänder greife ich gerne auf Medimops zurück. Es ist einfach praktischer für mich online zu kaufen. In meiner Umgebung gibt es nur 1 bis 2 kleine Buchläden und jedes Mal wenn ich da schmökern war, habe ich leider nichts für mich gefunden, da die Besitzer ihre eigene spezielle Auswahl haben.

    Möchte aber wieder öfter in Buchläden stöbern. Habe beschlossen meinen Hintern öfter hoch zu bekommen und in die Innenstadt zu fahren.. wird nur mein Konto nicht so toll finden xD

    Gefällt 1 Person

  2. Hi,
    Ja, wenn die Auswahl in der Buchhandlung bescheiden ist, macht auch das Stöbern nicht Spaß. Aber dafür gibt es ja immer noch die Alternative online 🙂
    Da ich tatsächlich mehr Taschenbücher lese, bin ich mit den Versandkosten schnell bei der gleichen Summe, aber bei Hardcovern rechnen sich Amazon und Co. auf jeden Fall.

    Kleiner Tipp: Ab und an lässt sich das Bankkonto ja auch austricksen. Heb einfach vorher Geld ab und beschränke darauf dein Budget. Dann kannst du es erstens nicht überziehen, und zweitens wird die Buchhandlung nicht auf dem Kontoauszug gelistet. Manchmal hilft das gegen das schlechte Gewissen …. aber nur manchmal 😉

    Ich wünsche dir eine tolle Woche.
    LG Reni

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo Reni 😀

    Dein Beitrag ist ja super süß und hat mich öfter zum Schmunzeln gebracht ❤

    Mh, nun, tatsächlich muss ich sagen, ich kaufe sowohl in der Buchhandlung (wir haben 2 im Ort, die aber meistens nicht das vorrätig haben, was ich lese) und bei Amazon (Indieliebhaber), aber auch auf Verlagsseiten selbst oder auch mal bei Medimops oder Arvelle (Mängelexemplaren gebe ich super gerne ein liebevolles Zuhause).
    Ehrlich gesagt: meistens kauf ich online oder auf Messen, weil… hach, die Buchhandlung hat so typische Öffnungszeiten und ich bin im Schichtdienst und dann ist es rum bei mir ._. Unter Zeitdruck zu stöbern ist doof, allen voran, wenn ich mir zu 95% sicher bin, dass sie das, worauf ich grad Lust habe, gar nicht vorrätig haben.
    Auf der anderen Seite geh ich auch gezielt mal zur Buchhandlung und hau meinen Gutschein auf den Kopf (von einer Freundin bekomm ich immer zum Bday einen Gutschein und der bleibt dann so lange liegen, bis ich genau weiß, was ich will) und dann ist das wieder schön 😀

    Gefällt 1 Person

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