Der Orkfresser

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Autor: 
Christian von Aster

Darum geht’s:
Ein gefallener Autor, der sich, weil er ein paar Orks auf dem Gewissen hat, im schönen Leipzig versteckt und versucht, wieder Freude am Schreiben zu finden.

Meine Meinung:
Bevor ich zu meiner Meinung zu diesem Buch komme, muss ich ein wenig ausholen und euch etwas zum Autor erzählen (und ihr müsst es ertragen, wenn ihr wissen wollt, wie ich dieses Buch fand, denn das ist das Schöne an der Leser-Verfasser-Beziehung ;P). 2015 lernte ich Herrn von Aster auf der LBM kennen, der auf der Leseinsel Fantasy einen Auszug aus seinen Werken preisgab. 2016 war dann ein besonderes Jahr: Kommilitonen und ich gründeten Buchstudent und vernetzten uns mit Kleinverlagen der Phantastikszene auf der LBM16. Dazu gehörte auch der Verlag Schwarze Ritter, für den ich einige Bücher lektorierte, wie ein paar von euch wissen, die meinen Blog noch vor Mai 2018 kennen. Im Juni 2016 luden wir mit Buchstudent zwei Autoren (Boris Koch und Christian von Aster) und den Verleger eben dieses Verlags (Hagen Tronje Grützmacher) zu einem phantastischen Abend in unserer Hochschule ein, um über die Stellung der Phantastik in der Buchbranche zu diskutieren. Aus diesem Abend folgte später ein kleines Buchprojekt mit Herrn von Aster und dem Verlag Schwarze Ritter, welches ich lektorierte (Horrk und Grablakk: Eine Orkgeschichte in sieben Schandtaten – hier gehts zum Verlag). Ein Jahr später, wieder zur Buchmesse, organisierte ich für unsere Campus-Buchhandlung eine Lesung im Rahmen von Leipzig Liest!, dem Lesefest der LBM. Wieder unter anderem zu Gast: Herr von Aster. Mittlerweile gehört er zu den Menschen, denen ich am liebsten auf der Buchmesse begegne und freue mich immer wieder über ein kurzes, inspirierendes Gespräch mit ihm.

Herr von Aster ist einer der großartigsten Geschichtenerzähler, die es gibt (und das ist vielleicht nur ein ganz kleines bisschen übertrieben). Seine tiefe, sonore Stimme könnte Gebrauchsanleitungen für Taschenrechner oder mathematische Gleichungen erläutern und ich würde ihr noch zuhören. Sie zieht einen in den Bann und lässt einen alles andere vergessen. Seine Geschichten dagegen lassen sich mit zwei Worten zusammenfassen: skurril und absolut durchgeknallt (jaja, das sind drei – Mathe ist nicht meine Stärke). Ob sich Brieftauben über Liebesbriefe beschweren, für Osambarische Taschennashörner Spenden gesammelt werden oder eine Elfe das Treiben im Busch nicht ganz nachvollziehen kann, in Asters Wunderland ist alles möglich und nichts zu verrückt.

So, soviel zu Christian von Aster, jetzt zum Buch. Der Orkfresser lag zwei Monate und ein Jahr auf meinem TBR (der Autor möge mir vergeben), seit ich es auf der LBM18 erstand. Da ich bisher jedoch nur Kurzgeschichten des werten Autors konsumiert hatte und oft froh war, wenn diese endlich endeten (nicht weil sie schlecht sind, sondern manchmal in ihrer Crazyness doch ein wenig zu viel), zögerte ich lange, bevor ich sein Buch zur Hand nahm. Zumindest kannte ich es aus einer seiner Lesungen und wusste, dass die Handlung teils in meiner ehemaligen Nachbarschaft in Leipzig spielte. Dies war auch der Grund, warum ich es überhaupt erst erstand.

Die Handlung ist zweigeteilt und wird im ersten Teil immer wieder von Kurzgeschichten unterbrochen, die ich teils schon von Lesungen kannte (wer einmal eine solche erlebt hat, weiß, dass der Autor gerne unveröffentlichte Texte an seinem Publikum ausprobiert). Die Kurzgeschichten im Buch haben alle eins gemeinsam: Sie alle preisen Wissen aus Büchern als den kostbarsten und mächtigsten Schatz. Besonders im Kopf blieb mir auch die Begegnung mit zwei altbekannten Orks aus der ersten Kurzgeschichte, doch auch die Kurzgeschichte rund um eine Kartoffel in Zeiten der Hexenverbrennung gehört zu meinen Favoriten.

Leipzig als Setting war für mich ein weiteres Highlight des Buches, da ich viele Orte aus meiner eigenen Erinnerung kenne, bzw. selbst vier Jahre in der Parallelstraße der „so gefährlichen“ Eisenbahnstraße lebte. Vom Park hinter der Oper, über die Punks am Bahnhof, bis zum Starbucks am Augustusplatz oder das Grassi-Museum – all diese Orte lösten bei mir ein wenig Heimweh nach dem schönen Leipzig aus.

Auch wenn ich das Buch mehrfach zur Seite legte, weil es mir doch an manchen Stellen zu verrückt wurde und ich erstmal einen Schuss Realität benötigte, mochte ich die Handlung wirklich sehr (inklusive all der Momente in denen ich mich wunderte, wie viele Fakten autobiografisch waren und wie viele reine Fiktion). Die Story war spannend, die Charaktere auf ihre ganz spezielle Art doch irgendwie sympathisch. Der Orkfresser ist eine typische Geschichte aus der Feder des Herrn von Aster: skurril, eine großzügige Prise durchgeknallt, gemischt mit Phantastik und imaginären Freunden. Doch die Geschichte hat auch viel Herz und blickt hinter die Fassade von Menschen. Sie zeigt, dass der erste Eindruck manchmal trügt und jeder seine eigene Geschichte mit sich trägt.

Am Ende mag man über den Protagonisten denken, was man möchte, aber eins ist klar: Der typische Held ist er nicht – im Gegenteil. Und dennoch kann ich euch dieses Buch nur wärmstens Empfehlen. Es macht Spaß, lässt euch Orks in einem völlig neuen Licht betrachten und ist vor allem eins: eine gute Geschichte.

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