Dear Evan Hansen (Roman)

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Autor:
Val Emmich mit Steven Levenson, Benj Pasek und Justin Paul

Inhalt:
Ein Brief, ein toter Mitschüler, eine Lüge und mittendrin Evan, der plötzlich ungewollt im Spotlight steht.

Meine Meinung:
Vor ein paar Tagen ging mein Beitrag zu What If It’s Us online und darin habe ich bereits erwähnt, dass ich seit mehreren Wochen nun schon den Musical-Score von Dear Evan Hansen hoch und runter höre. Nun ja … mittlerweile habe ich auch mehrfach das Musical auf YouTube angesehen und besitze den Roman und das Skript. Dass ich mich Hals über Kopf in diese Geschichte verliebt habe, muss ich damit, glaube ich, nicht mehr erwähnen.

Evan ist ein Außenseiter, leidet unter Angststörung und hat nur wenige Menschen, denen er sich anvertrauen kann, genauer gesagt eigentlich nur drei: seine Mom, sein Psychiater und sein „Familienfreund“ Jared. Doch keiner der drei kennt ihn wirklich und weiß, was in seinem Kopf vor sich geht. Auf Anraten seines Psychiaters schreibt er Briefe an sich selbst, um sich an die positiven Momente des Tages zu erinnern. Doch als sein erster Schultag nach den Ferien mehr als in die Hose geht, tippt er einfach nur herunter, wie hoffnungslos und überflüssig und unsichtbar er sich fühlt. Ausgerechnet dieser Brief landet in den falschen Händen: In Connor Murphys, der sich wenige Stunden später das Leben nimmt.

Plötzlich gehen alle davon aus, dass Evan und Connor beste Freunde waren, denn alle denken, Evans Brief sei Connors Abschied, gewidmet an seinen besten Freund. Evan ist gefangen zwischen dem Bedürfnis, allen die Wahrheit zu sagen und den Murphys in ihrem Schmerz zu helfen und so wächst die Last von Tag zu Tag, die er mit sich herumschleppt und drückt ihn immer mehr nieder. Egal wie gut er es meint, die Lüge hängt wie ein böses Omen über ihm.

Ich mochte es, wie ähnlich sich Roman und Musical sind und doch vollkommen eigenständig. Während man viele Sätze eins zu eins im Musical adaptiert findet, werden andere Momente im Buch verschieden dargestellt oder aber weiter ausgebaut. Aber dies ist verständlich, bleiben dem Musical doch nur zweieinhalb Stunden, während das Buch so viel mehr Spielraum hat, die Geschichte zu erzählen. So erhält der „echte“ Connor im Buch mehr Tiefe und wir erfahren mehr über seine Motive und Handlungen, die schlussendlich im Selbstmord endeten. Damit ist er auf eine andere Art real als im Musical, auf einer Art, die auf der Bühne nicht so wirksam gewesen wäre wie im Buch.

Die Geschichte ist vor allem deshalb so toll, weil es keine vollkommen guten oder schlechten Charaktere besitzt; alle machen Fehler und Probleme, alle gehen anders mit diesen um. Doch ich denke, genau darum geht es bei Dear Evan Hansen: Wie lebt man mit einem Fehler und wie viel Mut bedarf es, diesen wieder gut zu machen? Und genau deshalb ist Evan so sympathisch. Er steht nicht im Mittelpunkt und genießt es. Er lügt nicht, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen oder beliebt zu werden. Im Gegenteil: Er will nur helfen und größeres Leid verhindern. Dass er dies nicht ewig aufrecht erhalten kann, weiß er. Doch einen Ausweg zu finden und diesen dann auch zu gehen, ist nicht leicht.

Ich liebe das Buch, das Musical und die Story und ich liebe die Botschaft dahinter. Sie zeigt, wie sehr Social Media Dinge aufbauschen kann und wie schnell einige von uns von Nachrichten emotional gepackt werden und sich nach den fünf Minuten im Ruhm sehnen. Doch die Geschichte handelt auch von den Konsequenzen, davon mit seinen Lügen zu leben oder an ihnen zu zerbrechen.

Dear Evan Hansen ist eine großartige Geschichte mit großartigen Songs, einem tollen Musical und hat absolutes Suchtpotenzial. Schon jetzt kann ich sagen, dass dieses Buch die Nummer eins meiner Leseliste 2019 ist und kann es kaum erwarten, es wieder zur Hand zu nehmen und meine Nase hinein zu stecken. Und wer weiß, vielleicht werde ich es im Winter auch in London auf der Bühne sehen (fingers crossed).

 

 

Update: Dear Evan Hansen erscheint übrigens in der deutschen Ausgabe im Herbst 2019 beim cbj Verlag – wir dürfen also gespannt sein, dieses tolle Buch auch in unserer Sprache lesen zu können,

 

Bücher über psychische Krankheiten:

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