The Belles

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Autorin:
Dhonielle Clayton

Darum geht’s:
Vergängliche Schönheit, Mädchen mit magischen Fähigkeiten, die Position als Favoritin und das gefährliche Leben am royalen Hof.

Meine Meinung:
Seit The Belles letztes Jahr im Amerikanischen erschien, schleiche ich um dieses Buch und überlege, ob ich es lesen soll oder nicht. Lange habe ich gezögert und lange habe ich befürchtet, dass es sich wieder nur um eine Liebesgeschichte unter dem Deckmantel einer Dystopie handelt, in dem der männliche Love-Interest mal wieder wichtiger ist als die Probleme der Gesellschaft und der Kampf dagegen. Auf der Leipziger Buchmesse entdeckte ich die deutsche Ausgabe dann beim Thienemann-Esslinger Verlag, der diese 2019 in seinem Imprint Planet! veröffentlichte, und ich gebe ehrlich zu: Es war das raffinierte, deutsche Cover mit der transparenten Folie, die die darunter liegende Coverart vervollständigte, das mich schlussendlich doch zum Kauf verführte.

Zum Glück haben sich meine Befürchtungen an dieses Buch doch nicht erfüllt. Ja, es gibt einen Love-Interest, der immer wieder dazwischen funkt und nervt. Und ja, er sieht natürlich ganz besonders gut aus, flirtet mit allem, was nicht bei drei auf dem Baum ist und reizt die Hauptfigur natürlich ständig, sodass die beiden eher geneckte Konversationen führen als normale Gespräche. Aber zum Glück lenkt er nur wenig von der Handlung ab und steuert am Ende sogar zu einem relativ guten Plottwist bei. Natürlich gibt es auch noch einen zweiten Love-Interest (wie es eben so in diesen Romanen üblich ist – wann bitte schön passiert sowas im realen Leben?), der sich bisher aber noch im Hintergrund hielt und als solcher noch nicht auftrat. Seine Existenz bemerkt man nur, wenn man mehrere dieser Romane gelesen hat und weiß, wonach man suchen muss.

Ansonsten ist das Buch besser als erwartet. Naive Mädchen, die am Anfang der Handlung nur ein Ziel haben, wachsen an den Steinen, die ihnen in den Weg gelegt werden. Ränke schmieden sich im Hintergrund, in die die Mädchen hineingezogen werden. Die Magie im Buch ist nicht neu, gab es doch auch schon in der Juwelen-Reihe von Amy Ewing arkane Magie, die das Aussehen anderer beeinflussen konnte. Gespannt bin ich nun, wie diese Magie außerhalb ihrer „Bestimmung“ eingesetzt wird und wie die Mädchen den Kampf zur Rettung ihrer Welt angehen werden.

Es gibt natürlich auch Dinge an diesem Buch, die mir sehr gut gefallen haben. Darunter zählt neben dem Setting der Schöpfermythos dieser Welt und der Belles.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Darstellung des Lebens der Frauen in allen verschiedenen Klassen während der Handlung. Von der Dienerin bis zur Königin, das Leben einer jeden wird beleuchtet und auch die negativen Seiten nicht verheimlicht. Ebenso finden sich sehr unterschiedliche Frauentypen im Buch, die alle mehr Schichten zeigen, als man im ersten Moment glaubt zu sehen. So birgt die süße Prinzessin ein ebenso großes Geheimnis wie die strenge Königin und nichts ist, wie es scheint.

Bemängeln muss ich allerdings, dass dieses Buch daherkommt wie ein feministisches Buch, aber keins ist. Dafür sind die Männer zu sehr objektiviert und werden nicht halb so facettenreich dargestellt (Ausnahme bilden die beiden Love-Interests, aber auch bloß, damit sie attraktiv wirken) wie die Frauen.
Im Sinne der Gleichberechtigung der Geschlechter, wofür der Feminismus ja kämpft, kann sich dieses Buch nicht einreihen in die Liste feministischer Literatur. Vielleicht ändert sich das noch in den nächsten zwei Teilen, zumindest würde ich mir dies wünschen.

Zusammengefasst ist dieses Buch ein gelungener erster Band einer interessanten Dystopie. Wie die Reihe ausgehen wird und damit das endgültige Urteil lautet, müssen wir noch abwarten, aber allein schon der Fakt, dass ich die 494 Seiten an einem Stück und einem Tag verschlungen haben, ist zumindest für mich ein Zeichen, dass es sich lohnt, dem Buch eine Chance zu geben. Drücken wir einfach die Daumen, dass die Qualität sich von Band zu Band steigert und diese Reihe nicht zu denen gehört, bei denen man spürt, dass die Autorin am Ende keine Lust mehr hatte.

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