Geekerella

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Darum geht’s:

Elle ist ein Geek-Girl und totaler Fan der galaktischen Serie Starfield. Sie kennt jede der 54 Episoden auswendig, lebt nach den Idealen der Crew der Prospero und kennt keinen größeren Helden als Föderations-Prinz Carmindor. So oft sie kann, postet sie auf ihrem Blog Rebelgunner über die Serie. Das neue Reboot als Film bietet ihr allerlei Content für ihre Beiträge, denn das Produktionsteam besetzt Darien Freeman als Prinz Carmindor – einen Möchtegern-Schönling aus der Lieblings-Schmalz-Serie ihrer Stiefschwestern. Eindeutig die schlechteste Wahl für ihren Lieblingscharakter.
Als ein Fernsehsender einen Cosplay-Wettbewerb für Starfield-Fans ausruft, deren erster Preis nicht nur Kinotickets für die Premiere des Films und Karten für den Maskenball der ExcelsiCon sind, sondern auch $500, hat Elle nur ein Ziel: Sie will gewinnen und mit dem Geld endlich ihrer Stiefmutter und Stiefschwestern entkommen, die ihr das Leben zur Hölle machen. Doch wird sie gewinnen und vor allem, wird sie auf der Convention den geheimnisvollen Fremden treffen, mit dem sie heimlich schreibt?

 

Bechdel-Test:

Kriterium eins: Mehr als zwei weibliche Figuren mit Namen – Check
Kriterium zwei: Weibliche Figuren unterhalten sich – Check
Kriterium drei: Unterhalten sich über etwas anderes als Jungs – Check

Dieses Buch besteht nicht nur den Bechdel-Test, die weiblichen Figuren sind auch nicht nur Tropes, sondern komplexe, sich echt anfühlende Figuren mit eigenen Wünschen und Problemen. Natürlich kommen die Nebenfiguren ein wenig kurz (vor allem Sage, die echt genial ist), doch werden wenigstens in Nebensätzen deren Hintergrundgeschichten erwähnt. Dazu kommt die selbstbewusste Bad-Ass-Haltung von Sage und Elles Geekyness, ebenso wie eine großartige Rechtfertigung Elles gegenüber einem Idioten auf dem Maskenball, der meint, Mädchen können keine echten Starfield-Fans sein, schließlich stehen sie nur auf den Schauspieler.

 

Meine Meinung:

Dieses Buch war eine Instagram-Entdeckung, auf die ich seit März gewartet habe. Damals hatte ich es im Buchladen meines Vertrauens in Leipzig bestellt, doch alle paar Wochen immer nur die Nachricht erhalten, dass die Lieferung sich wieder verzögert habe. Im August, kurz vor meinem Umzug, ließ ich die Bestellung stornieren, da es immer noch nicht geliefert worden war. Hier in Stuttgart startete ich einen zweiten Versuch und, oh Wunder, schon am nächsten Tag war es plötzlich da. Warum auch immer ich so lange auf das Buch habe warten müssen, den Kauf bereut, habe ich nicht.

Das Buch beendete ich in nur einem Tag, konnte es nicht aus der Hand legen und war verständlicher Weise am nächsten Morgen total müde auf Arbeit. Wer auch immer sagt, Lesen sei kein richtiges Hobby und wir würden keine Opfer bringen, der hat erstens, noch nie die Bibliothek eines Bücherwurms in Geldwert umgerechnet und zweitens, noch nie eine Nacht durchgemacht, weil er ein Buch unbedingt beenden musste … erst recht nicht mehrere hintereinander. Nun ja, jedenfalls war dieses Buch eine schöne Abwechslung für zwischendurch und schon fast mit einem Rom-Com-Film zu vergleichen, so leicht ließ es sich konsumieren.
Ich mochte in Elle (die mit vollem Namen Danielle heißt – Anspielung auf Auf Immer Und Ewig?) die Kombination aus Fangirl, Bloggerin, Cosplayerin, aber auch dem Mädchen, dass ihre Ängste meistert und für ihre Träume kämpft. All dies machte sie zu einer unglaublich tollen Hauptfigur, mit der ich mich leicht identifizieren konnte.
Der männliche Gegenpart Darien, dessen Erzählperspektive sich mit Elle’s abwechselt, wurde zum Glück nicht als Prince Charming inszeniert, auch wenn er auf seine Fans so wirken mag. Er kämpft mit seinen eigenen Fanboy-Erwartungen an den Film und seine Rolle, einem Stalker und einem Manager, der nicht das zu sein scheint, was er vorgibt. Als Leser begleitet man ihn ans Set von Starfield und wirft einen Blick hinter das scheinbar so glamouröse Filmleben. Und dann ist da noch die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren, die durch einen Zufall miteinander per SMS in Kontakt kommen. Aus Freundschaft entwickelt sich zwischen den beiden mehr, ohne dass sie jedoch wissen, wer der andere eigentlich ist. Die Enthüllung am Ende ist natürlich klischeehaft, so wie man es bei einer Neuerzählung von Cinderella erwartet.
Meine absolute Lieblingsfigur ist Sage, die nicht nur knallgrüne Haare und einen ganz eigenen, coolen Look hat, sondern auch mit Ella im Pumpkin arbeitet. Ella benötigt ein paar Kapitel, um mit Sage warm zu werden, doch dann zeigt sich Sage als eine der besten Freundinnen, die man sich wünschen kann – Bad-Ass und allzeit bereit für jegliche Dummheit, solange diese einem höheren Ziel dienen. Außerdem ist sie eine von zwei Queer-Charakteren, was nicht an die große Glocke gehängt und nicht mit Klischees belastet wird, sondern sich harmonisch in die Geschichte einfügt.
Ein weiteres Highlight im Buch für mich war die Hintergrundgeschichte von Elles Eltern. Nicht nur will man unbedingt ihren Dad als Vater haben, auch die Liebesgeschichte ihrer Mom und ihres Dads ist einfach zuckersüß und taschentuchreif.

Neben all den positiven Sachen, die ich über dieses Buch zu sagen habe, haben mich einige auch gestört. Zum einen sind doch einige Klischees der typischen Cinderella-Story-Remakes bedient worden, sodass sich das Buch an manchen Stellen nur wie ein weiteres Mash-Up all dieser Filme und Storys las. Zum anderen mochte ich den krampfhaften Versuch der Autorin nicht, den Stiefschwestern und der Stiefmutter ein hippes Hobby bzw. einen modernen, aber völlig sinnlosen Job zu geben. Auch dass die Familie immer finanzielle Probleme haben muss, wenn der Mann stirbt, kann ich nicht nachvollziehen – wenn die Mutter schon so einen Fancy-Job hat, warum kann sie dann damit nicht auch ihre Familie versorgen, und wenn es nur ihre eigenen Töchter sind? Und dann war da noch dieser klischeehafte, „böse“, Dackel-quälende Nachbar, der nur erwähnt wird, aber eigentlich nicht ein einziges Mal auftaucht … muss sowas sein? Hätte man ihm nicht wenigstens einen Auftritt geben können?

Aber naja. Trotz meiner Kritikpunkte, die ich eher als „Schönheitsmakel“ bezeichnen würde, ist dieses Buch total niedlich und absolut zu empfehlen, wenn ihr eine coole Liebesgeschichte mit Geeks für zwischendurch sucht. Schon allein für die Danksagung auf der letzten Seite lohnt es sich, einen Blick hinein zu werfen.

Das war‘s mal wieder von mir. Ich wünsche euch eine schöne Woche.

Alles Liebe,
Eure Reni

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