Good Night Stories for Rebel Girls

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Darum geht’s:

100 Frauen, 100 inspirierende Geschichten – so lässt sich dieses Buch wohl am schnellsten zusammenfassen. Denn genau dies haben die Autorinnen Elena Favilli und Francesca Cavallo in ihrem Buch gesammelt: 100 Biografien von Frauen, die großes erreicht haben und deren Geschichten mit diesem Buch Mädchen inspirieren sollen, ihre Träume zu verwirklichen. Dabei finden sich nicht nur bekannte Namen in diesem Buch, wie JK Rowling, Astrid Lindgren, Coco Chanel, Sophie Scholl oder Rosa Parks, sondern auch Frauen, die man vielleicht nicht so auf dem Schirm hat, wie beispielsweise Ada Lovelace, Coy Mathis, Matilde Montoya oder auch Sylvia Earle. Sie alle und viele weitere Frauen können Leser in dem Buch entdecken.

 

Meine Meinung:

Die Geschichte von Good Night Stories for Rebel Girls startete mit einer Crowd-Funding Aktion und einem Video, dass Zuschauern erschreckend bewies, wie wenig Bücher Mädchen doch zur Auswahl haben, wenn sie nach Geschichten ohne Rollenklischees und weiblicher Hauptfigur suchen, die auch noch etwas zu sagen haben (hier geht’s zum Video). Von den geplanten $40.000 kamen am Ende über $675.000 zusammen, mehr als die beiden Autorinnen sich vorgestellt hatten. Heute ist das Buch in mehr als 30 Sprachen übersetzt worden und ein zweiter Teil ebenfalls finanziert und erschienen (am 05. November 2018 auch auf Deutsch beim Hanser Verlag).
Nachdem ich mir zur Recherche dieses Beitrags das Video noch einmal angeschaut hatte, stellte sich mir selbst die Frage, wie viele meiner Bilderbücher, dich ich in den letzten Jahren angesammelt habe, betrachtet nach den gleichen Kriterien aus dem Video, bei mir übrig bleiben würden. Von 37 Bilderbüchern aus meinem Regal besitze ich nur elf, die eine weibliche Hauptfigur haben. Nur sieben bleiben am Ende übrig, wenn ich die wegnehme, in denen die weiblichen Figuren nichts sagen (2), und die, in denen die Mädchen nach den typischen Rollenklischees angelegt sind (4). Sieben Bücher von 37 – das sind noch nicht mal zwanzig Prozent … Und wenn das schon bei mir so ist, wo ich eigentlich beim Kauf auf den Inhalt der Geschichte achte … Nun ja …

Auf ihrer Webseite zu Rebel Girls schreiben die Autorinnen, das 95 Prozent aller Medien, mit denen wir aufwachsen, kaum weibliche Präsenz zeigen, wenn es um Jobs oder herausragende Storylines geht. Da ergibt es sich von selbst, dass dagegen etwas getan werden muss. Mädchen und Frauen sollen richtig repräsentiert werden in Medien. In wie vielen Filmen und Büchern werden Frauen immer noch in Rollenklischees gezeigt, in wie vielen sind sie nur Assistentinnen, Sekretärinnen, Hausfrauen oder haben andere klischeehafte Jobs. In wie vielen Geschichten sind sie nur das schmückende Beiwerk oder das Manic Pixie Dream Girl, dass den Jungen/Mann errettet und dann nicht mehr weiter wichtig ist? Schon allein deshalb ist es so wichtig, dass Mädchen Vorbilder bekommen, die sie nicht nach dem Klischee „Mädchen“ abstempeln und ihnen sagen, was sie zu tun oder zu lassen haben, weil „gute Mädchen so etwas nicht machen“. Das ist so ein Schwachsinn und ein Verbrechen an jedem Mädchen, dass wir so beeinflussen. Aus diesem Grund finde ich Good Night Stories for Rebel Girls wichtig und feiere es. Genau solche Bücher sollen Kinder lesen, wenn sie heranwachsen, sollen echte Vorbilder erhalten und vor allem Geschichten von Frauen lesen, die große Dinge geleistet haben.

Ich liebe dieses Buch und bin immer wieder davon fasziniert, dass ich nicht mal die Hälfte der großartigen Frauen kenne, die darin beschrieben werden. Einige der repräsentierten Damen leben noch heute und sind uns Vorbilder dafür, dass, wenn man träumt und alles dafür gibt, dass dieser Traum wahr wird, einen niemand aufhalten kann. Schon ein Mensch kann etwas bewegen und ändern und das Leben so vieler anderer erleichtern.
Übrigens: Nicht nur die Autorinnen und Frauen, über die man im Buch ein Porträt findet, sind weiblich, auch alle Illustrationen wurden von 60 verschiedenen Frauen angefertigt, die am Ende aufgezählt werden. Auch den Unterstützern, die per Crowd-Funding das Buch unterstützt haben, werden im Anhang vier Seiten gewidmet.

 

Konkurrenzprodukt für Jungs:

Loewe
Quelle: https://www.loewe-verlag.de/titel-0-0/stories_for_boys_who_dare_to_be_different_vom_mut_anders_zu_sein-8726/

Mit der #Metoo Kampagne und all den feministischen Geschichten, die gerade im Trend sind und den Markt überschwemmen, besteht gerade eine große Nachfrage nach Produkten wie Good Night Stories for Rebel Girls. Kein Wunder also, dass auch andere Autoren versuchen, einen eigenen Anteil am Gewinn abzuschöpfen, in dem sie mit auf die Erfolgswelle aufspringen. Ich bin nicht wirklich der Fan von solchen Aktionen, da solche Maßnahmen wenig originell sind und oft nicht halb so viel Erfolg haben werden, wie das Original.
Verständlicherweise war ich deshalb skeptisch, als der Loewe-Verlag Anfang Oktober Ben Brooks Buch Stories for Boys Who Dare to Be Different herausbrachte. Versteht mich nicht falsch: Ich liebe die Idee dahinter, dass nicht immer nur „echte Kerle“ als Vorbilder für Jungs dienen sollen und auch Nerds und Athleten als solche gelten können. Doch für alle Leser, die jetzt erst von Rebel Girls erfahren, wirkt es so, als seien beide Bücher zusammengehörig und nur wieder ein weiterer Abklatsch der Mädchen-Version/Jungen-Version-Bücher. Nicht nur ist dies entgegen dem Ziel von Rebel Girl, die ihr Buch auch für Jungs anbieten und ihnen zeigen, dass auch Frauen etwas erreichen können. Brooks Buch handelt von vielen Männern, von denen wir so schon ständig Biografien zu sehen bekommen oder von denen in Nachrichten, Berichten oder Meldungen berichtet wird. Ich finde es schade, dass man bei diesem Buch für Jungs nicht absichtlich inspirierende Männer und Frauen ausgewählt hat, sondern es wieder nur auf die männliche Perspektive reduzierte. Gerade das steckt schließlich hinter Rebels Girls: Ihrer Zielgruppe wird ein Zusatzwissen geboten in einer Welt, die sich noch immer zu sehr auf männliche Helden konzentriert. Die Version von Brooks dagegen feiert weiterhin die männliche Perspektive und grenzt damit die weibliche Sicht für seine Leser aus. Damit ist für mich das Ziel Vielfältigkeit und Gleichberechtigung verfehlt.

Fazit:

Ich kann es kaum erwarten, dass der zweite Band der Rebel Girl Reihe bei mir Einzug in mein Bücherregal hält. Ich finde Bücher wie diese wichtig für die Erziehung eines jeden Mädchens und auch für Erwachsene als Nachschlagewerk. Es ist wichtig, dass in den Medien nicht immer nur die männliche Perspektive dominierend eingenommen wird, sondern auch die Errungenschaften von Frauen eine breitere Repräsentanz erhalten. Jedes Kind sollte dieses Buch besitzen, egal ob Mädchen oder Junge, denn wir müssen aufhören unsere Kinder gender-fokussiert zu erziehen. Wenn wir irgendwann in einer gelichberechtigten Welt leben wollen, dann fängt das nun mal mit der Erziehung der Jüngsten an und zwar genau mit solchen Büchern, wie Good Night Stories for Rebel Girls!

 

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