Schneewittchen

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Darum geht’s:

Eine Königin, die sich nichts sehnlicher wünscht, als ein Kind zu bekommen (mit vorzeitlichen Anforderungen an das Äußere des Kindes), doch dann bei der Geburt stirbt. Ein Vater/König, der in seiner Trauer fast vergeht, doch dann Trost bei seiner zweiten Frau findet, die schöner ist als jede andere. Eine böse Königin, die so sehr auf ihr Äußeres fixiert ist, dass sie es nicht erträgt, wenn jemand besser aussieht als sie. Und dazwischen ein junges Mädchen, die, so naiv sie auch ist, einfach nur aufwachsen und geliebt werden will, doch aus ihrem Zuhause getrieben wird und sich vor den Mordanschlägen ihrer Stiefmutter retten muss. Zum Glück findet sie Unterschlupf bei sieben Zwergen, die sie ein ums andere Mal retten müssen, wenn sie wieder blind Fremden vertraut.

Bechdel-Test:

Diese Graphic Novel hat mehr als eine weibliche Figur, doch schon bei der zweiten Bedingung des ersten Kriteriums wird es schwierig. Die einzige weibliche Figur, die einen Namen in diesem Buch besitzt, ist Schneewittchen. Der Autor gab sich viel Mühe, jeden einzelnen Zwerg zu benennen, doch die weibliche Antagonistin … Fehlanzeige. Die anderen Bedingungen sind erfüllt (unterhalten sich und reden nicht über Männer), aber es ist doch schon erschreckend, dass so eine Kleinigkeit wie Namen einfach nicht wichtig scheint.

Meine Meinung:

Wer regelmäßig meine Insta-Beiträge liest, weiß, dass ich seit etwa einem Monat einen Freund habe. Dieser ist auch Blogger (falls es euch interessiert, hier ist sein Blog) und hat mir diese Graphic Novel geschenkt. Erschienen ist sie im Splitter Verlag. Die kreativen Köpfe dahinter sind Lylian (Adaption), Nathalie Vessillier (Zeichnungen) und Rozenn Grosjean (Kolorierung). Ich bin sonst kein Comic-Leser (die haben einfach zu wenig Text), aber die Illustrationen dieses Buches hatten es mir angetan und so warf ich doch einen neugierigen Blick hinein. Die Story hält sich sehr an die Originalgeschichte (nicht die Disney-Variante, sondern die brutale Grimm-Version) und wurde nur an ein paar Stellen um ein wenig Handlung erweitert. So zum Beispiel taucht die Böse Königin (es wurmt mich irgendwie, dass sie keinen Namen hat) nicht dreimal als Krämersfrau auf, sondern in unterschiedlichsten Verkleidungen, wobei mir die dritte als Waldgeist am besten gefällt.

 

Schön an dieser Adaption ist ohnehin, dass heidnische Elemente einfließen in die Gestaltung der Magie und vor allem in die Darstellung des Spiegels, in den ich mich besonders verliebt habe. Die Illustrationen selbst wirken wie Buntstiftzeichnungen … sehr weich, mit sichtbaren Schraffuren und sehr detailgetreu. Das Farbschema bedient sich vielen Frühlings- und Herbsttönen, bleibt insgesamt fast pastellig und nutzt nur wenig kräftige Farben. So entsteht ein angenehmes und harmonisches Gesamtbild, dass die Story trägt und nicht störend wirkt.

Die Zwerge gingen mir tatsächlich ein wenig auf den Keks, ebenso wie Schneewittchens Naivität. Vielleicht habe ich zu oft Spieglein, Spieglein gesehen, aber ein wenig mehr Biss hätte man dem armen Mädchen schon geben können. Im Gegensatz zu ihr haben die Zwerge schon fast wieder zu viel Persönlichkeit und stehen zu viel im Mittelpunkt, für meinen Geschmack. Obwohl sie angeblich so viel wissen und so viel Erfahrung haben, kommen sie dennoch in manchen Situationen sehr intelligenzfern rüber.

Am Ende war diese Adaption des Märchens der Gebrüder Grimm nett mit schönen Illustrationen, doch mehr auch nicht. Ich finde es toll, dass sie der ursprünglichen Version treu geblieben sind (samt Bestrafung der Königin am Ende), doch hat mich der Mangel an Biss bei Schneewittchen beim Lesen gestört. Ich gebe jedoch auch zu, dass ich in letzter Zeit viele feministische Bücher und Geschichten gelesen habe, die vor starken, weiblichen Figuren nur so strotzen. Fehlt eine solche Figur in einem Buch, fällt mir so etwas deshalb gerade besonders auf. Wer sich jedoch daran nicht stört, wird diese Graphic Novel mögen.

 

Ich wünsche euch eine schöne Woche.

Alles Liebe,
Eure Reni

 


3 Gedanken zu “Schneewittchen

  1. Auch mir gefallen deine Rezensionen und als Comicleserin natürlich noch mehr, dass du Splitter für dich entdeckt hast… Tatsächlich aber noch gespannter wäre ich, wenn du mal einen dieser typisch klischeebeladenen Superheldencomics auseinandernehmen würdest. Besteht Supergirl den Bechdeltest? Oder Power Girl? Oder jetzt ganz neu Batwoman, wo sie doch eine Frau liebt und deshalb nicht über Männer redet? Ich bin gespannt, was da von dir kommt…

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