Fangirl

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Darum geht’s:

Eineiige Zwillingsschwester zu sein, heißt für Cath, die beste Freundin immer an der eigenen Seite zu haben und nie etwas alleine machen zu müssen. Freunde, das eigene Zimmer, Hobbys … alles kann man teilen. Doch als Cath ihr erstes Semester an der Universität von Nebraska-Lincoln beginnt, ist sie allein, denn ihre Schwester Wren beschließt über den Sommer, dass sie das Leben einmal alleine ausprobieren will. Nicht nur schneidet sie sich die Haare kurz, sie sucht sich auch eine andere Mitbewohnerin fürs Studium. Cath weiß nicht, wie sie damit umgehen soll. Sie leidet an sozialer Angststörung und hat Probleme, sich in fremden und neuen Situationen zurecht zu finden. Hinzu kommt, dass ihre eigene Mitbewohnerin Reagan mehr als beängstigend wirkt. Und dann wäre da noch Levi, Reagans friend/boyfriend, der ständig in ihrem Zimmer rumhängt. Wie soll sie das Semester nur so überstehen?

Hauptfigur:

Cath ist introvertiert, schüchtern und leidet an sozialer Angststörung. Sie hasst es, sich an neue Situationen gewöhnen zu müssen, vor allem wenn sie dies ohne ihre Schwester Wren muss. Dies führt unter anderem dazu, dass sie sich in den ersten Wochen ihres Studiums nur von Müsliriegeln ernährt, weil sie nicht weiß, wo die Mensa ist und sich nicht traut zu fragen. Doch hinter ihren Ängsten versteckt sich ihre wahre Persönlichkeit: Ein Mädchen, dass nicht nur witzig, clever und intelligent ist, sondern auch für ihr Leben gerne Simon-Snow-Fanfiction schreibt. Unter dem Titel Carry On, veröffentlicht sie regelmäßig neue Kapitel, die von Millionen von Fans gelesen und geliebt werden.
Neben dem Leben ohne Wren, dafür mit Reagan muss Cath in ihrem ersten Jahr an der Uni mit allerlei weiteren Dingen klar kommen: Ihr Freund trennt sich von ihr, ihre Schwester geht immer wieder feiern und trinkt zu viel und ihre Mutter, die ihre Familie im Stich gelassen hat, als die Mädchen noch klein waren, will plötzlich wieder Kontakt zu ihnen. Und dann sind da noch Nick, ein Kommilitone aus ihrem Fictional Writing Kurs, und Levi … Als Leser beobachtet man, wie Cath diese Dinge erlebt, an manchen fast zerbricht  und an anderen wächst. Am Ende ist sie zwar noch immer sie selbst, aber sie hat nicht mehr ganz so viel Angst vor dem, was vor ihr liegt.

Bechdel-Test:

Dieses Buch enthält so viele tolle Frauenfiguren, die natürlich alle einen Namen haben. Und wie es Frauen so tun, unterhalten sie sich auch alle miteinander und über die verschiedensten Dinge, wie Fanfiction, Life itself, ihre Zukunft und all die anderen alltäglichen Verrücktheiten und Ängste, die man eben so als Frauen miteinander teilt. Somit besteht dieses Buch den Bechdel-Test mit Bravour … wie es sich eben für einen Rainbow-Rowell-Roman gehört.

Meine Meinung:

Ich weiß gar nicht, wo ich bei diesem Buch anfangen soll, so sehr liebe ich es. Ich könnte dutzend Beiträge darüber schreiben und fände immer wieder etwas neues, über das ich schwärmen kann.
Fangirl von Rainbow Rowell war lange Zeit relativ unbekannt auf dem deutschen Buchmarkt und galt als Geheimtipp für diejenigen unter uns, die gerne englische Bücher lesen. Sah man sich auf Shelfies oder Instagram-Posts von englischsprachigen Bookstagramern oder Buchgeeks um, entdeckte man immer wieder genau dieses Buch. 2016 stolperte ich in der englischen Buchhandlung im Berliner Dussmann über Fangirl und war so neugierig darauf, dass ich einfach nicht widerstehen konnte … ich musste einfach wissen, warum alle dieses Buch so liebten. Dann begann ich zu lesen und ich verstand.

Rainbow Rowells Roman handelt davon, wie es ist, das erstes Semester an einem neuen Ort zu verbringen, Student zu sein, auf eigenen Beinen stehen zu müssen und dabei doch so vollkommen überfordert zu sein. Davon, wie schwer es ist, sich selbst zu finden und vor allem sich damit wohl zu fühlen. Es fiel mir nicht schwer, mich in Cath hineinzuversetzen. Sie ist sympathisch und verrückt, manchmal ängstlich, aber auch mutig, ehrlich und gutherzig. Während der Handlung der Geschichte muss sie so viel durchmachen, doch sie lernt, dass man gemeinsam mit Freunden viel überstehen und am Ende daran wachsen kann. Das liebe ich an ihr und an diesem Buch. Rainbow Rowells Charaktere wirken immer authentisch und ihr Weg ist nie frei von Steinen, doch  jede ihrer Geschichten ist voller Hoffnung und schenkt einem den Mut, sich durchzukämpfen und nicht aufzugeben.

Neben Cath sind auch die Nebencharaktere nicht zu verachten, allen voran Levi. Levi ist ebenfalls Student. Er hat jedoch Probleme, Dinge zu lernen, die in längere Texte eingebunden sind, denn er hat eine Leseschwäche und kann sich nicht auf das konzentrieren, was er liest. Dies führt zu einer sehr süßen Szene, in der Cath ihm eine Nacht lang ein gesamtes Buch vorliest.
Statt dem typischen Badboy hat Rainbow Rowell mit Levi einen Charakter geschaffen, der von Anfang an ein guter Kerl ist und bereit zu warten, bis das Mädchen, für das er Gefühle hat, ihn ebenfalls mag. Er ist immer für sie da, akzeptiert ihre Fehler und fängt sie auf, wenn sie ihn am meisten braucht. Natürlich hat er auch seine Fehler und nicht nur einmal bekommen die beiden sich in die Haare. Doch Levi kämpft um Cath und lässt es nicht zu, dass Caths Angst ihre Beziehung sabotiert.

Reagan hingegen ist die Bad-Ass beste Freundin, die sich jeder wünscht. Selbstbewusst, stark mit einer Prise Sarkasmus und Ironie geht sie durchs Leben und ist für ihre Freunde der Fels in der Brandung. Auch wenn sie am Anfang einschüchternd wirkt, gehört sie für mich zu den tollsten Charakteren, die Rainbow Rowell je erschaffen hat. Jeder sollte eine Reagan in seinem Leben haben, die einen aufbaut und auch mal eine runterhaut, wenn man sich im Selbstmitleid verliert. Sie ist es, die Cath immer wieder zurück in die Realität holt, sie anstupst und sie in die richtige Richtung schiebt, und dafür liebe ich sie.

„I feel sorry for you, and I’m going to be your friend.“
„I don’t want to be your friend,“ Cath said as sternly as she could. „I like that we’re not friends.“
„Me, too,“ Reagan said. „I’m sorry you ruined it by being so pathetic.“

Neben der Haupthandlung erhalten wir als Leser auch Kostproben aus den Büchern und Fanfictions rund um Simon Snow. Simon Snow ist Rowells‘ Äquivalent zu Harry Potter und eine fiktive achtteilige Buchreihe, deren letzter Band am Ende des Buches erscheint. In Caths Fanfiction Carry On shippt sie die Hauptfigur Simon Snow und seinen Antagonisten Tyrannus Basilton Grimm-Pitch (wie toll ist Bitteschön dieser Name), getreu nach dem klassischen Vorbild des Drarry-Shippings (wenn ihr das nicht kennt, googlet es, ihr Muggles). Ich weiß, dass diese Teile der Handlung oft von anderen Bloggern bemängelt werden, ich liebe sie jedoch. Ich kann einfach nicht genug bekommen von Simon und Baz und freuen mich über jede Szene, die ich über sie lesen kann und stimme der Autorin zu, dass absolut niemand Baz töten darf.

Fangirl ist eins meiner absoluten Lieblingsbücher und ich lege es jedem ans Herz, der nicht nur Fangirl/-boy ist, sondern auch mit den eigenen Ängsten kämpft und sich oft nicht genug zutraut, weil das eigene Selbstwertgefühl nicht gerade besonders groß ist. Nicht nur schenkt uns dieses Buch den perfekten fiktionalen Boyfriend, es gibt einem auch Hoffnung, dass, egal wie schlimm es einem gerade geht, man irgendwie alles übersteht. Und wenn man gerade wirklich keinen Ausweg sieht, dann hilft nur eins: Emergency-Dance-Party!

 

In diesem Sinne, alles Liebe,
Eure Reni.

 

P.S. Das Buch erschien 2017 im Hanser-Verlag auf Deutsch. Lasst euch von dem furchtbaren Cover nicht abschrecken, wenn ihr die englische Version nicht lesen wollt, die Story darin ist die gleiche.
Carry On erschien übrigens auch als Buch erschienen, sowohl in Englisch als auch Deutsch. Auch ohne Kenntnis der gesamten Reihe kommt man sehr gut in das Buch rein und kann sich an Baz und Simon erfreuen, allerdings solltet ihr vorher Fangirl gelesen haben, um alle Anspielungen und die Hintergrundgeschichte zu kennen.


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