The Mermaid

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Darum geht’s:

Ein Fischer fängt eine Meerjungfrau und verliebt sich in sie. Doch statt sie in sein Boot zu ziehen, lässt er sie frei. Die Meerjungfrau verliebt sich in seine Augen, die so traurig sind, dass sie diese nicht vergessen kann. Sie kehrt zu ihm zurück und wird für ihn zum Zweibeiner, um mit ihm glücklich zu werden. Die Jahre vergehen und eines Tages verschwindet ihr Mann auf See. Jeden Tag wartet sie auf seine Rückkehr, will nicht wahr haben, dass er längst gestorben ist.
Derweil erreichen die Gerüchte über die Meerjungfrau die Ohren von P.T. Barnum, der in New York nach einer neuen Attraktion für sein Museum sucht, nachdem seine letzte große Idee floppte. Er schickt seinen Freund los, ihm die Meerjungfrau zu besorgen, träumt er doch schon von all dem Geld, dass sie ihm einbringen wird.
Wird es ihm gelingen, sie für sich zu gewinnen?

 

Bechdel-Test:

Christina Henrys Buch The Mermaid besteht den Bechdel-Test. Nicht nur beinhaltet es mehrere Frauenfiguren, die alle einen Namen haben, sie reden auch miteinander und vor allem über andere Dinge als nur Männer. Allerdings hätten es nach meinem Geschmack ein paar mehr Gespräche mit tiefer gehenden Themen sein können, wenn ihr mich fragt.

 

Meine Meinung:

Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht gerne negativ über Bücher schreibe und dies meist auch vermeide. Doch habe ich mich letztens mit einem anderen Blogger darüber unterhalten, der mir dann die einfache Frage stellte, woher denn sonst Leser wissen sollten, dass dieses Buch schlecht ist, wenn niemand darüber schreibt. Deswegen werde ich hier über dieses Buch schreiben und es nicht verschweigen, wie ich es sonst machen würden.
Ich habe mir dieses Buch geholt, weil ich die Cover der Autorin liebe, mich bisher die anderen Geschichten von Christina Henry aber nicht gereizt haben. Dieses Buch jedoch verfolgte mich, egal ob ich in meiner Lieblingsbuchhandlung vor dem Regal stand oder meinen News-Feed bei Instagram überflog … überall sah ich gefühlt nur noch dieses Buch. Also gab ich ihm eine Chance.
Zweimal begann ich dieses Buch. Beim ersten Mal konnte es mich nicht begeistern, zu cheesy fand ich seinen Anfang und legte es nach nur drei Seiten weg. Eine Woche später griff ich wieder danach, wollte ich doch erfahren, wie P.T. Barnum, den ich durch das Musical The Greatest Showman kennen gelernt hatte, in die Geschichte passte. Fast vier Wochen habe ich mich am Ende durch dieses Buch gekämpft, habe es mehrfach in die Ecke geworfen und es verflucht. Doch ich konnte nicht damit abschließen, wollte es wenigstens durchlesen, damit ich es vergessen konnte. Und ich habe es geschafft.
Schon lange nicht mehr war ich so froh, ein Buch beendet zu haben.

Christina Henrys Buch handelt von der Meerjungfrau Amelia, die sich nach nichts mehr sehnt, als die Wunder an Land zu sehen. Sie verliebt sich in Jack, der sie aus seinem Netz befreit und ziehen lässt, doch kann sie seine Augen nicht vergessen. Für ihn verlässt sie das Wasser (ohne den ganzen Seehexe-Humbug) und wird seine Frau. Doch nach nur sechsundzwanzig Seiten ist die Geschichte der beiden zu Ende, ohne dabei wirklich in die Tiefe zu gehen. Jack bleibt für den Rest der Handlung der verlorene Ehemann, ohne Tiefe oder Charakterentwicklung.
P.T. Barnum erfährt von einem Freund vom Gerücht über die Meerjungfrau und sieht schon die Münzen rollen, die die Menschen bezahlen werden, um einen Blick auf eine solche Kreatur zu werfen. Also schickt er seinen Freund Levi los, nach Maine in den kleinen Küstenort zu fahren, in dem die Meerjungfrau lebt. Dieser verliebt sich natürlich sofort in die junge Frau, die noch immer um ihren schon lange verstorbenen Ehemann trauert. Er reist ab im Glauben, sie nicht überzeugt zu haben, nur um sie später in P.T. Barnums Museum zu finden. Denn Amelia will die Welt sehen, wenn auch ohne ihren Ehemann, und dafür benötigt sie Geld. Wieso also nicht dort arbeiten, wo man freiwillig dafür bezahlt, sie zu sehen.

P.T. Barnum wird als umsatzorientierter, seiner Familie gegenüber jedoch knausriger und fast grausamer Mensch dargestellt, der nicht akzeptieren will, dass Amelia auch ein Mensch ist und als solcher behandelt werden sollte. Er sieht sie als Eigentum und gerade dadurch entstehen immer wieder Diskussionen zwischen ihm und der Meerjungfrau. Sein Freund Levi, der sonst immer auf seiner Seite stand, ergreift ihre Partei (als liebeskranker Damsel-in-Distress-Charakter kann er nicht anders) und stellt sich gegen Barnum. Immer wieder reagiert Barnum wie ein zänkisches Kind, dass unbedingt seine Vorstellungen durchsetzen will. Von einem großen Geschäftsmann kommt da nur wenig beim Leser an.
Amelia hingegen weiß um ihre Machtposition bei Barnum und will mit allen Mitteln ihre Rechte durchsetzen. Sie wird als starke Figur gezeichnet, die genau weiß, was sie will und davon auch nicht abweicht. Doch schaut man genauer hin und blickt hinter die Fassade bröckelt ihre Persönlichkeit und dies ist einer der Gründe, warum ich das Buch so oft abbrechen wollte. Von der Autorin wird diese Figur klein gehalten, denn obwohl Amelia so große Pläne hat, zeigt sie doch kein wirkliches Engagement, diese auch zu erreichen. Sie will die Welt kennen lernen, doch der Wille, beispielsweise besser Lesen zu lernen, existiert nicht. Lieber beschwert sie sich ständig, dass sie es nicht besser kann. Sie wirkt willensstark, ist jedoch eigentlich nur dickköpfig und unfähig, die Perspektive anderer einzunehmen und vorausschauend zu denken. Sie hat zwar große Ziele, doch verfliegen diese jedes Mal, wenn ein Mann ihr Leben betritt.
Und da ist auch schon mein zweiter großer Kritikgrund: Muss sich diese Frau ernsthaft in Levi verlieben? Fast zweihundert Seiten beteuert sie, dass sie ihn nicht lieben kann, dass sie ihrem Mann treu bleiben will, dass ihr Herz sich keinem anderen öffnen wird. Dann wird sie angeschossen und … schwups … schon küsst sie ihn und vermählt sich mit Levi. Echt jetzt? Hätte nicht eine Liebesgeschichte gereicht? Ich jedenfalls fand die Beziehung zwischen den beiden nur nervig und hätte Levi jedes Mal eine runterhauen können, wenn er sie wieder wie ein verliebter Welpe anhimmelte. Sein Charakter schien allein darauf reduziert zu sein. Er hatte keine eigenen Ziele, kein Rückgrat … er ist nur da, um sie zu vergöttern und vor Barnum zu verteidigen, was sie auch sehr gut ohne ihn schafft. Ach ja, und um sie zu schwängern und ihr das Kind zu schenken, dass sie sich so sehr wünscht … ihr könnt das grad nicht sehen, aber meine Augen treten gleich aus meinen Augenhöhlen, so sehr rolle ich sie.

Die Handlung selbst zieht sich. Der Mittelteil ist fast nur eine einzige Diskussion zwischen Barnum und Amelia darüber, welche Rechte sie hat, wie er sie behandeln soll, wie viel Geld sie ihn kostet und, und, und … Erst ab Seite 227 (die Handlung hat nur 321 Seiten) nimmt die Story plötzlich Fahrt auf und ein Ereignis löst das andere ab. Dies mag vielleicht in einem Film funktionieren, in dem erst die letzten zwanzig Minuten spannend werden, aber nicht in einem Buch. Die künstliche Spannungserzeugung am Ende wirkt störend und gezwungen und hat mich nur noch mehr genervt. Auch zeigt der sonst so weltoffene Levi kurz vor Ende noch einmal seine intolerante Seite, was fast zur Trennung der beiden Liebenden führt, jedoch können sie sich natürlich am Ende noch rechtzeitig zusammenreißen, um nach kurzer Trennung glücklich bis an ihr Lebensende in den Sonnenuntergang zu starren.
Erzählt wird die Handlung dabei aus unterschiedlichen Perspektiven: Jacks, Amelias, Levis und Barnums. Die Autorin versucht dadurch, die Handlungsgründe der jeweiligen Personen dem Leser näher zu bringen, was ihr jedoch nicht ganz gelingt. Auch nach all den Einblicken in die Figuren wirken sie immer noch flach und ohne nennenswerte Charakterentwicklung.

Ich kann dieses Buch einfach nicht empfehlen.  Es mag viele geben, die es mögen, aber für mich ist es ein weiteres Beispiel dafür, dass der Bechdel-Test kein Garant für Qualität ist. Ich hätte mir gewünscht, dass der Titan Books Verlag auf dem Cover eine realere Abbildung von Amelia gewählt hätte, so aber unterstreicht die schlanke Meerjungfrau nur das Klischee. Diese Geschichte hat soviel Potenzial gezeigt, doch gelang es der Autorin nicht, auch nur eines davon auszuschöpfen. Schade …

 

Alles Liebe,
Eure Reni


3 Gedanken zu “The Mermaid

  1. Danke … ich fühle mich immer schlecht, wenn ich negative Kritiken schreiben, aber eigentlich sind sie ja genauso wichtig wie positive, wenn nicht sogar noch mehr 🙈

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