That Inevitable Victorian Thing

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Darum geht’s:

Helena Marcus möchte nur ein: Ihr Debüt in ihrer Heimatstadt machen mit so wenig Aufsehen wie möglich und sich dann mit August Callaghan verloben, dem Jungen, in den sie seit Jahren verliebt ist. Doch dann erhält sie eine Einladung aus Toronto, ihr Debüt gemeinsam mit Elizabeth Highcastle zu begehen, die aus einer der einflussreichsten Familien des Empires stammt. Diese wird ihr Debüt nicht nur vor der gesamten hohen Gesellschaft Kanadas geben, sondern auch vor der Königen selbst, die zu diesem Event extra aus England anreist. Mit ihr wird auch Victoria-Margaret ihr Debüt machen, die Kronprinzessin Englands, die inkognito die Saison und einen Sommer in Freiheit genießt, bevor sie ihre Pflichten aufnimmt. Und dann wäre da noch August Callaghan, der verzweifelt versucht, im Unternehmen seines Vaters erfolgreich zu sein und seine Fehler wieder gut zu machen, bevor er um die Hand von Helena Marcus anhält.

Hauptfiguren:

Die Handlung ist zwischen drei Hauptprotagonisten unterteilt: Helena Marcus, Kronprinzessin Victoria-Margaret und August Callaghan. Helena und Margaret sind achtzehn Jahre alt, August zwei Jahre älter.
Margaret wird ihrer Mutter auf den Thron folgen und eines Tages nicht nur das Britische Empire und seine Bevölkerung vertreten, sie wird sich auch weiterhin für dessen genetische Vielfalt einsetzen und die interimperiale Politik durch eine vorteilhafte Ehe stärken. Doch vorher darf sie „Undercover“ an der Kanadischen Saison teilnehmen und debütieren, etwas dass der Kronprinzessin eigentlich nicht vorbehalten ist. Sie ist still und gut erzogen (Prinzessin eben), pflichtbewusst und freundlich. Doch sie ist auch ein ganz normales Mädchen und genießt ihre Freiheit, solange sie kann.
August Callaghans Familie handelt mit Holz. Er ist ein „Countryboy“, liebt die Natur und das Wasser. Er ist der drittälteste Sohn einer kinderreichen Familie und ist vor allem seiner Schwester Evelyn am nächsten, die ebenfalls wie er für das Unternehmen seines Vaters arbeitet. Doch ist er nicht so erfolgreich wie seine Schwester und hat einen Fehler begangen, den er während der Saison in Toronto versucht, wieder gut zu machen. Denn wenn er Helena, die er seit frühster Kindheit kennt und liebt, einen Antrag machen will, dann soll sie nicht einen Mann heiraten müssen, der in Schwierigkeiten steckt.
Helenas Mutter ist auf dem Gebiet der DNA-Forschung eine herausragende Persönlichkeit. Dies ist auch der Grund dafür, dass Helena eingeladen wird, in Toronto gemeinsam mit Elizabeth Highcastle vor der Königin zu debütieren, eine Ehre, die nicht jedem zuteil wird. Helena würde am liebsten absagen, denn eigentlich will sie nur eine ruhige Saison hinter sich bringen und dann August heiraten. Doch sie leistet dem Wunsch ihrer Eltern folge und kommt bei ihrer Tante in Toronto unter. Auf dem Debütantenball lernt sie Margaret und Elizabeth kennen und freundet sich mit ihnen an. Damit beginnt ein Sommer, den keiner der drei Protagonisten vergessen wird.

Bechdel-Test:

E.K. Johnstons Roman That Inevitable Victorian Thing wird nicht nur von zwei weiblichen Protagonistinnen getragen, auch spielen noch weitere wirklich starke Frauen mit (alle mit Namen). Neben dem Thema Heirat und Jungs drehen sich die Gespräche zwischen den weiblichen Figuren um die Bälle, aber auch die Zukunft, Politik und das alltägliche Leben sowie ihre Sorgen. Somit sind alle drei Anforderungen des Bechdel-Tests erfüllt und das Buch hat bestanden.

Meine Meinung:

Das Buch spielt in einer alternativen Welt, einer, in der statt Queen Victorias Sohn ihre Tochter Victoria den Thron bestiegen hat, und das Empire heute noch existiert. Kriege wie der erste und zweite Weltkrieg haben nie statt gefunden, Traditionen wie Debüts wurden nicht abgeschafft, sondern sind immer noch fester Bestandteil der Gesellschaft. Und noch etwas unterscheidet diese utopische Gesellschaft von unserer: Jeder Debütant erhält nach seinem Debüt einen Zugang zu der größten Matchmaking-Software des Empires, welche anhand des eigenen DNA-Codes potenzielle Partner vorschlägt. Die jungen Erwachsenen haben dann die Wahl, ob sie diesen Vorschlägen folgen oder aber jemand anderen aus Liebe heiraten, wie August und Helena es vorhaben.

Das Buch hat mich mehr als nur überrascht. Gekauft habe ich es, weil ich mich in das Cover, wie so oft, verliebte. Über den Inhalt wusste ich zu diesem Zeitpunkt gar nichts, da auch der Klappentext nicht wirklich etwas verrät. So begann ich das Buch ohne Erwartungen und Vorstellungen zu lesen.
Es beginnt wie ein Liebesroman und ziemlich schnell verfiel ich in den üblichen Trott und fing an, die Geschichte in eine Schublade zu stecken: typisch jugendliche Liebesgeschichte in viktorianischem Setting … ein bisschen Selbstfindung, ein paar Bälle, die üblichen Konflikte … Doch dann kommt nach etwa der Hälfte des Buches ein Plottwist, den ich nicht erwartet habe und plötzlich saß ich da und dachte: „Wow, okay … wo auch immer das gerade her kam … cool.“ Und plötzlich war ich hoffnungslos gefangen, legte das Buch nur noch widerwillig aus der Hand und musste unbedingt wissen, wie es weitergeht. Ich hätte nie erwartet, dass das Buch in diese Richtung geht, aber gerade aus diesem Grund liebe ich es.

Ich mag die Welt, in der die Handlung spielt und hätte gerne noch mehr über sie gewusst. Die Autorin lässt durch Schnipsel zwischen den Kapiteln einige tiefere Einblicke zu, doch weiß man wenig, was außerhalb des Empires geschieht, was ich ein bisschen vermisste beim Lesen. Zwar ist sie nicht wirklich realistisch und würde sicherlich nicht auf lange Zeit funktionieren, aber ein schöner Traum bleibt sie trotzdem.
Die Charaktere sind dabei eher die Stärke von E.K. Johnston. Man fiebert mit den dreien mit, möchte sie am liebsten in den Arm nehmen und beschützen, ihre Probleme lösen, damit ihnen nur ja nichts geschieht. Alle Protagonisten gehen eine unglaubliche, aber homogene Entwicklung in dieser kurzen Zeit durch, die emotional auf unterschiedlichste Weise für sie nicht einfach ist. Nur das Ende fand ich etwa zu plötzlich und zu „Friede, Freude, Eierkuchen“. Ich hätte mir da noch mehr gewünscht, mehr Konflikt und mehr Tiefe. Es wirkte zu sehr, als hätte die Autorin an dieser Stelle keine Lust mehr gehabt und einfach nur noch fertig werden wollen. Wie es ausgeht, finde ich gut, nur sind die Protagonisten für mich zu schnell zu diesem Ergebnis gekommen.

Das Buch war wirklich schön, die Idee darin unerwartet und doch sehr innovativ. Ich mochte es wirklich sehr und werde es sicher irgendwann noch einmal lesen müssen. Auf jeden Fall wird darin eine sehr optimistische und utopische Welt gezeichnet, in der ich gerne Leben würde, mit Figuren, die mir sehr ans Herz gewachsen sind und bis zur unwichtigsten Nebenfigur durchdacht und liebevoll dargestellt werden. Guten Herzens kann ich euch deshalb That Inevitable Victorian Thing empfehlen.

Alles Liebe,
Eure Reni

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