Moxie

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Darum geht’s:

Vivian Carter hat es satt. Sie hat es satt, dass Football Player an ihrer Highschool bevorzugt werden, satt dass sie mit allem davonkommen. Sie werfen mit sexistischen Kommentaren um sich, tragen T-Shirts mit frauenfeindlichen Sprüchen und keiner sagt etwas dagegen. Sie hat es satt, dass Mädchen sich „anständig“ kleiden müssen, um die Jungs beim Lernen nicht abzulenken, satt, dass Mädchen deshalb diskriminiert werden, wo wir doch in Zeiten leben, in der jeder die gleichen Rechte hat und jeder gleichbehandelt werden sollte. Doch die Schule hält sich zurück, die Lehrer trauen sich nicht, etwas zu sagen.
Doch damit ist jetzt Schluss, beschließt Viv. Inspiriert von ihrer Mutter, die in ihrer Jugend ein Roit Grrrl war, erschafft sie MOXIE, ein feministisches Zine, welches sie anonym in der Schule verteilt. Bald hat sich ihre Nachricht unter den Mädchen verbreitet wie ein Lauffeuer und bevor Viv es ahnt, hat sie eine Revolution gestartet.

Hauptfigur:

Vivian lebt mit ihrer Mum in East Rockport, irgendwo im Nirgendwo in den USA. Nach dem Tod ihres Mannes zog Vivians Mum zurück in die Stadt, in der ihre Eltern leben, die sie seither bei der Erziehung ihrer Tochter unterstützten. Vivian ist schüchtern, unsicher und still, doch vor allem ist sie pflichtbewusst und „immer lieb“, ganz anders als ihre Mutter in ihrem Alter, die als feministische Rebellin in die Geschichte ihrer Highschool einging. Doch sieht sie, wie andere ungerecht behandelt werden, fühlt Viv dieses Kribbeln im Bauch und ihre Hände ballen sich zu Fäusten. Sie spürt das Verlangen zu rebellieren, doch ist der Weg ihrer Mutter für sie anfangs unmöglich, denn sie hasst es, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Als sie den Sexismus der Football-Player und die Ignoranz der Lehrer nicht mehr aushält, kreiert sie das erste MOXIE Zine und bittet ihre Mitschülerinnen, während der nächsten Pep-Rally Sterne und Herzen auf ihre Hände zu malen, um sich gegenseitig zu erkennen zu geben.
Obwohl ihre beste Freundin Claudia MOXIE für dämlich hält und die Jungs sich über das Zine und die Aktionen lustig machen, kämpft Viv weiter. Immer wieder hadert sie jedoch mit dem Gefühl, allein zu sein, das Falsche zu tun oder andere in Gefahr zu bringen. Sie traut sich, glücklich zu sein, hat jedoch auch ständig ein schlechtes Gewissen, dass ihr Glück sie von MOXIE ablenkt. Doch in den Momenten, in denen es am Meisten zählt, ist sie zur Stelle und kämpft für das, was richtig ist, auch wenn dies mehr Mut erfordert, als sie jemals glaubte zu besitzen.

Bechdel-Test:

Jennifer Mathieu kreierte in diesem Buch mehrere Frauencharaktere, die alle auch einen Namen haben und natürlich auch miteinander sprechen. Es gibt unzählige Gespräche zwischen Vivian und ihren Freundinnen, zwischen ihr und ihrer Mutter sowie ihr und ihrer Großmutter. Dieses Buch ist voll davon und nur ein Teil von ihnen dreht sich um das andere Geschlecht. Viel wichtiger ist MOXIE, das Gefühl, etwas gemeinsam zu bewirken und die Dinge, die Mädchen sonst noch so in der Highschool beschäftigen. Damit besteht dieses Buch eindeutig den Bechdel-Test.

Meine Meinung:

Mit Jennifer Mathieus Roman Moxie hat alles begonnen. Vor diesem Buch habe ich nur wenig über Feminismus gewusst und mich wenig damit beschäftigt. Natürlich habe ich Kampagnen wie #MeToo gefeiert und liebe Bücher mit weiblichen Hauptfiguren, aber im Leben nicht hätte ich mich als Feministin bezeichnet. Doch das hat sich geändert.

Dieses Buch hat mich mehr überrascht, als ich es je gedacht hätte. Nicht nur war ich geschockt, was an Vivians Schule (und damit stellvertretend auch an so vielen echten Schulen) passiert, ich begann auch darüber nachzudenken, was in meiner Schulzeit alles so geschehen war und was während des Studiums und in den verschiedenen Unternehmen, in denen ich als Aushilfe gearbeitet habe oder als Praktikantin. Ich war geschockt, wie viel wir uns als Mädchen und Frauen gefallen lassen, wie oft wir zurücktreten und uns einschüchtern lassen. Wie oft fühlen wir uns minderwertig und schuldig, nur weil uns ein Mann klein redet, ob nun bewusst oder unbewusst spielt dabei keine Rolle. Wie oft habe ich in meinem Leben nach einer Konversation mit jemanden das Gespräch wieder und wieder im Kopf durchgespielt mit all den Dingen, die ich gerne gesagt hätte, es mich aber nicht getraut habe, weil man ja als Mädchen nett zu anderen ist und niemanden beleidigen soll? Wie oft rede ich mich selber klein und bezeichne mich als Mädchen, obwohl ich 27 bin und verflucht nochmal eine selbstbewusste und starke Frau bin und darauf stolz sein kann?

Dieses Buch ist großartig und inspirierend. Es gibt seinen Lesern das Gefühl, dass es okay ist, sich unfair behandelt zu fühlen, aber auch den Mut, etwas dagegen zu tun. Es ist in Ordnung, wütend zu sein – das hat mich dieses Buch gelehrt – und es ist in Ordnung, zu kämpfen. Wenn wir nicht anfangen, die Welt für unsere Töchter zu verändern, wenn wir uns nicht gegen die Ungerechtigkeit und Ungleichheit der Geschlechter auflehnen, wer soll es dann tun? Seid MOXIE GIRLS und seid stolz drauf!

Ich wünsche euch einen schönen Nachmittag. Genießt die Sonne und vergesst nicht: MOXIE GIRLS FIGHT BACK!

Alles Liebe,
Eure Reni

 

 

Für alle unter uns, die von diesem Buch nicht genug bekommen können, gibt es eine Tumblr-Seite von Jennifer Mathieu (leider nur auf Englisch), auf der viele verschiedene Frauen ihre Geschichten teilen, aber auch Bilder, Motivationen und Zitate.
Außerdem findet man im Anhang des Buches Empfehlungen der Autorin zu Filmen und Büchern, Bands und Webseiten, die über Feminismus und dessen Geschichte informieren, ebenso wie zu Aktionen.

Außerdem erschien dieses Buch 2018 endlich auch in deutscher Sprache beim Arctis Verlag.

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2 Gedanken zu “Moxie

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