Austenland

Mit Jane Austen bin ich das erste Mal 2005 in Kontakt gekommen, als die Verfilmung von Stolz und Vorurteil mit Keira Knightley ins Kino kam. Damals habe ich mit meiner Mam den Film gesehen und sie war es auch, die mir das Buch dazu schenkte, welches ich seither etwa einmal aller zwei Jahre gelesen habe. Den Film können wir beide auswendig, kennen jede Szene, jede kleine Geste von Mr Darcy und jede Silbe des alternativen US-Endings. Erst später stolperte ich zufällig in der Bibliothek über die BBC Verfilmung mit Colin Firth, doch da hatte ich mein Darcy-Herz schon längst an Matthew Macfadyen verloren.
Im zweiten Semester meines Anglistikstudiums las ich dann auch alle anderen fünf Romane von Austen, die dazugehörigen Verfilmungen in verschiedenen Versionen inklusive. Zur gleichen Zeit ungefähr entdeckte ich den Film Austenland und verfiel Mr Nobley, gespielt von JJ Feild, der der Zwillingsbruder von Tom Hiddleston sein könnte (ihr seht die Endlosschleife, in der mein Fangirl-Herz gefangen ist …). Der Film begeisterte mich und gehört zu den DVDs, die ich herauskrame, wenn ich einen schlechten Tag habe.
Ich habe es schon einmal erwähnt, dass ich oft über mich selbst überrascht bin, wie häufig ich im Abspann eines Filmes die Zeile „based on a book by“ übersehe. Bei diesem Film war es nicht anders. Über das Buch stolperte ich zufällig bei einer Onlinesuche nach der Autorin Shannon Hale, von der ich eigentlich ein anderes Buch kaufen wollte. Ich holte mir jedoch dann dieses Buch und verschlang es Anfang des Monats.

Austenland handelt von Jane, deren Obsession mit den Büchern von Jane Austen ihre Beziehungen beeinflusst und zwar nicht zum Positiven. Sie ist unfähig, eine gesunde Beziehung zu führen, denn sie vergleicht jeden ihrer Boyfriends mit Mr Darcy. Doch da kein Mann so „perfekt“ ist, ist Jane bald wieder Single und unglücklich. Nur ihre beste Freundin und ihre Tante Carolyn wissen, was wirklich hinter Janes Beziehungsunfähigkeit steckt. Als Tante Carolyn verstirbt, verfügt sie in ihrem Testament, dass Jane Urlaub nimmt in Pembrook Park, einem britischen Anwesen, in dem man für ein paar Tage in die Regency-Era eintauchen und Heldin seiner eigenen Austen-Geschichte werden kann. Jane hadert mit sich, ob sie diese „Erbschaft“ wirklich annehmen soll, entscheidet sich am Ende aber dafür und tritt die Reise nach Austenland an.
Dort angekommen, realisiert sie schnell, dass die Realität der Austen-Heldinnen wie Elizabeth oder Fanny ganz anders aussah, als sie sich dies erträumt hatte. Doch Jane gibt nicht so leicht auf und lässt sich auf den drei-wöchigen Urlaub ein mit dem festen Ziel, ihre eigene Geschichte à la Lizzy Bennet zu erleben.

Das Buch unterscheidet sich in vielen Punkten (wie immer) vom Film. Jane wirkt um einiges intelligenter und nicht so lächerlich wie im Film – sie ist ein Fangirl und das wird in diesem Buch Ernst genommen, statt es durch den Kakao zu ziehen. Auch die Ladys, mit denen sie die drei Wochen auf dem Anwesen verbringt, sind nicht so überspitzt dargestellt wie in der Verfilmung, ebenso wie Martin der Gärtner. Letztere ist um einiges sympathischer als im Film, was das Ende um so härter macht. Einen Punkt gibt es jedoch, den die Regisseurin Jerusha Hess in Zusammenarbeit mit Shannon Hale beim Drehbuch besser gemacht hat als in der Romanvorlage: Mr Nobley ist im Film nicht nur einfach Schauspieler, sondern „im echten Leben“ Geschichtsprofessor. Das gefiel mir am Ende doch besser, auch wenn sich beide Versionen des Mr-Darcy-Verschnitts in ihrer sonstigen Charakteristika nicht viel nehmen und es der Leserin/Zuschauerin schwer fällt, sich nicht in ihn zu verlieben.

Der Roman ist toll geschrieben und erinnert im Schreibstil an die Jane-Austen-Romane. Mit viel Witz und Selbstironie beschreibt Hale Janes Abenteuer und schildert glaubhaft die „Heilung“ von deren Obsession. Austen-Fans werden immer wieder kleine Zitate und Anspielungen auf deren Werke in diesem Buch finden, inklusive der wohl dämlichsten Liebeserklärung aller Zeiten, „Nun denn, Ihre Hände sind kalt“ (2005, Stolz und Vorurteil). Doch vor allem der erste Satz gehört zu meinen Highlights des Buches und ist wieder eine Anspielung auf Stolz und Vorurteil, diesmal jedoch das Original von Austen persönlich: „It is a truth universally acknowledged that a thirty-something woman in posession of a satisfying career and fabulous hairdo must be in want of very little, and Jane Hayes, pretty enough and clever enough, was certainly thought to have little to distress her.“ Wer würde dieses Buch nach einem solchen ersten Satz nicht weiterlesen.

Die Kapitel bis zu Janes erstem Tag in Pembrook Park sind runtergezählt auf die Tage, die bis zum Urlaub bleiben. Danach geben die Kapitelüberschriften einen Überblick, an welchem Tag von Janes Aufenthalt man sich gerade befindet. Ab Urlaubsbeginn erhält man als Leserin auch mit jedem neuen Kapitel eine Kurzcharakteristika von Janes Exfreunden sowie einem kurzen Rückblick auf deren Beziehung und die Trennung. Ich finde dieses Detail clever, da diese kleinen Einschübe einen tieferen Einblick in Janes Psyche ermöglichen und man besser nachvollziehen kann, wie diese Obsession ihr Leben beeinflusste und sie ihre Beziehungen manipulierte. Schon aus diesem Grund kann man sich besser mit ihr identifizieren und eventuell eigene Handlungsmuster wiedererkennen.
IMG_2505.jpgEin weiteres nettes Detail ist die Widmung des Buches, die vielleicht einige von euch kennen. Das Buch ist Colin Firth gewidmet mit dem Satz „You’re a really great guy, but I’m married, so I think we should just be friends“. Auf diese Widmung geht sie auch noch einmal in ihrer Danksagung ein, die sich wie in jedem Buch lohnt gelesen zu werden.

Das Buch ist süß geschrieben und perfekt, um die Kurzweil zwischendurch zu füllen. Natürlich ist es keine hohe Kunst und natürlich spielt die Autorin mit vielen Klischees. Da dies ja aber die Essenz des Buches ist, hatte ich damit kein Problem; und mal ehrlich, manchmal braucht man sowas zwischendurch, um sich den Glauben an die Liebe zu bewahren, und sei es noch so unrealistisch.

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