MOXIE GIRLS FIGHT BACK!

Kennt ihr das? Ihr lest ein Buch, dessen Thema euch wirklich interessiert, aber dann ist die weibliche Hauptfigur total Klischee und doof. Sie verliebt sich in jeden männlichen Nebencharakter im passenden Alter, schwärmt von dessen Geruch und gibt sich, ihre Träume und Ziele am liebsten selbst auf, nur um mit ihm zusammen zu sein und ihn zu ändern, damit er der perfekte Freund wird.
Bei solchen Büchern kommt mir, entschuldigt den Ausdruck, das Kotzen. Das Schlimme daran ist, dass junge Mädchen diese Figuren als Vorbilder sehen. Mit Frauen wie Hermine, Luna und Ginny, oder all die anderen tollen starken Frauen in der Literatur und im Fernsehen unserer Jugend haben diese Figuren nichts mehr viel gemein. Wenn man heute ein Buch mit einer starken weiblichen Hauptfigur sucht, muss man ganz schön suchen, denn dank des Bella-Swan-Hypes werden wir von dieser Art Frau/Mädchen überschwemmt. Doch die Suche lohnt sich, denn ab und an stolpert man über ein Buch, das aus der Masse heraussticht.
Umso wichtiger finde ich es dann, genau diese Bücher zu besprechen.

MOXIE von Jennifer Mathieu habe ich auf dem Blog Stehlblüten entdeckt und der Titel ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Und wie es dann immer so ist mit solchen Büchern, landete es auf meiner Bestellliste und dann in meinem Regal.
Das Buch spielt an einer High School und handelt von Vivian Carter, die es satt hat, dass Football Player bevorzugt werden, obwohl sie die Mädchen an der Schule bedrängen und beleidigen. Im Geheimen startet sie die MOXIE GIRLS und damit eine Revolution, die sich gegen all die Ungerechtigkeiten an der Schule richtet. Sie beginnen mit kleinen Dingen, wie Sterne und Herzen auf den Händen als Zeichen, dass sie nicht alleine sind, über das Tragen von Bademänteln, als Lehrkräfte beginnen, Mädchen aus dem Unterricht zu ziehen, weil sie Kleidung tragen, die die Jungs beim Lernen ablenken würde. Immer mehr Mädchen schließen sich der Revolution an, ohne zu wissen, wer die MOXIE GIRLS gestartet hat. Doch das ist auch gar nicht wichtig. MOXIE GIRLS FIGHT BACK! wird zum Motto der Mädchen.

Dieses Buch hat mich mehr überrascht, als ich es je gedacht hätte. Nicht nur war ich geschockt, was an Vivians Schule (und damit stellvertretend auch an so vielen echten Schulen) passiert, ich begann auch darüber nachzudenken, was in meiner Schulzeit alles so geschehen war und was während des Studiums und in den verschiedenen Unternehmen, in denen ich als Aushilfe gearbeitet habe oder Praktikantin war. Ich war geschockt, wie viel wir uns als Mädchen und Frauen gefallen lassen, wie oft wir zurücktreten und uns kleinreden lassen. Wie oft fühlen wir uns minderwertig und schuldig, nur weil uns ein Mann klein redet, ob nun bewusst oder unbewusst spielt dabei keine Rolle. Wie oft habe ich in meinem Leben nach einer Konversation mit jemanden das Gespräch wieder und wieder im Kopf durchgespielt mit all den Dingen, die ich gerne gesagt hätte, es mich aber nicht getraut habe, weil man ja als Mädchen nett zu anderen ist und niemanden beleidigen soll? Wie oft rede ich mich selber klein und bezeichne mich als Mädchen, obwohl ich 27 bin und verflucht nochmal eine selbstbewusste und starke Frau bin und darauf stolz sein kann?
Es ist in Ordnung, wütend zu sein – das hat mich dieses Buch gelehrt – und es ist in Ordnung, zurückzukämpfen. Wenn wir nicht anfangen, die Welt für unsere Töchter zu verändern, wenn wir uns nicht gegen die Ungerechtigkeit und Ungleichheit der Geschlechter auflehnen, wer soll es dann tun? Seid MOXIE GIRLS und seid stolz drauf!

Jennifer Mathieus Buch gibt seinen Leserinnen Mut. Es fällt einem so leicht, Vivian zu lieben und sie anzufeuern bei ihren Aktionen. Zwar hat sich die Handlung manchmal ein wenig gezogen und oft hätte ich mir noch mehr Aktionen gewünscht, doch lässt sich dies auch an der Hauptfigur nachvollziehen, denn eigentlich ist Vivian auch nur eine von uns: schüchtern und unsicher und besorgt. Sie fühlt sich allein und unwichtig, hat Angst, niemand würde die MOXIES unterstützen. Als sich jedoch mehr anschließen, will sie ihre Freunde beschützen, als der Rektor eine Schuldige für die Aktionen sucht. Sie traut sich glücklich zu sein, hat jedoch immer ein schlechtes Gewissen, dass sie dabei die MOXIES hängen lässt. Doch ist sie in den Momenten wieder am Start, wenn es Ernst wird und steht an der Seite der anderen Mädchen, wenn diese im Namen der MOXIES selbst tätig werden. Gerade diese Eigenschaften machen ihre Aktionen umso bedeutender und anstrebenswert.

Für alle unter uns, die von diesem Buch nicht genug bekommen können, gibt es eine Tumblr-Seite von Jennifer Mathieu (leider nur auf Englisch), auf der viele verschiedene Frauen ihre Geschichten teilen, aber auch Bilder, Motivationen und Zitate.
Außerdem findet man im Anhang des Buches Empfehlungen der Autorin zu Filmen und Büchern, Bands und Webseiten, die über Feminismus und dessen Geschichte informieren, ebenso wie zu Aktionen.

Jedes Mädchen sollte dieses Buch mindestens einmal in ihrem Leben gelesen haben, wenn nicht sogar mehrfach. Ich werde es auf jeden Fall wieder lesen und wieder und wieder.

Habt einen schönen Tag, egal wo ihr seid und denkt daran: MOXIE GIRLS FIGHT BACK!

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