Ready Player One – Der Film

Es gibt Dinge im Leben, die sollte man einfach nicht tun, wie zum Beispiel den Schlüssel Zuhause liegen zu lassen, die Zunge in eine Packung Salz zu stecken oder aber das Buch vor dem Film zu lesen. Letzteres mache ich leider viel zu oft und ab und an passiert es mir dann, dass ich es zutiefst bereue. Dabei ist es gar nicht des Lesers Schuld, wenn die Verfilmung des Buches schlecht gemacht ist, doch da man das Buch schon gelesen hat, weiß man nun mal eben, wie es anders hätte sein müssen.
Aber von vorn.

Letztes Jahr auf der Leipziger Buchmesse habe ich mir Ready Player One gekauft und, wie ihr in meiner Rezension nachlesen könnt, begeistert gelesen. Damals war schon bekannt, dass Spielberg am Film arbeitet – ein Regisseur, der eigentlich für Qualität steht in der Filmbranche. Ich konnte also ruhig schlafen und mich auf den Film freuen.
Ein Jahr lang habe ich gewartet, ein Jahr lang stieg meine Vorfreude auf ihn. Dann war endlich DER Donnerstag und ich hielt mein Ticket bereit, um in die heiligen Säle meines Lieblingskinos eingelassen zu werden.

Der Film beginnt in den Stacks und folgt Wade zu seinem Versteck. Bis dahin ist alles wie im Buch, doch dann betreten wir mit Wade die OASIS und schon das erste wichtige Detail fehlt: Der Willkommensgruß „Ready Player One“. Die OASIS lädt einfach, man bekommt einen kurzen Rückblick auf deren Entstehung und Halliday und findet sich dann wieder in der ersten Welt, die Wade als Parzival (der Name seines Avatars) betritt. Doch statt der einzigen Welt, die er laut Buch dank mangelnder Finanzen betreten kann, der Bildungswelt, nimmt er plötzlich an einem Autorennen um den ersten Schlüssel von Hallidays Easter Egg teil. Sorry, aber wenn ihr schon ein Buch verfilmt, ist es dann so schwer, sich auch an dessen Handlung zu halten?
Die Easter Egg Jagd im Film gestaltet sich nicht halb so schwierig wie im Buch. Man muss den Schlüssel nur finden, nicht aber eine dazuzgehörige Aufgabe lösen und sein Können unter Beweis stellen. Weder muss Wade in Hallidays Lieblingsspielen gewinnen, noch die Textzeilen aus Filmen auswendig können. Er muss auch nicht die jeweilige Tür zum Schlüssel finden. All dies fehlt, weil es entweder nicht genug Action-geladen für den Film ist oder den Film ja viel zu lang und unspannend gemacht hätte. Wer will schon ins Kino gehen und das Buch eins zu eins übertragen sehen?
Auch die Beziehung zwischen Artemis und Parzival verlagert sich viel zu früh in die reale Welt und nervt plötzlich nur noch. Ich mochte es, dass sie im Buch nur eine untergeordnete Rolle gespielt hatte. Im Film jedoch nervte sie mich tierisch, vor allem als Artemis auch noch Wades Handlung aus dem Buch gegen Ende hin teilweise übernahm – wahrscheinlich auch wieder nur, weil man es zeigen wollte, jedoch die Zeit nicht mehr hatte, sich an die Handlung aus dem Buch zu halten.

Der Film ist eine Hommage an die Filme von Steven Spielberg und anderen Blogbustern aus den 80er Jahren. Wer jedoch die Werke aus dem Buch sucht und deren Anspielungen, muss sehr genau hinschauen. Es wirkt eher wie der verzweifelte Versuch, die große Masse glücklich zu machen, sodass auch die ihre 80er darin wieder erkennen, anstatt das zu sein, was das Buch nun mal war: Eine Hommage an die Nerd-Kultur dieser Zeit.
Auch in allen anderen Punkten wirkt der Film etwas lieblos. Durch die Handlung wird gerannt und es bleibt kaum Zeit, die Nebencharaktere besser kennen zu lernen oder die verschiedenen Welten der OASIS. Die Liebesgeschichte wirkt deplatziert und störend – eher obligatorisch als natürlich. Und das Ende … nun, sagen wir einfach, das Buch war auch hier bei weitem besser.

Der Film ist nett, wenn man das Buch nicht kennt und natürlich finden sich viele Anspielungen auf Elemente der 80er Jahre darin. Doch ich glaube, dass auch Nicht-Lesern die Schwächen des Filmes stören werden. Habt ihr jedoch das Buch gelesen, dann seid hiermit einfach gewarnt: Erwartet nicht zu viel von dem Film. Schraubt eure Hoffnungen runter, denn ihr werdet auf jeden Fall enttäuscht sein.

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