Teil 8: Die Schneekugel

Sie sank vorsichtig zu Boden und starrte auf die Überreste der Kugel. Der Teppich sog das Wasser auf und zurück blieben nur winzig kleine Kirschblüten, mit der die Schneekugel statt Schnee gefüllt gewesen war. Mit zitternden Händen griff sie nach dem Sockel, auf dem noch immer das sich küssende Pärchen unter dem Kirschbaum befestigt war.
Demetrius hatte ihr die Schneekugel an ihrem ersten Date geschenkt. Er hatte auf dem Jahrmarkt beim Ringe werfen gewonnen und sie den Preis auswählen lassen. Es war ein perfekter Tag gewesen, der perfekte Anfang für ihre Liebesgeschichte. Doch jetzt war alles vorbei und nicht mal die Schneekugel hatte überlebt.
Das alles war ihre Schuld. Sie hatte es sich nicht eingestehen wollen, aber es war die Wahrheit. Er hatte sie immer gewarnt. Gewarnt, dass ihr irgendwann etwas passieren würde, wenn sie so leichtsinnig war und nicht aufpasste. Doch statt ihr war es ihm passiert.
Sie waren auf dem Weg in ihr Lieblingsrestaurant gewesen und Una hatte ihm von dem Buch erzählt, das sie gerade beendet hatte. Sie war begeisterter von dem Buch gewesen, als sie es vielleicht hätte sein sollen, doch ihn kümmerte es nicht. Er hatte es geliebt, wenn die Leidenschaft sie ergriff und den Funken in ihren Augen entzündete, hatte er ihr einmal gesagt. Sie solle sich nur nicht zu weit von dieser Leidenschaft treiben lassen, denn dies war, wie jeder wusste, gefährlich und konnte zum Verlust der eigenen Maske führen. Doch sie hatte seine Warnung nicht hören wollen, dachte, sie hätte ihre Gefühle unter Kontrolle.
An dem Abend des Unfalls hatte sie im Laufen von dem Buch geschwärmt und war rückwärts gegangen, um ihm besser in die Augen dabei zu schauen und deren Lächeln für sie einzufangen. Sie hatte nicht gemerkt, dass ein Auto um die Ecke gebogen kam, als sie die Straße betrat. Demetrius schubste sie im letzten Moment weg und rettete sie. Doch der Preis dafür war sein eigenes Leben. Der Autofahrer hatte nicht rechtzeitig genug bremsen können und Demetrius erwischt.
Sie hatte mit ihrer Leichtsinnigkeit nicht nur ihr Leben für immer zerstört, sie hatte auch seins beendet. Wie hatte sie es da verdient, eine neue Maske zu bekommen? Wie hatte sie es verdient, glücklich zu sein? Sie hatte alles kaputt gemacht.
Tränen flossen an ihren Wangen herunter.

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