Teil 7: Wütend

Sie knallte die Wohnungstür lautstark hinter sich zu und warf den Schlüssel in die Schüssel auf dem Schrank, die dabei zerbrach. Sie zog ihre Jacke aus und schleuderte sie wütend gegen die Wand. Sieben Kilometer hatte sie nach Hause laufen müssen. Sieben!
Sie hatte es noch zwei weitere Male versucht, in einem Bus mitgenommen zu werden, doch beide Male hatten die Busfahrer sich geweigert.
Den ganzen Heimweg über war sie von den Leuten angestarrt worden. Mütter hatten mit ihren Kindern die Straßenseite gewechselt, ein paar Passanten hatten ihr böse Worte hinterher gezischt. Una hatte sich noch nie in ihrem Leben so ausgeschlossen gefühlt, so mies, so allein.
Una war sauer. Sauer auf den Beamten, sauer auf die Maskenverziererin, auf die Busfahrer und auf die Leute, die sie angestarrt hatten, als wäre sie kein Mensch mehr. Doch vor allem war sie sauer auf Demetrius. Sie war sauer darauf, dass er sich hatte überfahren lassen, dass er sie alleine gelassen hatte. Wäre er nicht gestorben, wäre sie nicht auf der Straße zusammengebrochen und hätte ihre Maske noch. Wie hatte er ihr dies antun können?
Sie griff nach einem der Sofakissen und warf es durch den Raum.
Dämliche gesellschaftliche Ordnung, dämliche Ruhe. Warum musste sie sich beherrschen, warum war es so schlecht, Gefühle zu zeigen. Sie griff nach einem weiteren Kissen und schleuderte es mit einem Schrei durchs Zimmer. Es tat gut, ihre Wut rauszulassen, gut, die anderen zu hassen für das, was ihr geschehen war.
Ein weiteres Kissen segelte durch den Raum, ein weiteres Mal schrie sie sich die Wut aus dem Leib. Mit einer Handbewegung fegte sie die Magazine und die dekorativ angeordneten Kerzen vom Couchtisch, die mit einem Poltern auf dem Boden landeten.
Warum sollte sie sich an die gesellschaftlichen Regeln halten, wenn die Gesellschaft sie sowieso nicht wollte.
Sie warf eine Vase gegen die Wand, die jemand ihnen zum Einzug geschenkt hatte. Die Scherben fielen zu Boden, doch Una reichte dies nicht. Zu den Scherben gesellte sich bald eine Topfpflanze, eine Porzellanfigur, die was auch immer darstellte, und ein Bilderrahmen mit einem abstrakten Kunstwerk, die ebenfalls Opfer von Unas Wut wurden. Dies waren alles Dinge, die Leute erwarteten, dass man sie besaß oder aber Gastgeschenke waren. Wie sehr sie dies alles hasste.
Sie griff ein Objekt nach dem anderen und warf sie gegen die Wand. Weitere Vasen, Kerzen, Figuren, Dekorationen segelten durch den Raum. Servierschälchen, hässliche Karaffen und Gläser.
Bevor Una es merkte, griff ihre Hand nach einer Schneekugel und warf sie ebenfalls. Erst als sie zu Bruch ging, merkte sie, was sie getan hatte.

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