Teil 3: Ohne sie

Una wachte in ihrem Bett auf und tastete mit noch geschlossenen Augen nach Demetrius. Doch sie fand ihn nicht. Sie öffnete die Augen und schaute sich um. Er war nicht da.

Sie rollte sich auf seine Seite und vergrub ihre Nase in seinem Kissen. Doch statt dem gewohnten Geruch nach ihm, nahm sie nur den Geruch von altem Bettzeug wahr. Tränen tropften auf das Kissen und durchnässten den Bezug. Una schniefte.

Wie viel Zeit war seit dem Unfall vergangen? Wie oft war sie schon ohne ihn neben sich aufgewacht? Una konnte sich nicht mehr erinnern.

Sie stand auf und schlurfte in das dunkle Badezimmer. Sie stützte sich mit den Händen am Waschbeckenrand ab.

Wie sollte sie nur ohne ihn leben? Er war ihr bester Freund gewesen, ihr Geliebter, ihr sicherer Hafen. Nie wieder würde er sie anlächeln, nie wieder in den Arm nehmen, nie wieder mit ihr rumalbern.

Sie drehte den Wasserhahn auf und hielt ihre Hände darunter. Das Wasser war kalt, zu kalt, doch sie zog die Hände nicht weg, auch wenn die Kälte schmerzte. Schmerz bedeutete, das sie noch lebte, noch da war.

Sie formte ihre Hände zu einer Kuhle und ließ sie voll laufen. Sie beugte ihren Kopf hinunter und spritzte sich das kalte Wasser ins Gesicht. Sie ließ die Hände auf ihren Wangen liegen, ihre Fingerspitzen auf den Augenlidern.

Wie lange sie so da stand, wusste sie nicht, doch irgendwann befiel sie das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Irgendetwas war anders als sonst.

Sie ließ die Hände sinken und griff nach dem Lichtschalter an der Wand. Kurz war sie geblendet von dem Licht der Lampe, doch dann starrte sie auf ihr Ebenbild im Spiegel. Diejenige, die ihr entgegenblickte, war nicht sie, konnte nicht … Das war nicht möglich.

Una sah zwei verheulte Augen, eine zerwühlte, braune Mähne auf ihrem Kopf und ungesund grau wirkende Haut, die sich über ihr Gesicht spannte. Ihre Finger tasteten ihre Konturen nach, konnten nicht glauben, was sie fühlten.

Wo war ihre Maske? Wo waren die bunten Sprenkel auf hellblauen Grund, wo die Schmetterlinge und die kleinen, zarten Blüten, die diese schmückten? Wie hatte sie sie verlieren können? Das durfte nicht sein, das war unmöglich. Ohne ihre Maske konnte sie nicht nach draußen gehen, war nicht Teil der Gesellschaft.

Verzweifelt zog sie an ihrer Haut, in der Hoffnung, darunter verstecke sich ihre Maske. Doch vergebens. Ihre Maske war verschwunden, ob ihr das gefiel oder nicht. Aber das hieß noch lange nicht, dass sie dies akzeptieren würde, beschloss sie. Sie konnte zwar Demetrius nicht zurückholen, aber ihre Maske würde sie um jeden Preis wiederbekommen.

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