Teil 2: Ohne ihn

Una wachte in ihrem Bett auf und tastete mit noch geschlossenen Augen nach Demetrius. Doch sie fand ihn nicht. Sie öffnete die Augen und schaute sich um. Er war nicht da.
Vielleicht war er schon im Bad oder machte Frühstück in der Küche. Es gelang ihm am Morgen viel besser aus dem Bett zu kommen als ihr. Oft ließ er sie schlafen und weckte sie erst mit einer heißen Tasse Tee. Das liebte sie so an ihm. Er hatte nie versucht, sie zu ändern, akzeptierte, wie sie war und liebte sie dafür.
Una krabbelte aus dem Bett und griff nach einem dicken Pullover, der auf dem Sessel neben dem Kleiderschrank lag. Sie zog ihn über und trottete noch schlaftrunken zur Küche. Doch das Wohnzimmer mit der offenen Küche war dunkel und leer, die Vorhänge zugezogen und die Herdplatte kalt. Die Kaffeemaschine brühte keinen Kaffee für Demetrius und der Wasserkocher sprudelte nicht vor sich hin.
Sie drehte sich um und ging zum Badezimmer. Vielleicht war er noch nicht so weit und putzte sich noch die Zähne oder duschte. Doch als sie die Tür öffnete, war auch dieser Raum leer und unbeleuchtet.
Die Erinnerungen an Demetrius im Regen fielen wieder über sie ein. Das Blut in seinem Gesicht, die Sanitäter, die ihn ihr weggenommen hatten, die kleiner werdenden Lichter.
Mit ihren Armen umklammerte Una ihre Körpermitte, als sie zu schluchzen begann. Das konnte alles nicht wahr sein. Das war nie passiert. Demetrius konnte nicht tot sein. Das war alles nur ein Traum. Vielleicht, wenn sie wieder ins Bett ginge …
Una stützte sich an der Wand ab und stolperte zurück ins Schlafzimmer. Sie setzte sich auf die Bettkante und schaute sich in ihrem gemeinsamen Schlafzimmer um. Alles lag noch genauso da, wie an dem Tag, als sie und Demetrius das letzte Mal zusammen die Wohnung verlassen hatten und doch wirkte der Raum, als hätte alles Leben ihn verlassen. Das triste, graue Licht des Himmels vor ihrem Fenster entzog dem Raum den Rest an Wärme und Geborgenheit.
Una krabbelte zurück unter die Bettdecke und schloss die Augen. Sie wollte alles vergessen, wollte zurück zu dem Morgen vor dem Unfall, bevor Demetrius sie verlassen hatte. Es dauerte eine Weile, doch dann übermannte sie endlich der Schlaf.

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