Scythe

Ich bin gerade mitten im Praxissemester meines Studiums und absolviere ein Praktikum im Team der Leipziger Buchmesse. Neben anderen Dingen gehörte in den letzten Monaten die Programmplanung der Leseinsel Fantasy zu meinen Aufgaben. Doch nicht nur die Arbeit am Programm war spannend, auch die Programminhalte sind eine wahre Versuchung, der man nur schwer widerstehen kann.
Zwei Autoren haben es mir besonders angetan: Der eine ist Derek Landy, der an mehreren Tagen auf der Messe seine Skulduggery-Pleasant-Reihe vorstellt, der andere Autor ist Neal Shusterman mit seinem utopisch-/dystopischen Buch Scythe (er wird am Freitag auf der Leseinsel Fantasy lesen). Skulduggery habe ich schon gelesen und freue mich, Derek Landy in zwei Wochen live erleben zu können, Neal Shustermans Bücher hingegen waren mir bisher unbekannt. Zwar hatte ich von Scythe schon gehört, jedoch sprach mich das deutsche Cover überhaupt nicht an. Doch dann stolperte ich Anfang des Monats über die englische Ausgabe und verliebte mich sofort in das Cover. In den letzten zwei Wochen verschlang ich nicht nur den ersten Teil, auch der zweite Teil Thunderhead fand schnell einen Platz in meinem Bücherregal.

Darum geht es:
Citra und Rowan leben in einer perfekten Welt. Niemand muss Hungern, jeder hat Zugriff auf das gesamte Wissen der menschheit. Armut und Krankheiten existieren nicht mehr, ebenso wie Politiker und Regierungen. Der Thunderhead, eine intelligente Cloud, schützt und lenkt alles Leben auf der Erde – und das erfolgreich seit mehreren Hundert Jahren. Nur über einen Aspekt des Lebens hat der Thunderhead keine Macht und das ist der Tod. In Shustermans Gesellschaft kann jeder ewig leben, doch muss die Gesellschaft regelmäßig reduziert werden, um eine Überpopulation zu verhindern. Und dafür gibt es die Scythe – eine Delegation der weisesten und klügsten Menschen, deren Aufgabe es ist, nach statistischen Vorgaben die Menschheit im Gleichgewicht zu halten.
Citra und Rowan werden von einem dieser Scythes als Lehrlinge ausgewählt und in der Kunst des Tötens ein Jahr lang unterrichtet. Endet das Jahr, wird einer der beiden zum Scythe ernannt und muss den anderen umbringen.

Meinung:
Scythe ist unterteilt in Tagebucheinträge verschiedener Scythe, die eine wichtige Rolle in der Handlung spielen, und erzählerischen Teilen, welche die Handlung aus Citras oder Rowans Perspektive erzählen. Ab und an mischen sich unter die erzählenden Teile auch welche aus der Perspektive von Opfern, die von den Scythe „nachgelesen“ werden, wie im Deutschen das Ermorden durch die Scythes genannt wird. Allgemein bleibt die Erzählperspektive beschränkt personal, durch die Tagebucheinträge erhält der Leser jedoch Hintergrundinformationen, die ihm oder ihr Hinweise auf die spätere Handlung geben. Damit ersparte sich der Autor das oft nervige Erklären von Grundregeln der Gesellschaft, womit mehr Zeit für die Handlung bleibt.
Die Handlung selbst ist spannend und jedes Mal wenn ich dachte, jetzt weiß ich, worauf es hinaus laufen wird, überraschte mich der Plot mit etwas Neuem. Obwohl viele Dystopien vorhersehbar sind, kann ich euch auch nach Band zwei nicht sagen, wie Band drei ausgehen wird und dies finde ich großartig. Es hat etwas aufregendes, wenn man nicht immer nur die Klischeeplots liest und genau vorhersehen kann, wann was passiert. An Scythe und Thunderhead blieb ich dran, wünschte mir an manchen Stellen, ein Kissen vor die Augen halten zu können (leider geht das aber nur bei Filmen) und machte mir tagelang Sorgen um die beiden Hauptfiguren und die anderen Charaktere um sie herum.

Die Figuren sind ein weiteres Highlight des Buches. Zum Glück bleibt die Liebesgeschichte bisher relativ am Rand und geht einem nicht auf den Keks, denn für Citra und Rowan ist ihr Überleben und ihre Ausbildung wichtiger.
Vor allem Citra ist in der Hinsicht nicht die typische Klischee-Jugendroman-Heldin, die beim Anblick des Typen ihr Gehirn über Bord wirft – auch in den schwierigsten Situationen behält sie einen kühlen Kopf, denkt lieber an das große Ganze und ist damit ein Vorbild für jede Leserin.
Rowans Denken schweift öfter zu Citra, doch auch er (vor allem er) ist mehr mit dem Überleben beschäftigt und damit, sein Denken nicht korrumpieren zu lassen. Denn im Gegensatz zu Citra steht ihm ein weitaus härteres Schicksal bevor und damit rede ich noch nicht mal von der finalen Entscheidung. Obwohl er mir oft nicht sympathisch ist, habe ich doch großen Respekt vor dem, was er durchsteht.

Die Idee des Buches ist großartig und die Konzeption des Plots ist genial. Auf dem Cover der englischen Ausgabe wirbt der Verlag mit dem Zitat, Scythe sei der würdige Nachfolger der Hunger-Games-Reihe. Doch für mich ist Neal Shustermans Reihe um Längen besser und eine Empfehlung für jeden, der nicht nur auf gut durchdachte und genial geplottete Dystopien steht, sondern auch auf starke Hauptcharaktere und vielschichtigen Nebenfiguren.
Der einzige Nachteil an der Reihe ist, dass Teil drei noch kein Erscheinungsdatum hat – und ich habe keine Ahnung, wie ich so überleben soll.

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Marie sagt:

    Seit ich ein Seminar bei der Übersetzerin von Scythe in der Uni belegt hatte, wollte ich dieses Buch lesen und habe es immer noch nicht geschafft. Dein Beitrag hat mich gerade wieder daran erinnert und das Buch klingt immer noch genauso spannend … wird Zeit, dass ich es mir endlich kaufe!

    Gefällt 1 Person

    1. Reni sagt:

      @Marie: Mach es unbedingt, denn du wirst es nicht bereuen. Oder warte bis zur Buchmesse und schau dir den Autor live an (Freitag, 13:00 Uhr Leseinsel Fantasy) und lass dir dein Buch gleich signieren 😉

      Gefällt mir

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