Buchhighlights 2017 – Ein Leserückblick

Ich habe mir eigentlich geschworen, nie einen Jahresrückblick zu schreiben – NIE. Aber hier sitze ich nun und denke über die Bücher nach, die ich letztes Jahr gelesen habe. Ich archiviere gerade meine Leseliste und konnte deshalb nicht umhin, diese zu kommentieren. Warum? Weil ich das Gefühl habe, diesen Highlights noch einmal eine Bühne geben zu müssen, bevor ich die diesjährige Liste beginne.

Seit 2016 führe ich eine Liste mit Büchern, die ich im jeweiligen Jahr gelesen habe. Angefangen hatte alles als Experiment: Unser Professor hatte mit uns eine Studie zum Leseverhalten ausgewertet und in der stand, dass der durchschnittliche Vielleser in Deutschland 20 Bücher im Jahr schafft. Ich fand das sehr traurig damals, doch werde ich jetzt nicht abschweifen und darüber philosophieren, wie Menschen überhaupt lebensfähig sind, wenn sie nicht lesen. Noch während ich diese Zahl hörte, begann ich zu grübeln: Wie viele Bücher las ich im Jahr? Da es die letzte Vorlesung vor Weihnachten war, war der Neujahrsvorsatz schnell gefunden. So begann es also.
Am Ende des Jahres 2016 war ich ein wenig frustriert von meiner Zahl an gelesenen Büchern. Ich gurkte bei 56 Büchern herum, während andere Blogger weit mehr schafften. Doch dann dachte ich, warum ist das schlecht? Ich hatte mehr Bücher geschafft, als es Wochen im Jahr gab, hatte mich nicht unter Druck gesetzt und jedem Buch seine Zeit gegeben. Ich bin ein Once-at-a-time Leser und lese nur sehr selten mehr als eins gleichzeitig und auch nur, wenn ersteres mich langweilt.

2017 habe ich ein Buch weniger geschafft. Ich lese gerade nicht sehr viel, muss ich leider gestehen, da ich zur Zeit Vollzeit arbeite und abends lieber Netflix (Screw you, Netflix!) laufen lasse, als noch zu einem Buch zu greifen. Und doch gab es einige Bücher, für die ich gerne Netflix Netflix sein lassen habe und den Abend lesend im Bett verbrachte. Andere Bücher begleiteten mich auf meinen Segeltrip mit meinem Vater im Sommer auf der Segeljacht Esprit (da kann übrigens jeder drauf Urlaub machen!!) von Polen nach Dänemark. Und einige waren meine Begleiter, wenn ich viel zu früh am Morgen in der Straßenbahn saß und lieber wieder ins Bett wollte.

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Ich hatte das Jahr stark gestartet mit fast zwei Büchern pro Woche. Im Februar übermannte mich jedoch ein Leseblues. Ich fühlte mich ausgebrannt und kein Buch konnte mich fesseln. Ich ließ den Monat dahinziehen und fasste gefühlt kein einziges Buch an. Doch mit der herannahenden Buchmesse im März kam irgendwann meine Lust auf Bücher wieder zurück und der Blues war überstanden.
Im späten Frühjahr (ja, ich habe keine Ahnung mehr, wann genau) stellte Netflix 13 Reasons Why online. Ich war gefesselt und suchtete ein komplettes Wochenende die ganze Staffel. Als mich dann die Woche drauf das zugrunde liegenede Buch von Jay Asher in der Buchhandlung anlächelte … nun, jeder Buchnerd kennt den Rest. Ich war geschockt von der Ehrlichkeit des Buches, fasziniert von der Geschichte und inspiriert von der Erzählstruktur. Ein Buch über Vergewaltigung, Mobbing und das fast unmögliche Leben als Außenseiter an Schulen. Erst später (nachdem mich Anna im Dezember darauf hinwies) realisierte ich, dass ich 2017 mit einem weiteren Buch (What Light) des Autors gestartet hatte und war geschockt, wie unterschiedlich beide waren. Doch genial und empfehlenswert sind sie beide.

Im Sommer verbrachte ich meine vorlesungsfreie Zeit bei meinen Eltern und las die Plötzlich-Prinzessin-Reihe von Meg Cabot. Als der erste Film 2001 ins Kino kam (und ich die Wartezeit auf den nächsten Harry-Potter-Teil überbrücken musste), begann ich, die Bücher zu lesen. Erst mit Vierzehn verlor ich das Interesse an ihnen und so war der sechste Teil der Letzte, den ich bis dahin gelesen hatte. Doch dann ging mir im Sommer der Lesestoff aus und da ich mit gebrochenem Fuß von der Segelreise zurückgekommen war und diesen schonen musste, glich ein Ausflug in die nächstgelegene Buchhandlung einer Expedition zum Nordpol. Da kam es mir gerade recht, dass die Reihe in greifbarer Nähe hinter meinem Bett stand. Schnell hatte ich mich wieder in die Geschichte hineingefunden und durchlitt noch einmal mit Mia Thermopolis die Pubertät. Als ich den Sechsten durch hatte, mussten dann natürlich noch die restlichen Teile her. Der letzte Teil ist dabei fast am besten, da er nicht nur erzählt, was Mia nach der Highschool macht, sondern auch endlich Mias Hochzeit auf bedrucktem Papier festhält. Obwohl ich Chris Pine in der Verfilmung liebe, habe ich nie verstanden, warum sie ihn heiraten sollte. Zum Glück entscheidet sie sich im Buch anders.

Ende des Sommers, ich war wieder zurück in Leipzig, drückte mir Anna ihr Lieblingsbuch in die Hand und zwang mich, es zu lesen. Eigentlich mache ich so etwas nur ungern, da die Erwartungen der Person, die einem das Buch gibt, oft viel zu hoch sind und man, wenn man es nicht mag, sich fast immer nicht traut, es der Person zu gestehen. Doch da Anna so viele Bücher gelesen hatte, die ich ihr empfohlen habe, und ich ihren Geschmack schätze (dank ihr bin ich süchtig nach Bilderbüchern), gab ich dem Buch eine Chance. So las ich Howl’s Moving Castle von Diana W. Jones. Entgegen meiner Erwartungen (keine Ahnung, woher diese kamen) mochte ich das Buch wirklich gerne, auch wenn ich Howl ein ums andere Mal gerne eine geklatscht und Sophie geschüttelt hätte, damit sie endlich ihr Leben in die Hand nimmt. Der Humor ist so richtig schön britisch und auch das Setting und die Interaktion zwischen den verschiedenen Figuren war großartig. Ich habe es nicht bereut, für dieses Buch eine Ausnahme meiner Regel gemacht zu haben.

Im Herbst erschien dann endlich Lieber Daddy Long-Legs von Jean Webster im Königskinder Verlag. Wie lange und wie sehr ich darauf gewartet habe, dass dieses Buch endlich wieder in Buchhandlungen erhältlich ist, habe ich ja groß und breit in einem eigenen Beitrag geschildert. Doch als Highlight sei es hier auf jeden Fall noch einmal erwähnt. Der zweite Teil, Lieber Feind,  erscheint übrigens am 21. März, also kurz nach der Buchmesse in Leipzig und ist eins der letzen Bücher, die der Königskinder Verlag herausbringen wird.
Mein zweites Herbsthighlight war die Neuerscheinung La belle Sauvage von Philipp Pullman. Ich habe die Trilogie His Dark Materials 2007 gelesen, nachdem die damalige Verfilmung im Kino lief, und mich heillos in die Geschichte von Lyra verliebt. Ich habe das neue Buch verschlungen und danach noch einmal die Alten und mich über jede Figur gefreut, die in der Trilogie noch lebt. Danach holte ich mir auch noch die beiden Kurzgeschichten Lyra’s Oxford und Once upon a TIme in the North. Letztere spielt vor Lyras Geburt, erstere ein paar Jahre nach der Trilogie. In Lyra’s Oxford taucht übrigens auch der erwachsene Malcolm auf, was mich dann doch sehr beruhigt hat. Denn egal, was Philipp Pullman ihn in den nächsten zwei Büchern noch durchleben lässt, umbringen kann er ihn nicht.

Mein letztes Buch 2017 war There may be a Castle von Piers Torday und einen schöneren Abschluss hätte ich mir nicht wünschen können. Dieses Buch ist ein kleiner Schatz und eins der Schönsten, die ich je gelesen habe. Solltet ihr es in der Buchhandlung in der Hand haben, nehmt es mit! Legt es nicht zurück ins Regal! Und wenn ihr es nicht auf Englisch lesen wollt, dann verschenkt es an jemanden, der es zu schätzen weiß. Warum, fragt ihr? Lest einfach meinen Beitrag dazu.

So, das war also mein Lesejahr 2017. 55 Bücher, 55 Geschichten und unzählige Buchcharaktere die mir ans Herz gewachsen sind und mich letztes Jahr begleitet haben. Wenn ich es durchhalte (und auch daran denke), werde ich dieses Jahr am Ende jeden Monats einen kleinen Rückblick auf meine Highlights des Monats hochstellen. Mal sehen, was 2018 so zu bieten hat 😉

 

Übrigens, wer sich jetzt wundert, warum ich nicht zu jedem der 55 Bücher eine Rezension hochlade: Das liegt daran, dass ich oft das Gefühl habe, dem Buch nicht gerecht zu werden, wenn ich es wirklich richtig gut fand und mein Lob nicht immer in Worte fassen kann. Bei Aktuelleren sträube ich mich dagegen, dem Trend zu folgen und wie jeder andere Buchblogger über das Gleiche zu schreiben. Lieber warte ich dann ein paar Monate oder rezensiere sie erst, wenn ich sie zum zweiten Mal lese. Mir ist es einfach wichtiger, Bücher zu präsentieren, die mir am Herzen liegen, anstatt mit der Masse zu gehen, auch wenn mir das aktuelle Buch ebenso gut gefällt, wie allen anderen.

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