Vergessene Götter

Manchmal versucht man mit allem, was in seiner Macht steht, jemanden vor dem Vergessen zu bewahren. Man schreit seinen Namen in die Welt hinaus, schreibt ihn an jede Hauswand und pflanzt ihn unbewusst, einem Samen gleich, in die Herzen der Menschen. Bei jeder guten Tat sagt man, er selbst war es, und irgendwann erinnern sich andere an ihn, wann immer etwas Gutes passiert. Benennt man einen Stern nach ihm oder lässt ihn die Inspiration von etwas Großem werden und sein Name bleibt auf ewig in dieser Welt bestehen. Bei Menschen mag es einfach sein sie zu retten, auch wenn manchmal nur eine Person ihrer gedenkt. Doch versucht man einen Gott aus längst vergangener Zeit zu retten, ist dies fast unmöglich. Ein einfacher, kleiner Gott, entstanden aus dem Wunsch eines einzelnen Menschen, kann nicht erinnert werden. Wenn der Mensch ihn vergessen hat, so hört er auf zu existieren, verschwindet einfach wieder im Nichts, aus dem er geboren wurde. Wie also kann man diesen kleinen, unschuldigen Gott davor schützen, wenn man selbst ihn nicht erschaffen hat? Alles was er getan hat, war seine Aufgabe zu erfüllen und gedankt wird ihm mit seiner Vernichtung. Hat er nicht besseres verdient als ein Schicksal weit schlimmer als uns jemals zustoßen würde?
Ich habe sie fallen gehört. Die Tränen jener Götter, die in der Dunkelheit warten und bereits dabei sind, sich langsam aufzulösen. Ich habe ihre Schreie vernommen und ihr Wehklagen, wenn das Einzige, um dass sie uns Menschen baten „Vergiss mich nicht!“ war.
Und schließlich konnte ich nichts anderes machen, als in die Stille zu flüstern, die eintrat, als die Schreie verstummten.
„Wie?“
Es ist unmöglich, verlorene Götter vor dem Vergessen zu bewahren. Alles was ich machen kann, ist sie kurz vor ihrem Verschwinden nach ihrem Namen zu fragen.

Atra erwachte in einer dunklen Nacht zum Leben, als Feuer vom Himmel fiel und ein kleines Mädchen bat, die Sonne noch einmal sehen zu dürfen. In der Dämmerung verschwand sie.

Vegua entstand aus dem Wunsch einer Mutter, die ihr Kind fast bei der Geburt zu verlieren drohte. Das Kind überlebte, er nicht.

Klero sollte ihrem Schöpfer Wohlstand und Ansehen bringen. Das Glück in seinen Augen, als er seine erste Millionen verdiente, war das Letzte, dass sie sehen sollte.

Costul verhalf einem trauernden Vater zu seiner Rache an den Mördern seiner Familie. In dieser Nacht starben mehr als nur Menschen.

Yumis Geschichte kenne ich nicht. Sie verschwand bevor ein weiteres Wort über ihre Lippen kam.

Es ist unmöglich, verlorene Götter vor dem Vergessen zu bewahren. Keinen konnte ich retten. Darum beginne auch ich mich langsam aufzulösen, denn ich konnte ihren Wunsch nicht erfüllen. Bitte vergiss mich nicht! Mein Name ist …

Autorin: Anna von Totenschreiberin

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s