Snow. Die Prophezeiung von Feuer und Eis

Ich bin kein Fan von negativen Rezensionen, aber manchmal liest man Bücher, auf die man sich eigentlich gefreut hat, die einen einfach nur enttäuschen. Und in machen Fällen kann man dann nicht anders und muss seine Meinung loswerden. So geht es mir gerade mit Danielle Paiges neuem Roman Snow. Die Prophezeiung von Feuer und Eis, der 2017 im Thienemann Verlag erschienen ist. Das Buch habe ich als Leseexemplar von der AJuM bekommen, die ich seit kurzem ehrenamtlich unterstütze.

Worum geht es:
Snow ist im Whittaker Institute aufgewachsen, auf der geschlossenen Anstalt der Psychiatrie. Mit sechs versuchte sie, durch einen Spiegel zu gehen. Seitdem ziert eine spinnenlinienartige Narbe ihren Arm. Immer wieder hat sie Wutanfälle, die sie nur schwer kontrollieren kann, bei denen sie nicht selten jemanden verletzt. Der Einzige, der sie beruhigen kann, ist Bale, doch seit er ihr nach ihrem ersten Kuss die Hand gebrochen hat, darf sie keinen Kontakt mehr mit ihm haben. Ein Jahr ist seitdem vergangen, in dem sie jede Nacht von eigenartigen Träumen heimgesucht wird, in denen von Symbolen überzogene Bäume, Klippen an eisigen Flüssen und blutige Schneelandschaften die Hauptrolle spielen. Als eines Nachts ein Fremder vor ihr steht, sie Prinzessin nennt, ihr sagt, sie könne den Schnee kontrollieren, und will, dass sie ihm folgt, weiß sie nicht, was sie tun soll. Doch als Bale plötzlich von eisigen Tentakeln entführt wird, entschließt sie sich, dem Fremden zu folgen ihren Freund aus dem Reich des Schneekönigs zu retten.

Meinung:
Danielle Paiges Roman ist eine Mischung aus Hans Christian Andersens Märchen „Die Schneekönigin“ und Lewis Carrolls „Alice hinter den Spiegeln“. Doch vor allem Andersens Geschichte dominiert die verschiedenen Orte, Personen und Plotstationen des Buches. So finden sich abgewandelt die Räuber, der Garten der Hexe, der Palast der Prinzessin, der zerbrochene Spiegel der Schneekönigin und sogar Kai und Gerda in ihrer Geschichte wieder. Die meisten Hinweise und Parallelen auf das Märchen, ebenso aus Carrolls Buch, fallen jedoch nur auf, wenn man die Geschichten gut kennt.
Snow wird im Reich des Schneekönigs mit ihrer Familiengeschichte konfrontiert sowie einer Prophezeiung, die sie als die Retterin Algids (so heißt diese Schneewelt) tituliert. Als wäre das nicht genug, muss sie auch noch lernen, ihre Magie zu kontrollieren, die gerne auch mal dann ausbricht, wenn sie es am wenigsten gebrauchen kann.
Obwohl die Geschichte spannend klingt und theoretisch viel Potenzial hätte, wirkt sie unfertig und konfus. Paige führt viele Plotlines ein, doch scheint es, als könne sie sich nicht entscheiden, welche sie am spannendsten findet und zu Ende erzählen will. So wirkt sowohl die Welt, als auch die Geschichte oberflächlich geplant und wenig greifbar. Dies trifft auch auf die Nebenfiguren zu, die nicht nur offensichtliche und wenig kreative Namen tragen (Snow = kontrolliert Schnee; Wing = glaubt, sie kann fliegen), sondern auch das Klischee von rosaroten Mädchenromanen bedienen. Auffällig ist dies bei den Love-Interests, von denen es nicht nur einen oder zwei gibt – nein, hier haben wir es mit einer Vierecksbeziehung zu tun. Womit wir auch zu meinem Hauptkritikpunkt kommen: Angeblich ist Snow auf einer Mission, um die Liebe ihres Lebens zu retten. Doch sobald ein attraktiver Kerl vor ihr steht und mit ihr flirtet, verknallt sie sich in ihn. Am liebsten will man Snow schütteln und ohrfeigen und laut „Entscheide dich Mädchen!“ rufen. Und das ist nicht ihre einzige Schwäche. Snow macht in dieser Geschichte keinerlei Charakterentwicklung durch, kann sich nicht entscheiden, bleibt selbstsüchtig und entwickelt kaum Mitgefühl – von Rückgrat ganz zu schweigen. Am Ende tritt sie nur gegen den Schneekönig an, um ihre eigene Haut zu retten, anstatt an der Seite ihrer Verbündeten für die Freiheit Algids zu kämpfen.
Der Erzählstil ist relativ einfach gehalten, doch wirkt die Geschichte manchmal wie eine Anreihung von Bildern, bei der ab und an eins verloren gegangen ist und man sich plötzlich fragt, wie man hier gelandet ist oder woher das jetzt kommt. Ansonsten gibt es mehrere Plottwists, die ein wenig Schwung in die Handlung bringen, wenn auch nicht immer ganz gelungen.

Insgesamt ist das Buch sicherlich ganz nett für die Zielgruppe und schaut man sich in Bewertungsforen um, wird es von vielen auch gefeiert. Vielleser werden jedoch eher enttäuscht sein von den vielen Schwächen des Textes.

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