The Circle

Circle kümmert sich – all deine Internetaktivitäten jetzt an einem einzigen, einfachen, sicheren und transparenten Ort. Begib dich in die Hand von Circle, der einflussreichsten und mächtigsten Firma der Welt und werde Teil eines großen Ganzen.

Mae kann es kaum glauben. Sie hat einen der begehrtesten Jobs der Welt ergattert – Kundenbetreuerin  in der wohl angesagtesten Firma der Welt „Circle“, einer Internetfirma in Kalifornien, die andere Konzerne wie Google, Apple, Facebook, Twitter und Co. geschluckt hat. Sie statten alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität aus, über die einfach alles abgewickelt werden kann. Sie lässt sich begeistern von den Vorteilen, die Mitarbeiter genießen, wie kostenlose Konzerte, Besuche im Campus-eigenen Fitnesscenter, faszinierendem und gesundem Essen und vielen weiteren Angeboten. Schnell fügt sie sich ein, lässt sich einlullen von der firmeneigenen Krankenversicherung, die sich um die MS-Erkrankung ihres Vaters kümmert. Im Gegenzug stattet Circle dessen Wohnung mit Kameras aus zur Rund-um-Krankenstatus-Überwachung – natürlich nur für Ärzte und Mae zugängig. Mae merkt nicht, wie tief sie in den Strom der Circle-Anhänger einsinkt, bevor es zu spät ist. Doch wird sie sich dann entscheiden, dem ganzen den Rücken zuzukehren?

Dave Eggers gelang es mit diesem Roman, uns gekonnt den Spiegel vorzuhalten und uns vorzuführen, wie sehr die Technik und Firmen wie Google und Apple uns mittlerweile in ihren Fängen haben. Wir sind so abhängig geworden vom Internet, von unseren Computern und Handys, dass wir bereitwillig akzeptieren, dass diese Geräte uns rund um die Uhr überwachen. Ich selbst erwische mich immer wieder, wie ich begeistert neuen Apple-Produkten entgegenjuble, ohne darüber nachzudenken, wie sehr diese unsere Freiheit einschränken, uns vielleicht sogar schaden.
Man kann sich als Leser nur schwer mit Mae identifizieren, doch ist man fasziniert von ihr und kann nicht aufhören, dieses Buch zu lesen. Man schüttelt den Kopf über ihre Entscheidungen, doch denkt man nur einen Moment darüber nach, wie man sich selbst in dieser Situation entschieden hätte, wird einem Angst und Bange, denn der Großteil von uns hätte sich ebenso entschieden. Wir sagen nicht Nein, hören nicht auf, denken nicht nach über Konsequenzen. Wir sind fasziniert und wollen Teil eines Größeren sein.

Dieses Buch ist beängstigend. Ohne dem Leser eine Moralpredigt zu halten, hält Eggers ihm doch den Spiegel vor. Es liegt an uns zu entscheiden, was wir aus diesem Buch mitnehmen, wie wir zukünftig mit der Technik umgehen. Ist Abstinenz die Lösung? Oder doch das Mitgehen ohne nachzudenken? Was ist der goldene Mittelweg?
Das Buch ist genial und wer sich durch die manchmal etwas langatmige Erzählweise durchgekämpft hat, wird unsere heutige Gesellschaft vielleicht mit anderen Augen betrachten und eventuell nicht mehr zu allem bedingungslos Ja sagen.

Dieses Jahr erscheint übrigens der Film zum Buch, mit Emma Watson als Mae Holland.

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