Stardust

Wenn ich krank bin, durchwühle ich immer mein DVD-Regal nach Filmen, die mich für ein paar Stunden vergessen lassen, wie schlecht es mir geht. Einer meiner Lieblingsfilme für solche Gelegenheiten ist Der Sternwanderer. Ich besitze diesen nun schon seit Jahren und bin noch nie auf die Idee gekommen, dass dieser vielleicht eine Buchverfilmung sein könnte – wie erstaunt ich im Dezember war, als die berüchtigte Zeile „based on a book by…“ im Abspann auftauchte, könnt ihr euch vielleicht denken. Manchmal hat man echt das Gefühl, man schaut die Dinge zum ersten Mal…

Aber nun zum Buch: Geschrieben wurde es von Neil Gaiman und erschien erstmals 1999. Es handelt von Tristran Thorn, der in dem kleinen, englischen Dorf Wall lebt und in die wunderschöne Victoria verliebt ist (wie wunderschön sie ist, geht einem mindestens dann auf den Keks, wenn Tristran es zum gefühlten hundertsten Mal erwähnt), die jedoch einen anderen, wohlhabenderen jungen Mann liebt. Als eines Abends beide zusammen sind und Tristran ihr gerade einen Antrag macht, fällt eine Sternschnuppe vom Himmel. In seinem Übermut verspricht er Victoria, dass er als Beweis seiner Liebe für sie die Sternschnuppe holen würde, wenn sie ihm verspräche, ihn dann zu heiraten. Victoria willigt ein und Tristran macht sich bereit, loszuziehen.
Das einzige Problem: die Sternschnuppe ist hinter die lange Mauer gefallen, die dem Dörfchen seinen Namen gibt, und die Menschenwelt vom Land der Feen trennt. Sie darf nur von Feen übertreten werden oder aber alle neun Jahre, wenn Markt ist. Nun will das Schicksal (bzw. der Autor) es aber so, dass Tristran unbewusst der Sohn einer Feenlandbewohnerin ist (sein Vater hatte vor 18 Jahren eine schicksalhafte Begegnung, die neun Monate später zu einem Baby in einem Körbchen geführt hatte) und er deshalb die Mauer überqueren darf. So beginnt seine Reise zum gefallenen Stern, der, wie sich bald herausstellt, gar kein Stein ist, sondern etwas anderes, das Tristrans Leben für immer verändern wird.

Ich liebe Gailmans Schreibstil, seinen Sarkasmus und die immer anwesende Ironie. Er lässt keinen Zweifel, dass Magie existiert, stellt nicht in Frage, dass Feen unter und mit uns Leben. Mit viel Witz und Liebe zum Detail erzählt er seine Geschichten und verzaubert seine Leser. Auch Stardust ist dabei keine Ausnahme. Skurrile Figuren, sich nach Herzen verzehrende Hexen und ein unzufriedener Stern begleiten Tristran auf seiner Suche nach sich selbst und dem, was er wirklich vom Leben will – bei einem solchen Ensemble kann man gar nicht anders, als sich in die Geschichte zu verlieben.
Und doch habe ich den Film wahrscheinlich zu oft gesehen, um das Buch mehr zu mögen (was mir selten passiert, denn in 99,99% aller Fälle ist das Buch immer besser). Der Film lässt zwar viel weg, doch meine Lieblingsszene auf dem fliegenden Schiff, die in der sich der Stern und Tristran verlieben, gibt es so im Buch nur in einem einzigen kurzen (viel zu kurzen) Absatz. Auch Kapitän Shakespeare aus dem Film existiert nicht im Buch.

Wer den Film nicht oder nicht zu oft gesehen hat, wird dieses Buch lieben. Die anderen werden es nur sehr mögen. Es ist ein typisches Neil Gaiman Buch mit allem, was das Herz von Phantastik-Fans höher schlagen lässt und damit absolut und unbestreitbar lesenswert.

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