The Perfect

Gesucht wird weibliche Interessentin mit Abitur und Lust, etwas mit Mode zu machen. Sie sollte bereit sein, ein Special-Assistant-Training zu absolvieren, um anschließend Business-Partnerin des neuen It-Fashion-Stores Oulay’s zu werden. Für Interessentinnen öffnet am 24. Mai von 00:00 bis 24:00 Uhr Oulay’s seine Türen und gibt ihnen die Chance, sich für diesen atemberaubenden Job zu bewerben.

So ähnlich lautet der Text auf dem Flyer, mit dem Leena ihrer Freundin Jazz eines Tages vor der Nase herum wedelt. Sie hat nicht besonders Lust, sich darauf einzulassen, will sie doch eigentlich für ein Jahr nach Australien nach dem gerade bestandenen Abitur. Es gelingt ihr jedoch nicht, ihrer Freundin den Wunsch, gemeinsam daran teilzunehmen, abzuschlagen und ehe sie sich versieht, steht sie in der Schlange vor dem neuen It-Store und wartet darauf, eingelassen zu werden. Dass sie bald an einem Casting teilnehmen wird, dessen Regeln sie mehrfach an ihre Grenzen bringen und sie dabei ihre Freundin verlieren wird, ahnt sie zu diesem Zeitpunkt nicht.

Pünktlich zur Leipziger Buchmesse 2016 erschien Patrizia Schröders Roman The Perfect beim Coppenrath Verlag. Ich kannte zu diesem Zeitpunkt weder die Autorin, noch den Inhalt oder das Cover. Einzig der Veranstaltungstext aus dem Programmheft der Buchmesse hatte mich neugierig gemacht und zog mich zum Messestand von Coppenrath. Schnell landete das Buch in meiner Tasche und während einer langweiligen Minute an meiner zu betreuenden Leseinsel (ich arbeitete damals das zweite Mal an der Leseinsel Fantasy als Forenbetreuer) begann ich, den Roman zu lesen. Schnell war ich in der Handlung gefangen und konnte das Buch nur schwer wieder aus der Hand legen, zu sehr faszinierte mich die Handlung, zu sehr nahm sie mich gefangen.
Zur Abwechslung zu den Büchern, die ich sonst lese (Bücher von englischsprachigen Autoren), spielt dieses Buch in Hamburg. Jazz, die Hauptfigur dieser Story, landet in diesem Casting und muss schnell erkennen, dass es den Organisatoren des Ganzen völlig egal ist, wie es den Mädchen, die daran teilnehmen, geht, Hauptsache die Show bringt genügend Zuschauer und die Kasse klingelt. In Rückblenden bekommt der Leser einen Ausblick, wie die Geschichte enden wird, erfährt, dass doch nicht alles wie geplant in dieser Glitzerwelt läuft. Einschübe über die Handlung hinter den Kulissen lassen die ganze Veranstaltung noch perfider wirken.
Das Lesen dieses Romans hat auf mich eine ähnliche Faszination ausgewirkt, wie das Schauen von Castings im Fernsehen. Man fiebert mit seiner Favoritin, freut sich, wenn hinterlistige Mädchen bestraft werden. Doch was als Spass beginnt, wird schnell bitterer Ernst. Mädchen werden bestraft und verletzt. Sie werden erpresst und brechen unter dem Druck zusammen. Mit jeder gelesenen Seite werden einem die Organisatoren des Castings unheimlicher und man wünscht sich nur noch, dass Jazz und ihre Freundin überleben.

Ich mochte das Buch sehr, sowohl den Schreibstil als auch den Plot. Wer auf Psychospielchen, Machtkämpfe und die Welt der Mode steht, sollte diesen Roman unbedingt lesen. Man braucht nicht immer nur eine dystopische Welt, um einen dystopisch anmutenden Roman zu schreiben – unsere Zeit hält genügend Möglichkeiten bereit, wie Patrizia Schröder mit diesem Roman bewiesen hat.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s