Geschichten der Jahreszeiten

Gerade habe ich die Jahreszeiten-Reihe von Jennifer Wolf beendet (jedenfalls die vier Teile, die bereits veröffentlicht sind). Die Reihe erschien im Carlsen Imprint impress als eBooks, der erste Teil ist seit Anfang August auch als Taschenbuch erhältlich.
Die Handlung spielt auf der Erde, doch ist von dieser, wie wir sie kennen, nicht mehr viel übrig. Die Bevölkerung unseres Planeten beschränkt sich auf eine Siedlung irgendwo im ehemaligen Schweden, genannt Hermera, und dem darum gelegenen Grenzgebiet. Der Rest der Erde ist mit einer dicken Eisschicht bedeckt, um sie von all dem zu reinigen und zu heilen, was wir ihr angetan haben und noch antun werden. Umgesetzt wird die Heilung des Planeten von der Göttin Gaia und ihren vier Söhnen, denn Inspiration dieser Romanreihe war ein Kinderlied, welches auch mehrfach in den Romanen erwähnt wird:

Es war eine Mutter,
die hatte vier Kinder:
den Frühling, den Sommer,
den Herbst und den Winter.
Der Frühling bringt Blumen,
der Sommer den Klee,
der Herbst, der bringt Trauben,
der Winter den Schnee.

Die Göttin Gaia hat sich den Menschen offenbart und die Fleißigsten als Grundlage einer neuen Zivilisation nach Hermera gebracht. Hier regieren die Frauen, denn sie schenken Leben wie die Göttin selbst. Während die Priesterinnen die Stadt verwalten, leben die anderen Menschen um den Orden herum. Geld wurde abgeschafft, dafür der Kommunismus eingeführt (allerdings natürlich mit einer gaiaistischen Ideologie). Der Preis, den die Menschen für ihr fast schon paradiesisches Leben in Hermera zahlen müssen, ist die „Opferung“ einer Jungfrau aller hundert Jahre. Diese Jungfrau, gewöhnlich eine junge Priesterin aus dem Orden, wird von Gaia persönlich während einer Zeremonie ausgesucht, um dann die Göttin in ihr Reich zu begleiten und dort einen ihrer vier Söhne zu heiraten. Diesem wird sie hundert Jahre Gesellschaft leisten, bevor sie stirbt und eine neue Auserwählte ihren Platz für die nächsten hundert Jahre einnimmt. So jedenfalls hat es all die Jahre funktioniert, bevor die Handlung der Reihe beginnt und die erste Protagonistin, Maya Morgentau, die Geschichte verändert.
Jeder der vier Teile handelt von der Wahren Liebe eines der Söhne der Göttin, jeder Teil hält andere Überraschungen für den Leser bereit und keine Liebesgeschichte gleicht der anderen.

Ich habe den ersten Teil in der Buchhandlung entdeckt und mitgenommen, weil mich die Story gereizt hat. Was ich nicht sofort gesehen habe, war, dass der Titel bei impress erschienen ist. Ich bin kein Fan der in diesem Imprint erschienenen Werke, sind sie qualitativ doch nicht besonders hochwertig und grammatikalisch und orthografisch eine Blamage für den Carlsen Verlag. Carlsen gehört zu meinen absoluten Lieblingsverlagen, doch schadet er sich, meiner Meinung nach, mit diesem Imprint selbst. Diese Buchreihe ist leider keine Ausnahme.

Doch zuerst zum Positiven: Ich mag die Idee der vier Bücher ganz gerne und auch die Charaktere in ihnen fand ich sehr sympathisch und vielschichtig ausgearbeitet. Vor allem der vierte Teil hat es mir angetan und ich mochte es, dass die Autorin gleichgeschlechtliche Liebe mit einfließen lassen hat und diese auch von der Göttin als gleichwertig verteidigen ließ. Auch rechne ich Jennifer Wolf hoch an, dass sie es schafft, ihre Leser in wirklich jedem Teil emotional zu berühren, sodass man die ein oder andere Träne für die Figuren verdrückt. So etwas gelingt bei weitem nicht jedem Autoren.
Die Schwäche der Reihe ist jedoch der Plot. Er wirkt an vielen Stellen zu sprunghaft, manche wünscht man sich mehr ausformuliert. An einigen Stellen wiederum hat man das Gefühl, der Autorin war es nicht actionreich genug, weshalb sie einfach noch Wendungen eingefügt hat, die ehrlich gesagt etwas fehl am Platz und abstrus wirken. Auch haben sich vor allem im letzten Teil viele Gespräche und Liebesbekundungen wiederholt, was mit der Zeit wirklich nervig wurde. Der Leser hat schon bei der ersten Bekundung verstanden, wie sehr sich das Paar liebt, von mir aus kann man es auch noch zwei- bis dreimal erwähnen, aber wenn gefühlt alle drei Seiten das Gleiche gesagt wird, geht es einem wirklich auf den Keks und versaut einem den Spass am Lesen. Ich finde so etwas einfach schade, vor allem wenn eine Story so viel Potenzial hat, wie die von Jennifer Wolf.
Ein weiterer Punkt, der mich beim Lesen sehr gestört hat, war die mangelnde Orthografie und Grammatik der Reihe. Die Kommas in dieser Reihe wurden an vielen Stellen eher nach gut Glück gesetzt, als nach grammatikalischen Regeln. Auch hat die Autorin Probleme, „wieder“ und „wider“ auseinander zu halten, um nur einen der sich wiederholenden Rechtschreibfehler zu erwähnen. Deswegen gibt es Lektoren, liebe Autoren, denn vielleicht nicht allen, aber vielen eurer Leser wird dies auffallen und manche werden sich  daran stören.

Abschließend kann ich sagen, dass die Buchreihe nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes ist. Sie hat viel Potenzial, doch wurde dieses leider bisher nicht ausgeschöpft. Trotzdem bin ich gespannt, was im fünften Teil geschehen wird, der im Oktober erscheint.

Teile: 
1. Teil: Morgentau. Die Auserwählte der Jahreszeiten
2. Teil: Abendsonne. Die Wiedererwählte der Jahreszeiten
3. Teil: Nachtblüte. Die Erbin der Jahreszeiten
4. Teil: Tagwind. Der Bewahrer der Jahreszeiten
5. Teil: Göttertochter. Das Kind der Jahreszeiten (erscheint Anfang Oktober ’16)

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